Bad Aibling: Verwässerter Bebauungsplan

Stadträtin Martina Thalmayr ist verärgert - in Willing sollen drei Einfamilienhäuser in der Trinkwasserschutzzone 3A entstehen

image_pdfimage_print

Bad Aibling – Zugegeben: Die Lage ist mehr als verlockend. Wer im Gartenäckerweg in Willing baut, hat freien Blick auf die Berge und eine Fläche vor sich, die nie in Bauland umgewandelt werden kann – denn hier befindet sich Wasserschutzgebiet. Das Problem daran: Auch der Grund am Gartenäckerweg ist ein heikles Terrain, gehört es doch als Randgebiet ebenfalls schon zur Schutzzone. Jetzt sind hier allerdings drei Einfamilienhäuser geplant (siehe Grafik), und das sorgt bei vor allem bei den Stadträtinnen der Grünen für Verärgerung. Ist Bauen hier doch klar verboten.

Martina Thalmayr (Foto) von den Grünen ist richtig sauer. Ausgerechnet in der Trinkwasserschutzzone 3A sollen 3000 Quadratmeter mit drei neuen Einfamilienhäusern bebaut werden. Was nach der Trinkwasserschutzverordnung des Landratsamtes Rosenheim schlichtweg verboten ist. Und doch bemühte sich die Stadt Bad Aibling um eine Ausnahmegenehmigung, damit dort die Bagger auf die (noch) landwirtschaftliche Fläche anrollen können. Das ist für Thalmayr ein echtes No Go. „Aus meiner Sicht ist es ein katastrophales Zeichen, das wir hier setzen”, sagt sie. „Trinkwasserschutz muss den allerhöchsten Stellenwert haben. Und mit welcher Begründung will man dem nächsten Bauwerber das Bauen in ähnlicher Lage untersagen?”

Dabei fühlt sich die Stadträtin generell an der Nase herumgeführt. „Im Dezember 2017 wurde der Antrag im Stadtrat behandelt, dieser hat die Anfrage positiv beschieden – auch ich – aber nur deshalb, weil zu diesem Zeitpunkt das Trinkwasserschutzgebiet überhaupt nicht thematisiert wurde,“ erzählt sie.

Als die Sache dann doch publik wurde, schaltete sich der Bund Naturschutz ein und legte sein Veto ein. Die Gründe: Flächenfraß und Trinkwasserschutzgebiet. In der Folge wurden auch die Nachbarstädte Kolbermoor und Rosenheim auf die Sache aufmerksam, denn diese beiden Orte sind ebenso auf die Trinkwasserbrunnen im Schutzgebiet angewiesen wie Bad Aibling. Kolbermoor und Rosenheim sprachen sich dann Anfang des Jahres 2019 ebenso wie die Stadtwerke Rosenheim und Bad Aibling vehement für die Einstellung des Verfahrens aus – das anvisierte Gelände sei ein zu sensibles Gebiet.

Diesen Einwänden folgend empfahl die Verwaltung dem Bauausschuss, das Bebauungsplanverfahren einzustellen.

So weit so klar. Dennoch kam dann in der Stadtratssitzung der vergangenen Woche eine „aufgeweichte” Beschlussempfehlung auf den Tisch, wonach das Verfahren nur einstweilig ruhen sollte. In der Zwischenzeit möchte man sich beim Landratsamt um eine Befreiung von dem Verbot einer Bauleitplanplanung im Wasserschutzgebiet bemühen.

Damit ist die Tür zu einer Ausnahmegenehmigung wieder offen, und das Thema bleibt weiter heiß. Das geht für Martina Thalmayr gar nicht. Sie sagt: „Der Antrag muss mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Verbot ist Verbot. Privatem Bauwunsch wird hier ein höherer Stellenwert eingeräumt als dem Trinkwasserschutz von 100.000 Menschen.” Mit ihrer Meinung steht sie in der Region offensichtlich nicht alleine.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren