Bad Aibling: Keine halben Sachen

Bad Aibling – Parteiintern war es schon länger klar – seit dem vergangenen Montag ist es nun auch offiziell: Martina Thalmayr tritt für die Aiblinger Grünen als Kandidatin bei der kommenden Bürgermeisterwahl an. Was sie dabei antreibt, was sie sich für die Stadt wünscht und warum sie in den Ring steigt, lesen Sie hier.

Vor wenigen Jahren noch hat sie energisch mit dem Kopf geschüttelt, als die B-Frage an sie gerichtet wurde. „Bürgermeisterkandidatin? Ich?” Für Martina Thalmayr war das damals nicht vorstellbar. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. „Ich glaube, das hat mit dem Erwachen meines Kampfgeistes im Stadtrat zu tun, wo ich mit einigen Entscheidungen total unzufrieden war”, sagt sie, und in ihrem Ton schwingt mit, dass da keine antritt, nur um „dabei” zu sein. Die Grünen-Kandidatin will es wissen und schickt schon mal eine klare Ansage an die noch zu bestimmenden Mitbewerber auf den Chefsessel im Rathaus: „Ich gebe diese Chance auf keinen Fall kampflos her.”

Sie gibt sich dabei selbstbewusst und erklärt: „Zuerst habe ich gedacht – Bürgermeisterin, das ist eine Nummer zu groß für mich. Aber dann habe ich einige Lehrgänge und Weiterbildungen gemacht und erkannt, dass die alle nur mit Wasser kochen.” Für Martina Thalmayr ist klar, dass man in dieses Amt hineinwächst  und es letztendlich vor allem darum geht die internen und externen Strukturen zu durchschauen – und das kann man nur wenn man mitten drin ist. Das traut sich die Inhaberin eines Biomarktes in Oberhaching zu. Schließlich hat sie schon vieles im Leben angepackt und sie sagt über sich: „Ich mache keine halben Sachen!”

Grüne haben die Nase vorn

Dass sie die erste Personalie ist, die offiziell für die Wahl verkündet wird, überrascht sie selbst. „Wir wollten eigentlich noch früher damit an die Öffentlichkeit gehen. Doch nachdem es sich ergeben hat, dass Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, d.R.) am 1. Juli zu einer Veranstaltung von uns nach Mietraching kommt, erschien uns dieses Datum als geeignet. Wir wollten halt nur nicht die letzten bei der Kandidatenverkündung sein.” Jetzt haben die Grünen die Nase vorn, und auch wenn Bad Aibling noch eine CSU-Hochburg ist, stehen die Chancen für die Grünen-Stadträtin, am 15. März gewählt zu werden, gar nicht mal so schlecht.

Sie sagt: „Klar ist die CSU die zu herausfordernde Partei, die hier am meisten Wähler hat. Doch eine Bürgermeisterwahl ist auch eine Persönlichkeitswahl.” Und davon, so glaubt sie, kann sie einiges in die Waagschale werfen. Vor allem den Heimvorteil will sie nutzen. „Ich war und bin in jeder Phase meines Lebens Aiblingerin. Ob als Kind, Schülerin und Lehrerstochter, Studentin, Arbeitnehmerin, Selbstständige, Mutter, Oma – ich kenne die Stadt aus jeder Lebenslage und wollte hier noch nie wirklich weg.” Ihr Vater, Magnus Müller, war als Realschullehrer und in seinen vielen Ehrenämtern immer am Puls der Zeit. „Ich hab von Anfang an die Aiblinger Gemeinschaft kennen- und lieben gelernt.“

Und der geborenen Aiblingerin brennen viele Stadt-Themen unter den Nägeln. Vor allem der Klimaschutz. „Ich will, dass wir Vorzeigekommune in Sachen CO2- und Klimaneutralität werden. Klimarelevante Themen müssen ohnehin im Stadtrat bei allen Überlegungen Priorität haben, denn wir haben keine Zeit mehr”, betont sie energisch. Ideen dazu hat sie viele. Gerade was Mobilität und Verkehr anbetrifft, sieht sie allerhand Verbesserungsmöglichkeiten. Stichwort: Verkehrsberuhigte Innenstadt. „Das heißt jetzt nicht, dass plötzlich alle Autos aus der Stadt verschwinden sollen”, merkt sie an. „Doch es ist schon viel gewonnen, wenn man Innenstadtbereiche so gestaltet, dass mehr Platz für Menschen entsteht und Fahrradfahrern und Fußgängern Priorität eingeräumt wird.” Dass so etwas funktionieren kann, würde ein Blick nach Kufstein zeigen, wo ein Konzept „Begegnungszone“ bestens klappt.

