Bad Aibling: Seite an Seite mit den Mitarbeitern

Das Hotel Sankt Georg hat in der Auseinandersetzung mit einem Angestellten die meisten Beschäftigten hinter sich

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Bad Aibling – Von wegen besinnliche Tage und staade Zeit – im Hotel Sankt Georg geht’s derzeit rund. Und das liegt nicht nur an den saisonüblichen höheren Gästezahlen. Die Hotelleitung hat nebenbei noch eine Auseinandersetzung mit dem Chef de Partie aus der Küche, dem die fristlose Kündigung vorliegt. Dieser Mann macht dem Betrieb nun über die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) richtig Dampf und wundert sich: Die meisten Mitarbeiter des Hauses solidarisieren sich mit dem Arbeitgeber. In einem offenen Brief sagen sie: „Wir Mitarbeiter stehen zu 100 Prozent hinter unserem Arbeitgeber Hotel St. Georg“. Der komplette Wortlaut steht am Ende des Textes.

Dieser Treueschwur der Mitarbeiter konnte das Arbeitsgericht Rosenheim trotzdem nicht davon abhalten, die anfangs der Woche auf das nächste Jahr verschobene Betriebsratswahl zwangsweise für den gestrigen Donnerstag, den 20. Dezember, zu verordnen – per einstweiliger Verfügung.

Doch der Reihe nach:

Am 27. November erhielt ein Küchenmitarbeiter, gelernter Koch, die fristlose Kündigung, nachdem er bereits Anfang November eine erste Abmahnung bekommen hatte. Geschäftsführer Hans Reif wirft ihm systematischen „Arbeitszeitbetrug“ vor – das heißt in der Praxis, dass der Mann wiederholt seine Pausen nicht ausgestempelt hat.

Als der schließlich deswegen die fristlose Kündigung erhielt, sah er sich als Opfer, vor allem aufgrund seiner Kandidatur für den Betriebsrat. Genau dies sei nicht richtig, sagte Reif und erklärte Anfang Dezember: „Wenn da ein Zusammenhang besteht, so nur deshalb, weil der Mitarbeiter, womöglich geglaubt hat, die Kandidatur gebe ihm Narrenfreiheit und deshalb dürfe er seinen Arbeitgeber weiter betrügen. In unserem Hause werden jedoch alle Mitarbeiter gleich behandelt.“

Der gefeuerte Koch zog vors Arbeitsgericht, wo noch entschieden werden muss, ob die fristlose Kündigung rechtens ist.

Unbesehen davon plante das Hotel Sankt Georg schon vor einigen Monaten die Betriebsratswahl für den 20. Dezember. Die Mitarbeiter einigten sich auf einen Wahlvorstand, alles schien seinen normalen Verlauf zu nehmen.

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Zum einen sahen sich die gewählten Wahlvorstand-Mitglieder den Drohungen von Georg Schneider, dem Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern, ausgesetzt und zum anderen ereilte sie am Montag die Nachricht, dass Hans Reif am Sonntag einen Herzinfarkt erlitten hat und für längere Zeit ausfällt. Der Wahlvorstand trat deshalb einzeln „aus persönlichen Gründen“ zurück.

Bemerkenswert: Noch während Norman Moll, der komissarische Geschäftsführer, am Montag die Belegschaft über Reifs Herzinfarkt und auch über die Gewerkschaftsvorwürfe, das Hotel würde seine Mitarbeiter schlecht behandeln und bezahlen, informierte, stand eine Mitarbeiterin auf und verfasste einen offenen Brief (s.u.). Sie sagte zu ihren Kolleginnen und Kollegen: „Wer möchte, darf hier gerne unterschreiben.“ Das Tat die überwiegende Mehrheit der 78 Mitarbeiter.

Im Gespräch mit der AIB-Stimme ist es Norman Moll auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Haus keinesfalls Betriebsratswahlen vermeiden will. „Es geht uns nur um die Gesamtsituation. Nachdem der Wahlvorstand zurückgetreten ist, hätte dafür neue Leute von den Beschäftigten gewählt werden müssen. Das und dann noch die Wahl in der Hauptsaison vor, während und nach Weihnachten, ist einfach zu viel“, sagt er.

Doch das Gericht kannte hier keine Gnade. Per einstweiliger Verfügung bestellte es Georg Schneider von der Gewerkschaft, dessen Kollege Manuel Halbmeier und den gekündigten Koch zum Wahlvorstand. Tenor: Komme was wolle – die Betriebsratswahl muss noch am 20. Dezember durchgeführt werden.

Moll zum Thema Betriebsrat: „Ja, wir hatten bereits einen Betriebsrat, der sich aber 2012 aufgelöst hat. Der wurde dann durch einen runden Mitarbeitertisch ersetzt, übrigens ein Vorschlag unserer Mitarbeiter. Und an diesem Tisch saßen keine Abteilungsleiter oder sonstige Führungskräfte. Dennoch wurde schon Mitte des Jahres angeregt, dass Betriebsratswahlen ausgerufen werden. Und das wurde von allen Seiten für gut befunden.“ Allerdings unter den gegebenen Umständen zu einem entspannteren Termin Anfang Februar, mit einem von allen Mitarbeitern demokratisch gewählten Wahlvorstand und mit einem Geschäftsführer an Bord, der dann zu diesem Zeitpunkt hoffentlich wieder von seinem Infarkt genesen ist.

Und hier der offene Brief der Mitarbeiter:

 

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