Bad Aibling: Raum für Begegnung

Siegerentwurf das Architektenwettbewerbs Karl-Wagner-Straße setzt auf viel Freifläche

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Bad Aibling – Und schon wieder ein Architektenwettbewerb! Dieses Mal ging es um die Wohnanlage Karl-Wagner-Straße, die in den kommenden Jahren erneuert wird und für die die Stadt einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausschrieb. Anders als beim heiß und viel diskutierten Thema „Neues Lichtspielhaus“ ist der Fall hier jedoch um einiges klarer und wohl auch weniger kritisch. Unter den 16 eingereichten Planunterlagen und Modellen kristallisierte sich beim Preisgericht, das am 3. Dezember tagte,  schnell ein Favorit heraus, der am Ende dann mit 7:0 einstimmig auf den ersten Platz gewählt wurde. Sieger ist das Studio Kubik Architekten mit Jens Metz Architekten aus Berlin.

Foto oben: Professor Jens Metz, mitverantwortlich für den Siegerentwurf, erklärt seinen Plan 

Professor Hans-Peter Hebensberger-Hüther, Vorsitzender des Preisgerichts, stellte nun am vergangenen Samstag die eingereichten Entwürfe bei einem kleinen Rundgang im Rathaus vor und war dabei voll des Lobes über die Art und Weise des Wettbewerbs. „Dieser hier war anonym und ein guter Wettbewerb zeichnet sich dadurch aus, dass nichts durchdringt. So wussten wir bis zum Schluss nicht, welcher Entwurf von wem war.“ Und so hatten am Ende zwei Berliner Büros die Nase vorn, die regionalen Architekten schafften es mit ihren Entwürfen nur bis zum 1. Rundgang.

Hebensberger-Hüther (Foto r.) hob auch die hochkomplexe Aufgabenstellung hervor, die vielen Bewerbern hohe Hürden in den weg legte. „Hier mussten Dinge wie Schallschutz, Feuerwehrzufahrten, Funktionalität und Förderfähigkeit berücksichtigt werden“, sagte der Vorsitzende. Dabei war den Preisrichtern auch klar, dass nicht jeder Aspekt immer vollständig berücksichtigt werden konnte. „Einige Punkte gibt es da noch zu optimieren.“

Dennoch stellte der Preisrichter klar, dass der Siegerentwurf in jedem Moment bei der Jury immer an erster Stelle lag. In der Jury saßen neben Architekten und Städteplanern auch die drei Bürgermeister Bad Aiblings Felix Schwaller, Erwin Kühnel und Kirsten Hieble-Fritz sowie Stadtbaumeister Andreas Krämer.

Zur Vorstellung des Siegerentwurfes waren die Architekten Jens Metz, Ladislaus von Fraunberg und Jonas Güldenberg aus Berlin angereist, und Jens Metz erklärte den anwesenden Mitgliedern des Stadtrats die Arbeit. „Wir haben uns hier bewusst auf eine sehr schlichte Architektur in Ziegelbauweise konzentriert“, sagte er. „Das ist sehr kostengünstig, und damit haben wir bei einem Projekt in Neu-Ulm sehr gute Erfahrungen gemacht, für das wir auch einen Preis bekommen haben. Wichtig war uns auch, dass wir viel Platz für große Bäume und gemeinschaftliche Freiflächen schaffen, die Raum für Begegnung bieten.“ Eine weitere Besonderheit ist die geplante Raumgröße. Die Siegerarchitekten veranschlagten fast alle Räume in den Wohnungen etwa gleich groß. „Damit können wir auf veränderte Familiensituationen eingehen und es ist nicht von vorneherein festgelegt, was Kinder- und was Elternschlafzimmer wird.“

Die Jury stellte in ihrer Bewertung positiv heraus, dass sich das Quartier als eigenständiges Ensemble mit besonderen stadträumlichen Qualitäten darstellt. Dazu gehört auch die klare Trennung von Außenräumen und Gebäude. Durch das auf 95 Zentimeter angehobene Erdgeschoss gibt es keine Mietergärten vor den Wohnungen, sondern lediglich gemeinschaftliche Freifläche.  Für Professor Hans-Peter Hebensberger-Hüther ist das ein Vor- und ein Nachteil. „Wir hatten hier die Diskussion – wer pflegt diese Flächen?“, sagte er. „Das muss letztendlich von der Stadt organisiert werden.“

Am Ende überwog für die Preisrichter aber eindeutig der Aspekt, dass hier viel Raum für soziale Begegnungen geschaffen wird. „Es ist heute wichtiger denn je, dass Gemeinschaft genügend Platz bekommt. Das muss gefördert werden.“ Auch, dass jedes Haus einen Lichthof im Eingangsbereich erhält, kam bei der Jury sehr gut an. „Durch diese Zugänge werden auch die Häuser zu Begegnungsstätten.“  Ebenfalls positiv bewertet: Insgesamt werden nur vier Lifte verbaut und die Gebäude sind trotzdem komplett barrierefrei. Hebensberger-Hüther: „Das ist sehr wirtschaftlich. Damit kann man vielleicht an anderer Stelle wieder etwas mehr investieren.“

Am Ende gab es auch von den anwesenden Stadtratsmitgliedern Lob und Beifall für den Siegerentwurf. Nun muss besprochen werden, wie die Baumaßnahme angegangen wird, und – am Wichtigsten – wie für diese Zeit die derzeitigen Bewohner untergebracht werden können. Obwohl es am Siegerentwurf wenig zu rütteln geben wird, gibt es noch vieles in die Wege zu leiten und zu diskutieren, bis endlich auch hier die ersten Bagger rollen.

 

 

 

 

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