Bad Aibling: Mitdenk-Theater

Gelungene Premiere von „Synchronisation in Birkenwald" im Jugendzentrum Mosaik - Aufführungen noch bis 16. Februar

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Bad Aibling – Viktor E. Frankl war ein Mensch, der trotz allem ertragenen Unrecht und  ihm zugefügten Leid immer die Größe besaß, auch in seinen Peinigern noch einen Hauch von Menschlichkeit zu sehen. Diese Einstellung machte den Wiener Philosophen und Psychiater zu Lebzeiten zu einer Person, die viel Gegenwind erfahren musste. Wie bitte kann man für das Tun der Nazis auch nur im Entferntesten Verständnis aufbringen? Frankls Theaterstück  „Synchronisation in Birkenwald” versucht, darauf eine Antwort zu geben. Am Samstag wurde es im Rahmen der Max-Mannheimer-Kulturtage im Jugendzentrum Mosaik erstmals in der Stadt aufgeführt und erhielt dafür den verdienten lang anhaltenden Beifall.   

Denn was Regisseur Richard Lindl (Foto) mit einer gut zusammengestellten Truppe aus jungen und älteren Laienschauspielern hier auf die Beine gestellt hat, verdient großen Respekt. Vor dem Premierenpublikum, in dem neben Bürgermeister Felix Schwaller und Christoph Maier-Gering (Kulturreferent des Landkreises) auch Aiblings Kulturreferntin Elisabeth Geßner, mehrere Mitglieder des Stadtrates, sowie Pfarrer Markus Merz (ev.) saßen, zelebrierte das Ensemble ein Stück, das sich von Minute zu Minute verdichtete und die Zuschauer am Ende gleich mit mehreren Fragen, aber auch Antworten zurückließ.

„Synchronisation in Birkenwald” ist kein Stoff, der die erwartbare Anklage an ein unmenschliches System in den Vordergrund stellt – was angesichts Frankls Leidensgeschichte, der in mehreren Konzentrationslagern saß und dort Vater, Mutter, Bruder und Ehefrau verlor, nur zu verständlich gewesen wäre.

Frankl stellt vielmehr die Frage, ob nicht doch ein Hauch Gutes in jedem Menschen steckt und welche Rolle ein jeder auf dieser Welt zu erfüllen hat. Das alles ist nicht leicht verdaulich, funktionierte bei der Premiere in Bad Aibling allerdings bestens. Ob die Philosophen Sokrates, Kant und Spinoza, die im Jenseits über die Rollen im Leben sinnieren, die KZ-Insaßen, der Lageraufseher oder die verstorbene Mutter – alle Rollen lebten von viel Einfühlungsvermögen der Darsteller, die auch die im Stück angestrebte Auflösung von Zeit und Raum glaubwürdig transportierten. Sicher: einfacher Stoff ist das nicht, dafür wirkt „Synchronisation in Birkenwald” umso nachhaltiger. Mitdenk-Theater der besseren Art.

Weitere Aufführungen:

Freitag, 8. Februar
Samstag, 9. Februar
Freitag, 15. Februar
Samstag, 16. Februar

Alle Vorstellungen finden im Jugendzentrum Mosaik um 20 Uhr statt

Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro

Vorverkauf: Svejas Allerlei in der Rosenheimer Straße 11

 

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