Mehr Radwege und ein Grünzug durch die Stadt

Um neuen Schwung in die Aiblinger Verkehrspolitik reinzubringen, will sie auch auf frühere Ideen des Stadtentwicklungsplans zurückgreifen, die in der Stadt nicht weiter verfolgt wurden. Zum Beispiel die Erweiterung des Kurparks mit einem Grünzug bis zur Kurzone. Für Bürgerinnen und Bürger, die unmotorisiert unterwegs sind, fordert sie eine bessere Durchwegung. „Ein entsprechend angelegter Grünzug, der sich durch die ganze Stadt zieht, wäre optimal.” Sichere, durchgängige und gut ausgeschilderte Radwege sind für Sie ein Muss.

Bei der Mobilität in der Stadt denkt sie an einen alternativen ÖPNV-Mix („Da entwickelt sich gerade viel und es gibt schon gute Konzepte”), an ein Leihfahrrad-System, Mitfahrbankerl, Car-Sharing und natürlich einen Ausbau der Buslininen mit einer engen Taktung.
Was sie selbst immer wieder feststellt: „Es sind in der Stadt viele zentrale Parkflächen da. Die werden selten vollständig genutzt.” Ob am Bahnhof, beim Haltepunkt Kurpark oder in der Tiefgarage am Ludwigskreisel – überall sind nach ihren Beobachtungen freie Parkplätze verfügbar. Und für jeden Autofahrer ist es zumutbar, 200 bis 500 Meter in die Stadt zu gehen. Klar ist für sie auch: „Das gilt nicht für Menschen, die zum Beispiel zum Arzt müssen und schwer gehen können.” Für diese Mitbürger muss der Parkplatz vor der Tür verfügbar bleiben.

Familien wieder stärker in den Mittelpunkt

Ein weiterer wichtiger Punkt für Martina Thalmayr ist die soziale Verantwortung den Bürgern gegenüber. „Wir müssen uns um die Mietpreise kümmern. Das klassische Einfamilienhaus mit kleinem Gärtchen ist für viele nicht mehr finanzierbar und auch nicht wirklich zukunftsfähig.  Deshalb müssen die Wohnquartiere, die entwickelt werden, hochattraktiv sein, um eine echte Alternative zu bieten.” Zudem will sie den Fokus wieder mehr auf die Familien lenken. Denn: „In unseren Kindern liegt die Zukunft.” Die Stadt mache viel für Senioren und noch sei man in Bad Aibling, was Kindergarten- und Krippenplätze angeht, gut dabei. „Doch schon bei der Mittagsbetreuung kränkelt es.”

Dass die Sankt-Georg-Schule neu gebaut wird und deshalb in den kommenden Jahren weniger Geld in der Stadtkasse sein wird, akzeptiert sie. Stillstand würde das für anstehende Projekte allerdings nicht bedeuten. „Wir müssen nicht immer auf Teufel komm raus etwas Neues entwickeln (außer das dringend notwendige Hallenbad) . Wir haben hier so viel Optimierungspotenzial – man kann das Bestehende verbessern.”

Die Art und Weise, wie in Bad Aibling Politik gemacht wird, soll sich unter einer Bürgermeisterin Martina Thalmayr ebenfalls verändern. Sie fordert eine transparente, klare und ehrliche Politik. „Ich finde, dass bei uns zu viel hinter verschlossenen Türen stattfindet. Die Entscheidungen und ihre Grundlagen werden der Öffentlichkeit zu wenig vermittelt. Deshalb müssen wir mit den Menschen wieder mehr ins Gespräch kommen.” Was ihr vorschwebt, sind Plattformen, auf denen sich Bürger beteiligen und einbringen können. „Beispielsweise könnte eine Web-Cam Stadtratssitzungen fürs Internet übertragen. So kann jeder genau das sehen, was ihm wirklich wichtig ist und sich darüber informieren. Dazu muss man nicht bei der ganzen Sitzung dabei sein.”

Der Klimaschutz muss über allem stehen

Bei allen Beschlüssen und Entscheidungen fordert sie mehr Weitblick. „Heute wird in Bad Aibling oft nur fünf Jahre nach vorne geschaut. Doch wichtiger ist es, was in 25 Jahren passieren soll, was wir dafür heute schon bewegen können. Das erleben manche vielleicht nicht mehr, aber sicherlich unsere Kinder, Enkel oder Urenkel.” Martina Thalmayr will, dass man sich endlich wieder mehr um die wirklich wichtigen Themen kümmert und betont dabei noch einmal den Klimawandel, der uns alle bedroht. „Sei es beim Bauen, beim Verkehr oder beim Thema Energie – bei allen Vorhaben muss der Klimaschutz über allem stehen. Mich ärgert, dass wir in vielen Sitzungen ausschließlich über Parkplätze und Satteldächer reden. Da denke ich mir – haben wir denn keine anderen Probleme?”

Ob die Kommunalpolitikerin das alles in die Tat umsetzen kann, entscheiden die Wähler. Und auch, wenn jetzt noch völlig unklar ist, wer denn am 15. März 2020 die Nachfolge von Felix Schwaller antritt, so ist für sie schon jetzt klar, dass an diesem Wochenende auf jeden Fall eine Party steigt: „Am 13. März werde ich 50 Jahre alt. Und da wird gefeiert – egal, wie die Prognosen sind …”