Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um Chaoten

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Na – was ist heute wohl das Thema des Tages in der Region? Brennerbasistunnel? Enkeltrickbetrüger? Arme Kiffer, die der Polizei in die Arme laufen? Natürlich nicht. Denn es schneit. Und dieser wundersame Stoff, der sich über uns und die Landschaft in den vergangenen gelegt hat und legt, bringt etwas fertig, das auch Weihnachten nicht schafft: Die Menschen werden entspannt. Hilft ja nix.

Viele Veranstaltungen und Termine werden abgesagt und verschoben. Fast alle Schulen machen heute und morgen gleich ganz dicht – ob das angemessen ist, sei mal dahingestellt – bei vielen Menschen kehrt Ruhe ein. Hilft ja nix, denn es schneit ja. Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes höhere Gewalt. Von dem her gesehen sind so heftige Wintertage ein Segen. Weil sie einen wieder erden, das Tempo aus dem Alltag rausnehmen und man sich zwangsläufig wieder auf das Wesentliche konzentriert. Das geht schon beim Winterdienst los, der keine andere Chance hat, als sich nur auf die Hauptverkehrswege zu konzentrieren und die Seitenstraßen meist links liegen lassen muss. Und das geht weiter bei all den pseudogeschäftigen Machern, die plötzlich einen um den anderen Außentermin canceln müssen.

Das mag im ersten Augenblick vielleicht verdammt ärgerlich sein. Doch später wird man sehen: Die Welt dreht sich weiter, und sooooo wichtig waren die meisten Meetings dann doch nicht. In diesen Momenten kann man sich wieder mehr auf die essentiellen Dinge konzentrieren, gewonnene Zeit dazu nutzen, raus zu gehen in den Schnee und das alles volle Kanne zu genießen. Das hab‘ ich zum Beispiel gestern Morgen gemacht und das hat mir mehr gebracht als jedes Motivationsseminar. Wenn man alleine für sich durch den Schnee stapft, ist man ganz bei sich selbst und kriegt den Kopf frei für so vieles, was bei einem sonst inmitten all der Terminhatz irgendwo im Gehirn weit nach hinten rutscht.

Und gerade solch wertvolle Momente lassen mich dann ungläubig den Kopf schütteln, wenn an vielen Stellen wieder ganz schnell von „Schneechaos“ geredet wird. Dieser Ausdruck gehört meiner Meinung nach auf die Müllhalde der Sprache. Denn letztendlich geht es da bei den meisten Leuten wohl eher um das Chaos im eigenen Kopf, als um das bisschen Unordnung, die der Schnee so anrichtet. Das ist wahrscheinlich bei Einigen ein grundsätzliches Problem – kaum wird der durchgetaktete Tag in seiner Routine gestört, wird die Situation vermeintlich unbeherrschbar und bringt das innere Gleichgewicht ins Wanken. Wobei ich da sage: Nimm die Situation an, freu Dich, dass wir mal wieder einen richtigen Winter haben, geh raus, lege den Kopf in den Nacken, fange die Schneeflocken mit der Zunge auf und danke dem Himmel für den weißen Entschleuniger. Hektisch und grau wird’s wieder von alleine. Versprochen.

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