Bad Feilnbach: Der Widerstand wächst

Informationsveranstaltung zum Brenner Nordzulauf am Montagabend- Bürgerinitiative gegründet

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Bad Feilnbach – Wegen Überfüllung geschlossen: Scharenweise mussten die Besucher gestern Abend beim Kistlerwirt wieder umkehren – der Saal, in dem die Informationsveranstaltung zum Thema „Brennerbasis-Tunnel Nordzulauf” stattfand, war randvoll. Die Bedienung musste da nur bedauernd mit den Schultern zucken und interessierte Bürger, die etwas später kamen, heimschicken. Mehr Menschen gingen einfach nicht mehr rein.

Foto: Fakten, Fakten, Fakten – Theo Geflitter aus Brannenburg zeigte den Bürgern, welche Auswirkungen eine neue Bahntrasse durch Gemeindegebiet für s ie hätte

Dieser enorme Zuspruch freute vor allem Bürgermeister Anton Wallner (Foto u.), der schon von Anfang an ein klarer Gegner einer möglichen Trasse durch Gemeindegebiet war. „Ich bin froh, dass sich endlich der nötige Widerstand formiert”, sagte er in seiner Begrüßungsansprache zu den rund 400 Besuchern. Er wäre sich mitunter schon vorgekommen wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste.

Tatsächlich scheinen die Feilnbacher inzwischen den Ernst der Lage begriffen zu haben, denn eine der von der Bahn angedachten Trassen, führt – haarscharf an den Landschaftsschutzgebieten Sterntaler Filzen und Weidmoos vorbei – direkt durch Gemeindegebiet. Bohrungen haben da schon stattgefunden und Wallner erklärte: „Wir haben das nicht behindert, da ich denke, dass wir extrem schlechten Untergrund für eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke haben.”

Ob das tatsächlich ein Ausschlusskriterium ist, wird sich am 1. Juli zeigen. An diesem Datum muss sich die Bahn auf fünf mögliche Streckenführungen einigen, und nicht nur Pessimisten befürchten, dass Bad Feilnbach da immer noch in der Verlosung sein wird.

Ulrich Schreiber (Foto l.) aus Neubeuern, einer der beiden Referenten und Fachleute an diesem Abend, zeigte den Zuhörern in seinem Vortrag auf, dass die Feilnbacher Variante für die Politiker und die Bahn eine willkommene West-Umfahrung für Rosenheim wäre. Deshalb, so seine Befürchtung, würde daran wohl lange festgehalten werden. Schreiber ist ebenso wie der zweite Redner Theo Geflitter Privatmann, der sich in den vergangenen Jahren intensiver mit der Verkehrspolitik im Inntal und den damit verbundenen Auswirkungen auf unsere Region beschäftigt. Die beiden gelten inzwischen als ausgewiesene Spezialisten in Sachen Brenner Nordzulauf und können unisono Fakten auf den Tisch legen, die zeigen: Egal, wo eine weitere Bahntrasse im Landkreis geplant ist – sie ist unnötig.

Theo Geflitter sagte den Zuhörern: „Auf der bereits bestehenden Bahnstrecke, die eine Kapazität von etwa 320 Züge am Tag hat, fuhren 2010 täglich 200 Züge. 2018 kamen nur noch 160 Züge am Tag. Das zeigt uns, dass der Güterverkehr eher noch von der Schiene runter geht, als dass sich das steigert.” Zudem fügte er an: „Wer bitte weiß denn, wie der Verkehr 2050 aussieht? Wie viele Elektro-LKW werden dann fahren? Vor rund 150, 200 Jahren dachte man auch, dass man den Inn begradigen muss, damit man dort mehr Güter transportieren kann. Dann kam die Bahn und die Schifffahrt war uninteressant.”

Für die Gemeinde Bad Feilnbach zeigte der Mann aus Brannenburg die möglichen direkten Folgen für Landschaft und Bürger auf. Angesichts der Bodenbeschaffenheit rund um die Gemeinde und auch aufgrund der Kosten ist eine Tunnellösung hier nicht zu erwarten. „Es wird durchweg oberirdisch gebaut und wegen möglichen Hochwassers wird die Trasse dazu noch erhöht.” Dazu kommt – wenn Straßen Zugstrecken überqueren müssen, wird das in mindestens sieben Meter Höhe geschehen. „Das liegt an den Oberleitungen”, sagte Geflitter.

Ulrich Schreiber stellte zu Beginn seiner Präsentation des aktuellen Standes nicht die Frage nach dem: „Wie?” – er fragte lieber „Braucht’s das überhaupt?” Die Antwort lieferte er in seinem Vortrag gleich nach: „Nein!” Vielmehr machte er die seiner Meinung nach verfehlte Verkehrspolitik der Regierung dafür verantwortlich, dass das Inntal inzwischen vor dem LKW-Kollaps steht. „Diese Politik hat uns 2,4 Millionen LKW im Jahr gebracht.” Dass trotzdem nicht wirklich etwas daran geändert werden soll, konnte er auch gleich plausibel begründen – im Autobauerland Deutschland bestehe kein echtes Interesse, die LKW von der Straße zu bringen. Dafür ist die Autolobby zu groß und zu mächtig.

