Landkreis: Bienen locken Gartenfreunde an

Über 200 Interessierte besuchen Gartenseminar des Landratsamtes Rosenheim

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Landkreis – Der Themenkreis Biene und Biodiversität brummt und zieht die Menschen an. Das dreitägige Gartenseminar 2019 der Gartenfachberater im Landratsamt Rosenheim in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband der Gartenbauvereine übertraf alle Erwartungen. Bereits im Vorfeld hatten sich rund 160 Menschen angemeldet. Gekommen sind an den drei Tagen mehr als 200 Interessierte.

Bereits am ersten Seminartag war der Saal im Gasthaus Bichler in Ramerberg voll. Zuerst berichtete Alina Twerski (Foto o.), Doktorandin an der TU München von ihrem Forschungsprojekt über gefährdete Ackerwildkräuter und die Insekten, die diese Pflanzen brauchen. Der Artenschwund auf unseren Ackerflächen ist erschreckend. Darum braucht es dringend Strategien, um diese Entwicklung aufzuhalten. Landwirt Georg Hans arbeitet bereits an der Vermehrung von Wildblumensamen und ist damit in der Lage autochthones Saatgut, das heißt, Samen aus heimischer Herkunft anzubieten. Er gab den Zuhörern Einblicke in seine Arbeit und den Weg zu einer nachhaltigen, verkaufsfertigen Wiesenblumenmischung. Susanna Vierheller, die erste Vorsitzende des Gartenbauvereins Rott schloss den ersten Tag. Sie sprach über ein Projekt in Rott. Mit einer Gruppe engagierter Bürger wurden im Gemeindegebiet verschiedene Blühflächen angelegt. Eine Blumenwiese so anzulegen, dass sie über Jahre blüht, erfordert Fachwissen und Ausdauer.

Der zweite Tag des Gartenseminars begann mit einem unterhaltsamen Bericht von Georg Loferer. Er hat alte Obstsorten am Alpennordrand kartiert. Von Weilheim-Schongau bis Berchtesgaden besuchte er in den vergangenen drei Jahren alte Obstgärten und entdeckte dabei rund 150 völlig unbekannte Apfel- und Birnensorten. Diese sollen nun für die Nachwelt gerettet und erhalten werden. Als im Anschluss Susanne Müller, von der gleichnamigen Staudengärtnerei in Thal in der Gemeinde Soyen mit fantastisch schönen Bildern ihr Fachwissen über insektenfreundliche Stauden zum Besten gab, mussten noch zusätzlich Stühle aufgestellt werden, weil der Platz nicht reichte. Ebenfalls pure Lust zu Garteln vermittelte Gärtnermeister Rainer Steidle aus Attl mit seinem Vortrag „Gemüse selber vermehren“. Sein umfangreiches Fachwissen gepaart mit Humor wird für viele Anlass sein, im laufenden Vegetationsjahr Samenträger zu hegen, im Folgejahr blühen zu lassen, um anschließend Samen ernten zu können. Aus aktuellem Anlass wurde das Programm kurzfristig um einen weiteren Referenten erweitert. Simon Algeier von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft Institut für Pflanzenschutz in Rosenheim berichtete über den Stand der Bekämpfung des Asiatischen Moschusbockkäfers im Landkreis Rosenheim. Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, den Befall des Käfers auf Steinobst einzudämmen. Er kündigte an, dass die Quarantänezone in diesem Jahr auf weitere Gemeinden im Landkreis ausgeweitet werden muss. Die Gemüse- und Blumensamentauschbörse wurde rege genutzt und beendete den zweiten Seminartag.

Der dritte Tag begann mit Dr. Michael Sachweh (Foto l.). Der Diplommeteorologe beim Bayerischen Rundfunk hielt einen wissenschaftlich fundierten Vortrag zum Thema Klimaentwicklung in Bayern. Da jeder, der Pflanzen anbaut, direkt vom Wetter abhängt, wurden seine Prognosen mit großer Spannung verfolgt. Die Betroffenheit der Zuhörer verstärkte sich, als Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim Bilder der Trockenheit im vergangenen Sommer in Franken zeigte. Vor allem in Städten wird man sich künftig gut überlegen müssen, ob und welche Baumarten an heißen Straßenzügen geeignet sind. Schlussreferent des dreitägigen Gartenseminars war Dr. Andreas Becker von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim. Er stellte die Ergebnisse einer hochinteressanten Studie vor. Diese hatte untersucht, wie die 70 Prozent der bayerischen Bevölkerung, die über einen Garten verfügen, diesen nutzen. Das Seminar endete mit einer offenen Diskussion über die Zukunft der Gartenbauvereine in Bayern.

 

 

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