Miesbach: „Wohin mit dem Verkehr in Oberbayern?”

Podiumsdiskussion mit Rosenheims FDP-Vorstandsmitglied Michael Linnerer (FDP) am vergangenen Dienstag

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Miesbach – Die Herausforderungen und Probleme der bestehenden und zukünftigen Verkehrsplanung im Oberland waren Thema der Podiumsdiskussion des FDP Kreisverbandes, am vergangenen Dienstag in Miesbach, die FDP-Kreisvorstandsmitglied Florian Hupfauer moderierte. Sven Gossel, Mitglied des Bundesfachausschusses für Verkehr und Infrastruktur, Diplom Informatiker Michael Linnerer, Vorstandsmitglied der FDP Rosenheim und der Miesbacher Kreisrat Martin Eberhard erörterten zusammen mit dem Publikum die drängendsten Fragen.

Foto: Florian Hupfauer, Kreisrat Martin Eberhard, Sven Gossel, Dipl.-Inf. Michael Linnerer (v.l.)

Sven Gossel führte in kurzen Sätzen in das für den Bürger unübersichtliche Zuständigkeitsgeflecht der Bahn ein und machte die DBNetz, als Betreiber des Schienennetzes, in erster Linie verantwortlich für das zurückliegende Winter-Chaos der BOB. Dass die DBNetz die veraltete Infrastruktur (Schienen, Weichen usw.) nur verwaltet anstatt zu erneuern und auszubauen ist aber auch dem Staat anzulasten, da die sich DB Netz durch die Deutsche Bahn AG finanziert, die wiederum auf Zuschüsse vom Staat angewiesen ist. Um Abhilfe zu schaffen, wäre eine grundlegende Umstrukturierung der Bahngesellschaften mit einer parteiübergreifenden Zusammenarbeit am runden Tisch dringend geboten. „Wenn sich da nichts ändert ist das nächste Chaos schon programmiert.“

Auch der erneute Kauf von Dieselloks sei der Struktur und dem Vergabewesen der DB geschuldet. Wasserstoffzüge (Brennstoffzellen) wären einfach teurer als die geplanten Kostenrahmen zulassen. „Da geht leider Sparen vor sinnvoller Technologie und Umweltschutz”, sagte Gossel.

Im weiteren Verlauf der Diskussion gingen die Referenten vor allem auf die zukünftigen Herausforderungen ein. Die Metropolregion München wird bis 2040 auf weit über 5 Millionen Einwohner anwachsen. Der Verkehr wird bis weit ins Umland hinein explodieren. Miesbach wird einen enormen Pendelverkehr bekommen. Schon jetzt ist die A8 stark überlastet.

Michael Linnerer wies letzes Jahr nach, dass die A8 und ihre Anrainer alleine im Chiemgau 139 Stautage verkraften müssen. Der Bundesrechnungshof ging bis dahin von 26 Stautagen aus und plante dementsprechend fehl. Linnerer fordert deswegen eindringlich einen zügigen sechsspurigen Ausbau des kompletten A8-Streckenabschnitts Inntal bis österreichische Staatsgrenze bei Salzburg um einen Verkehrsinfarkt im nächsten Jahrzehnt zu verhindern.

Des Weiteren prangerte Linnerer die verfehlte Informationspolitik der Landesregierung in Zusammenhang mit dem Ausbau der Zulaufstrecken für den Brenner Basistunnel an. Die Auslastungszahlen werden Scheibchenweise immer höher angesetzt und die Bürger haben kein Vertrauen mehr in die Angaben des Verkehrsministeriums. Hier forderte Linnerer mehr Ehrlichkeit von Anfang an, um den betroffenen Gemeinden und Bürger eine vertrauensvolle Einbindung zu ermöglichen.

Kreisrat Martin Eberhard erörterte vor allem die Gegebenheiten und Notwendigkeiten im Landkreis Miesbach. Er wolle sich verstärkt für mehr neue Kreisverkehre im Landkreis einsetzen um den Verkehr auf den großen Straßen flüssig zu halten. Außerdem wies Eberhard auf die Aufnahme von konkreten Verhandlungen hin, die der Kreis mit dem MVV führe um in der nächsten Dekade eine Anbindung an das Münchner Streckennetz zu verwirklichen. „Der MVV hat das beste Know-How und bereits bestehende Grundstrukturen für Nahverkehr nach und von München,“ sagte Eberhard.

In der abschließenden Fragerunde wurden noch die langen Wartezeiten an den Bahnschranken und die mangelnde Information bei Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr thematisiert.

Die FDP Kreisvorsitzende Ursula Lex empfiehlt den Betreibern, eine App einzurichten, in der minutenschnell jede Verspätung erscheint. Das, so Lex, wäre kundennah und zeitgemäß. „Überhaupt wäre es wünschenswert dass die bayrische Verkehrsinfrastruktur sich langsam im 21.ten Jahrhundert ankommt. Während bei uns Bummelzüge mit den üblichen Verspätungen und Ausfällen herumgondeln, sind inzwischen überall auf der Welt Hochgeschwindigkeitszüge und minutengenaue Pünktlichkeit der Regelfall.“

 

 

 

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