Das war auch bei der abschließenden Diskussions- und Fragerunde das Hauptthema, sind doch bei der Bahn viele Entscheidungsträger eng mit Konzernen wie Daimler-Benz verbandelt, und diese Firmen wollen nichts anderes als ihre Fahrzeuge verkaufen. Theo Geflitter berichtete am Schluss von einem Fernsehbericht, in dem ein Politiker aus der Schweiz klar benannte, wieso in seinem Land 70 Prozent der Güter auf der Schiene transportiert werden und nicht wie bei uns auf der Straße. „Dieser Mann sagte, dass sich die Schweiz da um einiges leichter tun würde, da es bei ihnen keine Autoindustrie gibt.”

Angesichts der Fakten und vielen Augenöffnern über Zusammenhänge waren fast alle Anwesenden gerne dazu bereit, mit ihrer Unterschrift bei der Bad Feilnbacher Bürgerinitiative „Keine Trasse durch unsere Heimat” dabei zu sein. Ins Leben gerufen von engagierten Gemeindebürgern wie Andrea Erhard-Leicht oder Josef Riedl will sich die Initiative im Verbund mit den anderen bereits bestehenden Initiativen gegen jede neue Trasse durch die Region engagieren. Denn eines führte der Abend den Zuhörern auch klar vor Augen: Auf der Bestandsstrecke ist für weitere Züge noch jede Menge Luft nach oben. Man muss nur wollen.

 

 

 

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4 Kommentare zu “Bad Feilnbach: Der Widerstand wächst

  1. Leider kommt der Widerstand viel zu spät. Viel zu lange wurde mit der Gründung einer Bürgerinitiative abgewartet. Ein echtes Bemühen war bisher überhaupt nicht in der Öffentlichkeit zu spüren. Und wie stark und eng Feilnbach mit der Partei verbandelt ist, die für die vielseits kritisierte Verkehrspolitik verantwortlich ist, zeigt das Wahlverhalten zur Landtagswahl 2018 (und Bundestagswahl 2017). Hätte man die Bürgerinitiative und den Widerstand vor der Landtagswahl ins Leben gerufen, hätte man bei der Wahl ein echtes Zeichen setzen können. Aber so lautet das Signal für Scheuer und Co: wir können mit den verschlafenen Feilnbacher machen, was wir wollen, hier regt sich der geringste Widerstand, so treu ergeben sind sie uns. Zudem hat Scheuers Partei schon in der Vergangenheit bewiesen, dass für sie Heimat und Natur nur äußerst geringen Stellenwert besitzen: ins wertvolle Naturgebiet Erdinger Moos wird ein Flughafen gebaut (Nässe, Nebel etc spielten keine Rolle) statt am weitaus sinnvolleren alternativen Standort (die feine Gesellschaft am Tegernsee könnte sich vom Fluglärm und -dreck gestört fühlen) und durch das ebenso äußerst wertvolle Vilstal wird rücksichtslos eine Autobahn gebaut (30 Jahre Widerstand brachten nichts; die bestehende Bestandsstrecke auszubauen wäre auch hier die sinnvolle Alternative gewesen). Wieso also sollte plötzlich für diese Partei Obstbäume oder Torf irgendeine Bedeutung haben? In Feilnbach hält nun Einzug, worunter die (alteingesessenen) Menschen in den Landkreisen Freising, Erding und entlang der Vils seit über 35 Jahren leiden müssen: Heimatzerstörung ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Wurde deren damaligen und immer noch anhaltenden Proteste, Ängste und Warnungen vor den Folgen hier im Inntal ernstgenommen? Nein! “Ist ja weit weg, was geht mich das an, ich wähle fleißig weiter CSU.” Schade, dass viele Menschen immer erst dann zum Denken anfangen und über den Tellerrand schauen, wenn es sie ganz direkt betrifft. Der Ausverkauf der Heimat geht in die nächste Runde.

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  2. Für die Politiker dürfte die Feilnbacher Trasse die weitaus interessanteste Variante sein. Mitleid mit den Betroffenen ist unangebracht. Wer CSU wählt, ist selber Schuld Opfer einer (Verkehrs-) Politik zu werden, die ohne echten Optionen für die Zukunft selbstbewusst rückwärts gewandt ist.
    Stattdessen wird nach der Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels der LKW-Verkehr auf österreichischer und italienischer Seite so stark reglementiert werden, dass der deutsche Verkehrsminister (sicher nicht mehr Herr Scheuer) täglich einen Ringlpietz vollführen wird.

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  3. Ja brauchts denn des???
    Dass de Menschheit sich weiterentwickelt,des is richtig
    aber is denn der Brenner Nordzulauf sooo wichtig?
    Derfan täglich 400 Züge und no mehra unser Hoamat zreißn
    Mia lassn uns unser Natur ned a so verpfuschn
    Do muas ma de Obrigkeit amoi gehörig zrechtweisn
    Do doa ma absolut ned kuschn!!!
    Oamoi is gnua oamoi muas glanga
    A gewaltiger Richtungswechsl is ogsogt
    Endlich soi ma mitm nochdenga ofanga
    Warum nutzt ma ned des Vorhandene?
    Na braucht ma de Natur ned no mehra verschandln
    Do drüber soiat ma amoi intensiv verhandln
    A jeder oanzelne soiat si bei der Nosn nehma
    Muas i denn ständig vo A noch B renna?
    Brauch i des ois wos auf Straß und Schiene umanaderkarrt werd?
    Kritisches Hinterfrong waar gwiß ned verkehrt
    Nacha brauchats des ned

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  4. Reim di, oder i friss di …

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