Bad Aibling: Die Ruhe nach dem Sturm

Wie geht es weiter in Sachen neues Lichtspielhaus? Alle Beteiligten sagen: „Jetzt ist erst einmal Weihnachten"

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Bad Aibling – Am Tag eins nach dem Bürgerentscheid heißt es erst einmal durchatmen. Wunden lecken auf der einen, und zufrieden sein auf der anderen Seite. Nachdem ziemlich eindeutigen Votum, bei dem sich die Aiblinger mehrheitlich gegen das geplante neue Lichtspielhaus entschieden haben, dürfte es klar sein, dass dieser Bau nicht in die Innenstadt kommt. Wie es weitergeht an dieser Stelle ist derzeit noch völlig offen. Klar ist nur, dass in den kommenden Wochen nichts entschieden oder passieren wird. Denn sowohl Max Regensburger, Mit-Initiator der Bürgerinitiative gegen den Neubau, als auch Maximilian Werndl, Geschäftsführer der Bauherren Werndl & Partner, teilen mit: „Jetzt soll es erst einmal Weihnachten werden.“

Die Enttäuschung sitzt tief bei Maximilian Werndl (Foto). „Wir hatten uns nach dem wochenlangen Wahlkampf ein besseres Ergebnis erhofft“, gibt er zu. Die Gründe, wieso der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs letztendlich bei den Bürgern, die am Sonntag zur Wahlurne gingen, durchgefallen ist, kann er nur vermuten. „Bei dem Entscheid ging es im Wahllokal nur um die Fragestellung, ob fünf Geschosse an dieser Stelle sein dürfen oder nicht. Doch man hat in Gesprächen mit den Menschen vorab gemerkt, dass es vielschichtigere Dinge sind, die die Bürger bewegen. Stellplätze und Fassadengestaltung wurden hier ebenfalls diskutiert.“

Werndl denkt auch, dass die Abstimmung von einigen Wählern für eine generelle Abrechnung mit städtischen Entscheidungen genutzt wurde. „Ich glaube, dass bei einigen da auch die Ablehnung gegenüber früheren Bauten eine Rolle gespielt hat, man hat gemerkt, dass es Frust über die Verwaltung gibt.“

Wie es an dieser Stelle mit dem Lichtspielhaus weitergehen soll, kann und will Maximilian Werndl zur Zeit nicht sagen. „Im Moment kann ich einfach keine gute Entscheidung treffen“, sagt er. „Jetzt soll erst einmal Weihnachten kommen.“

Dass allerdings in Aiblings Innenstadt in den kommenden Jahren ein verfallendes Gebäude stehen wird, ist jetzt schon absehbar. Werndl: „Das zieht sich jetzt noch fünf bis sechs Jahre, bis da etwas passiert“, sagt er und erinnert an das ganze Prozedere, das jetzt abgehen wird – Werndl erwartet einen langwierigen Prozess, bis da ein Bebauungsplan erstellt ist, der für alle Eigentümer in der Kirchzeile passt. „Da werden viele Gespräche geführt werden müssen und es muss geklärt werden ob wir und andere Eigentümer da mitreden dürfen.“

Unklar ist derzeit auch, wie es mit den Mietverhältnissen im Gebäude weitergehen wird. Ursprünglich war der Neubau-Beginn für kommendes Jahr geplant, welches Geschäft hier wie lange noch bleiben wird, muss verhandelt werden. Erschwerend kommt beim Gebäude dazu, dass die Heizung veraltet ist und öfters ausfällt, auch das Dach ist an einigen Stellen undicht. Deshalb waren schon in der Vergangenheit einige Mieter unzufrieden. An eine Renovierung der betroffenen Gebäudeteile denkt Maximilian Werndl derzeit nicht. „Ich habe natürlich keine große Lust, da jetzt Geld reinzustecken“, sagt er und befürchtet, dass das Gebäude deshalb irgendwann einmal leer stehen und dem Verfall geweiht sein wird.

Konkreteres will er dann im kommenden Jahr dazu sagen. „Wir werden 2019 Pläne schmieden und mit den Mietern reden“, kündigt er an. Doch jetzt soll erst einmal Weihnachten sein …

Das sieht Max Regensburger (Foto) genauso. Der Mit-Initiator der Bürgerinitiative gegen das Lichtspielhaus und somit auch mitverantwortlich für das Bürgerbegehren gesteht zwar: „Wir fühlen uns gut und sind auch sehr zufrieden, vor allem, weil die Entscheidung s deutlich ausgefallen ist.“ Trotzdem will der Inhaber eines Uhren- und Schmuckgeschäftes in der Kirchzeile jetzt erst einmal durchschnaufen. „Vor Weihnachten passiert jetzt gar nichts mehr“, sagt er. Im neuen Jahr will er dann aktiv mit anderen Eigentümern der Kirchzeile an einem passenden Bebauungsplan mitwirken. Er sagt: „Ich kenne einen Fachmann, der Aibling überblicken kann. Den würde ich gerne der Stadt vorschlagen, denn der kann Möglichkeiten aufzeigen, was in der Innenstadt geht.“

Weil nur ein Verhinderer will Regensburger nicht sein. Sein Wunsch: Alle zusammen, die Kirchzeilen-Eigentümer, die Verwaltung, Fachleute sowie Werndl & Partner erarbeiten eine gemeinsame Lösung. Und er stellt klar: „Mir geht es hier nur um die Sache und nicht um Personen. Ich habe keinen Grund, auf irgend jemand böse zu sein. Außerdem wollte ich niemand etwas verderben. Uns ging es bei dem Bürgerentscheid nur darum, die Kirchzeile vor überdimensionaler Bebauung zu schützen.“

Das ist wohl erst einmal gelungen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das der Weg in die richtige Richtung war.

 

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