Kolbermoor: Zwischen Leben und Sterben

Die geplanten Baumaßnahmen der Stadt im Überblick - auch Feuerbestattungsanlage soll kommen

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Kolbermoor – Jetzt wird kräftig in die Hände gespuckt: Einige große Baumaßnahmen beschäftigen die Stadt schon jetzt und auch in Zukunft. Bürgermeister Peter Kloo fasste die wichtigsten Projekte am Mittwoch in einem eigens dafür einberufenen Pressegespräch zusammen und gab Einblicke in die Planungen für die kommenden Monate.

Während in Pullach schon seit dem 29. März am neuen Feuerwehrgerätehaus gebaut wird, rollen die Bagger zur Sanierung des Feuerwehrhauses und der Schulturnhalle in der Stadt erst im August an. Und Peter Kloo ist es wichtig, dass man beide Gebäude nennt, denn beide Bauwerke werden nahezu gleichzeitig saniert. „Sie sind derzeit noch richtige Energieschleudern”, erklärt er und rechtfertigt gleichzeitig auch die Entscheidung, hier zu sanieren und nicht gleich neu zu bauen. „Auch wenn die Summen sehr hoch erscheinen, so ist die Renovierung günstiger als ein Neubau.” Derzeit rechnet die Stadt mit Kosten von 2.345.361 Euro für die Schulturnhalle und 5.984.986 Euro fürs Feuerwehrhaus. Dort wird nicht nur saniert und dabei der Schlauchturm abgerissen, dort muss auch der Feuerwehrbetrieb weiter gewährleistet sein. Kloo: „Das wird eine große Herausforderung.” Die Fertigstellung soll im Sommer 2021 sein.

Etwas weiter nach hinten kann sich dagegen der Baubeginn des lange erwarteten Wohn- und Geschäftshauses am Rathausplatz 2 ziehen. „Hier läuft derzeit die Ausschreibung”, sagt der Bürgermeister. „Wir haben hier bewusst ein größeres Zeitfenster gelassen, in der Hoffnung, dass wir dadurch mehr und bessere Angebote bekommen.” Was angesichts der immer noch vollen Auftragsbücher in der Baubranche derzeit nach wie vor schwierig sei. Nach dem Wunsch der Verantwortlichen der Stadt soll dann zwischen September 2019 und März 2020 mit dem Bau begonnen werden. Die Baukosten werden insgesamt mit 6,33 Millionen Euro veranschlagt, für die 17 entstehenden Wohnungen wurde die Förderung über das Kommunale Wohnbau Programm beantragt.

Mit Sicherheit einigen Unmut dürfte der Neubau der Tonwerksunterführung hervorrufen. Ist die Maßnahme doch mit Sperrungen, Umleitungen und daraus resultierenden Verkehrsbehinderungen verbunden. Kloo macht sich da auch gar nichts vor: „Es steht hier eine grausame Zeit an”, sagt er und bittet die Bürger gleichzeitig um Geduld und Verständnis. Trotzdem ist er Neubau der maroden Unterführung dringend notwendig, und auch die Bahn konnte hier finanziell ins Boot geholt werden: Von den veranschlagten 3,9 Millionen Euro wird sie 41 Prozent der Kosten tragen müssen. Wenn sich hier alle Seiten geeinigt haben, soll dann im April 2020 mit dem Neubau begonnen werden.

Das bei Weitem emotionalste Thema ist jedoch die Feuerbestattungsanlage am Rothbachl, die hier am Friedhof entstehen soll. Was vor rund 20 Jahren in der Bevölkerung noch auf große Ablehnung gestoßen ist, wird mittlerweile von den meisten Menschen anders gesehen und auch verstanden. Thomas Engmann (Foto o.r.), geschäftsführender Gesellschafter der Betreiberfirma EHG, ist deshalb ebenfalls zum Gespräch ins Rathaus gekommen und erklärt: „Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark geändert. Gab es 2001 noch etwa 20 Prozent Feuerbestattungen, so sind es jetzt schon um die 70 Prozent.” Ein einstiges Tabuthema ist in der Gesellschaft angekommen.

Gemeinsam mit der „Feuerbestattung Südostbayern” (FBSO), ein Zusammenschluss regionaler Bestattungsunternehmen, hat die EHG in Traunstein die dritte private Feuerbestattungsanlage in Deutschland errichtet. Diese gilt mittlerweile als Referenzanlage für Bayern, Deutschland und Europa – und in diesem Stil soll auch die Anlage in Kolbermoor entstehen. Denn in Traunstein führt die FBSO derzeit 7.000 Einäscherungen im Jahr durch, die Kapazitätsgrenze liegt dort bei etwa 8.000. „Wir mussten uns also nach neuen geeigneten Standorten umschauen”, sagt Engmann.

Kolbermoor ist für ihn und sein Unternehmen deshalb so passend, weil man hier direkt an einem Friedhof bauen könne, denn: „Eine Feuerbestattungsanlage gehört nicht in ein Gewerbegebiet.” Thomas Engmann verspricht dabei, dass „wir nicht nur eine Anlage bauen wollen, sondern wir wollen hier richtig gut sein.” Das bedeutet – die EHG verpflichtet sich, die Anforderungen des Gesetzgebers nicht nur einzuhalten, sondern nennenswert zu unterschreiten. Dazu will der Betrieb permanent den aktuellen Stand der Technik umsetzen und auch Umweltschutzmaßnahmen ergreifen, die per Gesetz nicht einmal vorgesehen sind.

Was die EHG in Traunstein praktiziert, soll dann auch in Kolbermoor so sein. Engmann: „Wir wollen den Bürgern die Angst nehmen und setzen auf Transparenz. In Traunstein machen wir regelmäßig einen Tag der offenen Tür pro Woche. Die Angehörigen können zudem die Übergabe der Verstorbenen ans Feuer begleiten.” Auch architektonisch soll der Bau keinen Schrecken verbreiten. Das Architekturbüro Hinz erarbeitet derzeit eine Vorentwurfsplanung, bei der sich das Gebäude harmonisch an die Gegend anpassen soll.

Peter Kloo, der sich vor den Gesprächen mit Thomas Engmann zuerst einmal bei der Traunsteiner Verwaltung über die positiven Erfahrungen mit der EHG informierte, gesteht: „Als uns erstmals die Pläne und das Konzept der Feuerbestattungsanlage im Stadtrat vorgestellt wurden, war der Aha-Effekt in der Runde groß – wir waren alle positiv überrascht.”

Infoabend am 25. Juni

Um allen interessierten Bürgern und den Friedhofs-Anliegern die bestmögliche Information zu ermöglichen, veranstaltet die Stadt Kolbermoor am Dienstag, den 25. Juni, im Sitzungssaal des Rathauses um 18.30 Uhr einen Infoabend zur geplanten Feuerbestattungsanlage. Denn: Bauen ist gut. Bauen mit Vertrauen ist noch besser.       

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