Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um Warteschlangen

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Manchmal habe ich meinen Anfall und ich zappe mal wieder durch Facebook. Das hat viele Vor-, aber auch viele Nachteile. Die Vorteile sind für mich schon die Geschichten, auf die man in den handelsüblichen Medien nicht unbedingt gestoßen wird, die Nachteile sind wiederum so Dinge wie dieses ständige Hin und Her zwischen links und rechts. Wer ist gut, wer ist böse? Wie sinnvoll sind Diesel-Fahrverbote, E-Autos und Umweltauflagen? Doch reden wir nicht über Nachteile. Ab und zu stößt man dann wirklich auf was, das einen mehr als einen Klick lang beschäftigt. Neulich war das …

… für mich ein künstlerisch vielleicht nicht besonders wertvolles Bild, das aber nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Da drauf standen auf einer großen Wiese unzählige Menschen in einer Schlange. Ganz vorne, als es dann in den Abgrund ging, flog der erste Mensch weg wie ein Vogel. Aussage: Wir alle stehen von Geburt an in einer Warteschlange, aus der wir nicht raus können und uns ein Stück weiter nach vorne oder hinten einreihen können. Wir alle stehen in der Schlange – und irgendwann einmal stehen wir ganz vorne. Dann ist unsre Zeit um. Keine Chance, um zu verhandeln.

Obwohl das im Prinzip ja uns allen bewusst ist, habe ich es hier so anschaulich vor Augen gehabt, dass ich mir seitdem tatsächlich noch ein bisschen mehr Gedanken darüber mache, mit wem und wie ich meine Zeit verbringe. Widme ich sie den Dingen, die anderen Menschen und mir etwas bringen oder schlage ich sie mit unnützen Tätigkeiten einfach tot? Und viel zu oft ertappe ich mich noch dabei, wie ich etwas mache, das nichts anderes tut, als Zeit zu verbrennen. Wertvolle Zeit. Denn ich weiß nicht, an welcher Position in der Warteschlange ich selber stehe.

Und wie es oft so ist – wenn man sich mit einem Thema intensiver auseinandersetzt, wird man mit Personen, Aussagen und Meinungen konfrontiert, die sich eben um genau das drehen. So wurde ich gestern bei einer Doku, die ich im Internet während meiner Ergometer-Stunde geschaut habe, auf folgende These aufmerksam: „Viele Menschen sagen, dass Zeit Geld ist. Doch das stimmt nicht. Geld ist unendlich. Zeit nicht.“

Tatsächlich hat der Mann, der das gesagt hat – Oscar Karem – in meinen Augen Recht. Denn auch wenn alles Geld, das man hat, weg sein sollte, gibt es Mittel und Wege, es sich wieder zu holen. Und wer schlau ist und Geschäftssinn hat, kann es vermehren bis zum Gehtnichtmehr. Theoretisch grenzenlos. Aber verlorene Zeit bekommt man nicht mehr zurück.

Wobei ich hier etwas einhaken will: Wer sich zeit seines Lebens ungesund ernährt, raucht, trinkt, sich nicht bewegt, Medikamente schluckt und mit ständig negativen Gedanken durch den Tag läuft, kann sich tatsächlich etwas Zeit zurückholen, wenn er denn anfängt, seinen Lebensstil zu verändern. Vielleicht fünf, vielleicht zehn, vielleicht fünfzehn Lebensjahre. Wertvoll genug. Sicher – mit dem Bild der großen Warteschlange vor Augen ist auch diese Veränderung schon bei der Position in der Schlange eingearbeitet. Aber vielleicht gibt gerade dieser Gedanke über den Wert der Zeit manchen Zeitgenossen den nötigen Push, sich endlich in die bessere Richtung, hin zu einem qualitativ schöneren Leben zu bewegen. Ob genau dieser Wandel vom Schicksal eh schon vorhergesehen war, will ich hier und jetzt nicht in die Diskussion reinwerfen.

Jedenfalls hat es für mich vorhergesehen, dass ich nun noch bewusster mit meiner Zeit umgehe und all meine Tätigkeiten hinterfrage. Motto: Nutze jede Minute. Lass unnötiges weg, sei produktiv und inspirierend bei Deiner Arbeit und genieße dabei jeden Moment, auch in den Ruhepausen. Denn wer weiß, an welcher Stelle der Warteschlange Du selbst stehst.

 

 

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