Bad Feilnbach: Die erste Wahl

Seit März ist Katharina Rigo die neue evangelische Pfarrerin der Gemeinde - wir stellen sie vor

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Bad Feilnbach – Manchmal passt es einfach. So wie bei Katharina Rigo. Als sie ihr Vikariat in Traunreut beendet hatte und in der Verlosung für ihre erste richtige Pfarrstelle war, konnte sie bei den angebotenen Gemeinden ihre Prioritäten angeben. Und auf ihrer Liste stand Bad Feilnbach ganz oben, der Ort war erste Wahl. Tatsächlich berücksichtigte die evangelische Kirche ihre Präferenzen und schickte sie nach Bad Feilnbach. Damit rückt die junge Pfarrerin wieder ein ganzes Stück näher an ihren Geburtsort – Katharina Rigo stammt aus Weyarn.

Dass sie hier ein schweres Erbe antritt, war ihr bewusst, denn ihr Vorgänger Andreas Strauß, den es nach Bruckmühl zog, war in der Gemeinde beliebt und gut etabliert. Trotzdem gelang es Katharina Rigo seit ihrem Amtsantritt am 1. März schnell, durch ihre offene und freundliche Art, in Bad Feilnbach schon Fuß zu fassen. Sie liebt die Menschen in der Gemeinde, und das wird erwidert. Die Region ist ihr nicht unbekannt. „Meine Schwester und mein Schwager sind beide Lehrer am Gymnasium Bad Aibling und meine Nichten gehen in den Kindergarten „Regenbogen” in Willing”, erzählt sie. Dadurch bekam sie auch sehr früh mit, dass die Pfarrstelle in Bad Feilnbach frei wird – der Abschied von Pfarrer Strauß war im Kindergarten angekündigt worden. Besonders schön für sie und ihre Nichten: als Seelsorgerin ist sie jetzt auch für den Kindergarten „Regenbogen” zuständig, Familienzusammenführung im Beruf.

Dass die 33-Jährige Pfarrerin wurde, war ihr nicht in die Wiege gelegt. Sie stammt aus einer Familie, in der der Glaube schon immer wichtig war, doch Vater und Mutter hatten als Kurdirektor in Bad Tölz und Grundschuldirektorin in Weyarn andere Berufe. Und: Katharina Rigo war bis zu ihrem 23sten Lebensjahr katholisch. Doch irgendwann hat sie sich dazu entschlossen, Theologie zu studieren und war sich schnell darüber im Klaren, dass sie es in der katholischen Kirche als Frau nicht so weit bringen kann wie bei den Evangelischen.

„Das heißt jetzt nicht, dass ich etwas gegen die katholische Kirche habe”, erklärt sie. „Ich hätte da allerdings immer einen männlichen Vorgesetzten gehabt. Damit habe ich an sich kein Problem, doch ich wollte mich nicht nur aufgrund meines Geschlechts unterordnen.” Also konvertierte sie während des Studiums zum evangelischen Glauben und ist nun quasi die fleischgewordene Ökumene. Dass sie mit ihrem Beruf die richtige Wahl getroffen hat, wurde ihr schon als Studentin klar. „Ich habe wahnsinnig gerne studiert. Vor allem das gute Verhältnis zu meinen Kommilitonen war für mich wichtig. Ich wusste schnell – hier fühle ich mich wohl, das ist das passende Umfeld für mich.” Dass Katharina Rigo von der katholischen zur evangelischen Kirche wechselte, sieht ihre Familie übrigens genauso entspannt wie sie. Denn über allem steht der christliche Glaube und sie fügt hinzu: „Dadurch, dass ich im Studium etwas Abstand zur katholischen Kirche bekommen und auch viel über ihre Geschichte und Entwicklung gelernt habe, kann ich heute einige Dinge besser verstehen.”

Was sie am Glauben und an der Theologie besonders mag, ist, dass man hier mehr Bodenhaftung hat als in der Philosophie. „Ich war schon immer an den Sinnfragen des Lebens interessiert”, erzählt sie. „Doch in der Theologie muss ich Gedanken und Theorien in die Praxis umsetzen.”

Kein Wunder, dass sie in ihrer täglichen Arbeit vor allem die Gottesdienst- und Predigt-Vorbereitung liebt. Hierbei ist ihr der Alltagsbezug besonders wichtig. Ihr Rezept: „Ich bin meine erste Predigthörerin, und nur, was bei mir ankommt und was ich für mich passend finde, kann ich dann weiter vermitteln.” Sie gesteht: „Ich liebe es, den Predigttext für mich zu erarbeiten und würde am liebsten noch viel mehr Zeit darauf verwenden können.” Doch der Job als Seelsorgerin ist anstrengend und fordert sie in vielen Bereichen. Wenn es um Dinge wie Finanzen oder mögliche Baumaßnahmen geht, schwindet ihr Enthusiasmus, aber auch das muss sein. Der positive Ausgleich in der täglichen Arbeit sind dann wieder die Momente, wenn sie in der Schule Religion unterrichtet oder im Kindergarten den Kindern Gott näher bringt. Auch Beerdigungen kann sie etwas abgewinnen. „Hier bekommt man in den Vorgesprächen intime Einblicke in das Leben eines Menschen”, erklärt sie und schlägt da gleich die Brücke: „Ich habe schon immer gerne Biografien gelesen und höre mir im Radio auch gerne die Lebensgeschichten von Menschen an. Das müssen keine Promis sein. Ich finde viele Biografien interessant.”

Aber Vorbilder, sagt sie, habe sie keine. Obwohl: „Wenn es darum geht, wie man das Leben genießen und gut alt werden kann, dann sind das meine Großeltern. Mein Opa ist 96 geworden und hat die letzten Jahre die meiste Zeit davon erzählt, was für ein schönes Leben er gehabt hat. So was würde ich mir für mich auch wünschen.” Der Bezug zur Familie ist für Katharina Rigo schon immer wichtig gewesen, und das will sie sich auch bewahren, trotz ihrer zeitintensiven Tätigkeit. Deshalb ist für sie montags Ruhetag. Da nimmt sie sich frei und ist auch am Telefon nur für Freunde und Verwandte erreichbar. „Pfarrer ist kein familienfreundlicher Beruf”, weiß sie. Da will sie, die sich als absoluten Serienjunkie bezeichnet, wenigstens ein bisschen gegensteuern können. Dann will sie sich noch mehr Zeit für ihren zweijährigen Sohn Quirin nehmen und für ihren Mann Felipe. Auch sich selber will sie nicht vernachlässigen. „Ich liebe es, in der Natur zu sein und mich beim Joggen auszupowern oder einfach Bergsteigen zu gehen.” Das wird allerdings derzeit immer ein bisschen schwerer, denn sie erwartet im Oktober ihr zweites Kind. Für Katharina Rigo bedeutet das jedoch nur eine kurze Pause. Im kommenden März will sie beruflich wieder  dabei sein. Schließlich gibt es für sie noch vieles zu entdecken und jede Menge Leute kennen zu lernen in ihrer Wahlheimat.

 

 

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