Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um Ursachenforschung

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Es ist mal wieder Zeit, Gesicht zu zeigen. Oder zumindest seine Unterschrift. Denn es ist Volksbegehren. „Rettet die Bienen” heißt es und meint eigentlich „Artenvielfalt erhalten”. Das kann ja wohl jeder nur gut finden, da geht man auch gern mal ins Rathaus oder sonst wohin, um entschlossen, engagiert und voller Eifer seinen Servus in die Unterschriftenliste einzutragen. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch ich werde unterschreiben. Allerdings schwillt mir bei einer Aktion wie dieser auch schnell der Kamm. Wieso?

Weil es mal wieder so was von leicht ist, sich mal per Unterschrift zu engagieren. Das ist genauso wie wenn man in der Fußgängerzone seine Unterschrift gegen Tierquälerei abgibt. Kritzi-Kratzi – Gewissen beruhigt und pfiad di. Ja, das Volksbegehren fordert mehr Ökolandbau-Fläche, 30 Prozent sollen’s irgendwann mal werden. Hört sich gut an, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn die Insektenmörder sind nicht die Bauern, sondern wir alle.

Ich denke mal in der soften Variante an das kommende Frühjahr. Kaum wagt sich das erste Gräslein im Garten vor dem Haus ein bisschen nach oben, wird der Rasenmäher angeworfen und der Grünfläche ein repräsentativer Kurzhaarschnitt verpasst. Soll ja niemand, der hier vorbeigeht, denken, man würde sein Eigentum nicht pflegen …

Und die Bienen oder anderen Insekten sollen zum Fressen und Überleben gefälligst auf die Blühflächen neben den Maisfeldern und auf öffentlichem Gelände gehen. Doch unter uns: Den Rasen mal nicht zu mähen und dem Garten einen Flower-Power-Hippie-Look gönnen, ist es auch nicht alleine. Wir müssen alle bei der Ursachenforschung noch viel tiefer gehen. Denn das Grundübel ist – und das ist meine felsenfeste Überzeugung – die allgemeine Gier dieser Gesellschaft nach Fleisch, Käse, Milch und alles was sonst noch aus und von dem Tier kommt. Das Ganze soll dann natürlich auch noch billig sein und am besten täglich in den Schlund gestopft werden. Wenn man sich die ganzen Mastbetriebe, die dafür nötig sind, und die damit verbundene intensive Landwirtschaft anschaut – wo hat’s denn da noch Platz für Blumenwiesen?

Doch die schreckliche Wahrheit ist auch diese: Um die kollektive Fleischeslust und Sucht nach Tierqualprodukten zu befriedigen wäre Öko-Landbau gar nicht möglich. Denn würden diese Fressalien alle von Biohöfen mit Weidehaltung kommen, wäre der Platz dafür gar nicht da. Meinetwegen hätten wir dann wieder ein paar Insekten mehr, die zwischen all den fressenden Kuhmäulern herumschwirren könnten, doch unsere Probleme würden sich nur verlagern.

Sie sind jetzt schon anders. Weil wir mit dieser Allesfresser-zu-jeder-Zeit-Philosophie schon gegen die Wand gelaufen sind. Die Schmerzen sind vielleicht noch nicht da, aber sie werden kommen. Was kann eine Lösung sein? Ich persönlich denke, dass es auf Dauer nur geht, wenn man sich ausschließlich pflanzlich vollwertig ernährt. Ok, das ist für viele sogenannte „Genießer” jetzt noch nicht denkbar. Irgendwann geht’s aber nicht mehr anders, was übrigens für keinen Körper und keine Seele von Nachteil wäre. Wer also noch nicht so weit ist, sein Leben von jetzt auf nachher auf komplett pflanzlich vollwertig umzustellen, sollte zumindest einen ganz großen Schritt in diese Richtung tun und zum Einstieg seinen Verbrauch an tierischen Lebensmitteln auf maximal ein Viertel reduzieren. Das ist nicht nur unter gesundheitlichen und ethischen Gesichtspunkten zwingend nötig, sondern auch zum Schutz der eigenen Sicherheit. Warum?

Weil uns sonst irgendwann einmal die Menschen heimsuchen, denen wir schon seit Jahren die Haare vom Kopf fressen und die zu zigtausenden verhungern, während bei uns die Arztwartezimmer mit Diabetes-, Herzkreislauf- und Bluthochdruckpatienten überfüllt sind. Die werden sich das eines Tages nicht mehr gefallen lassen. Die wollen sich die Nahrung, das Wasser und das bisschen Leben zurückholen, das wir ihnen Tag für Tag rauben. Ich sage schon jetzt: Dagegen waren die Zahlen der geflüchteten Menschen, die 2015 zu uns gekommen sind, nur ein Bruchteil. Und klar: Wenn’s denn soweit kommt, werden die altbekannten Rufe nach „Grenzen sichern” und „westliche Werte verteidigen” wieder lauter. Wenn aber einer dieser so oft beschworenen westlichen Werte „billig fressen auf Kosten der anderen” ist, dann mach ich sonst was drauf.

Ihr merkt, ich schweife ab, könnte noch Bücher vollschreiben und kann mich richtig aufregen. Weil ich schon wieder – um zum Eingangsthema zurückzukommen – die Scharen von Menschen sehen, die so mega-engagiert mit wichtigem und betroffenem Gesicht ihre Unterschrift beim Volksbegehren abgegeben haben, sich aber über weitere Vorkommnisse, Zustände, Hintergründe und vor allem über ihr eigenes Verhalten null die Bohne Gedanken machen. Oder bildlich ausgedrückt: Wer nach der Unterschrift beim Volksbegehren zum Würstlstand geht, hat nix kapiert und kann sich seinen Servus eigentlich genau dahin stecken, wo irgendwann das Würstl wieder raus kommt …

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