Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um Außenansichten

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Schon mal eines vorweg: Radio höre ich so gut wie nie. Daheim sowieso nicht, da mich das Einheitsbrei-Angebot abstößt – BR-Klassik einmal ausgenommen – und im Auto nur, wenn es um Verkehrsnachrichten geht, weil die Handy-Glotzerei während der Fahrt einfach nicht geht. Gestern war wieder so ein Tag. Staus und Unfälle überall, und ich musste am Abend von München zurück in den Altlandkreis. Also zähneknirschend BR 3 eingestellt und gelauscht.

Da war ein schwer erträglicher Moderator am Mikro, der dann auch bei den Verkehrsnachrichten den ganz Lockeren rausgehängt hat. „Ach, kaum schneit’s ein  bisschen, stellen sich alle wieder an wie die Anfänger“, war sein sinngemäßer Spruch. „Und warum so viele Unfälle? Heutzutage fahren doch so viele einen SUV …“ Ja, ein megacooler Kommentar. Abgelassen aus einem trockenen, warmen und garantiert schneefreien Senderaum.

Wäre der lässige Hund selber draußen gewesen, hätte er wohl anders geredet. Auf manchen Straßen in und um München war nämlich nicht der Schnee das Problem, sondern das blanke Eis. Wenn schon das Anfahren auf einer ebenerdigen Straße zum Abenteuer wird …

Aber reden wir nicht über Verkehrsverhältnisse und Wettereinflüsse. Sondern über die Haltung hinter derartigen Sprüchen – mit dem gleichzeitigten Blick in den Spiegel. Denn man verhält sich oft sehr ähnlich. Ohne über etwas genau Bescheid zu wissen, maßt man sich an, die Situation von außen mal eben locker zu beurteilen. Es ist doch oft so: Man hat null Insider-Informationen, dafür aber gleich eine Meinung zu etwas. Sei’s im Sport, in geschäftlichen Dingen oder wenn es um Einschätzung der Lebenssituation anderer Menschen geht.

Ja, es fällt schwer, sich da manchmal ein Stück zurückzunehmen, in einigen Momenten besser zu schweigen und sich – noch besser – erst einmal zu informieren. Weil man  ja vielleicht seine Meinung überdenken oder sogar ändern müsste. Sehen wir die Sache jedoch positiv – vielleicht kann das ja auch ein Ziel für den einen oder anderen in diesem Jahr sein: Sich die eigene Wahrheit nicht durch das tägliche Starren in den Zeitverbrennungsofen oder andere Medien (auch die AIB-Stimme ist ein Medium!) zurecht legen, sondern die Erfahrungen selber machen und erst dann urteilen. Und sei’s nur bei einer Verkehrsdurchsage …

 

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