Bruckmühl: Begleiten bis zum Ende

Annemarie Schmid und Andrea Gerstner sind zertifizierte Trauerbegleiterinnen - mit mutmachenden Angeboten

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Bruckmühl – Was tun im Ernstfall? Einige Menschen wissen das: Stabile Seitenlage, Mund-zu-Mund-Beatmung oder Herzmassage. Tatsächlich werden landauf, landab Erste-Hilfe-Kurse angeboten, beim Führerschein und in vielen Betrieben sind sie Pflicht. Ganz anders ist es dagegen, wenn ein Mensch im Sterben liegt. Viele Angehörige sind oft mit der Situation überfordert, haben wenig Ahnung, wie man sich verhalten soll und haben es nach dem Tod eines lieben Menschen  sehr schwer. Deshalb bietet Annemarie Schmid (im Foto r.) nun „Letzte Hilfe Kurse” nach Dr. Georg Bollig Palliativmediziner aus Schleswig, der dieses Konzept entwickelt hat  an. Der erste fand kürzlich im Trachtenheim Kirchdorf a.H. statt.

Foto: Andrea Gerstner (l.) und Annemarie Schmid bieten Letzte-Hilfe-Kurse an

„Jeder Mensch muss beim Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs machen”, sagt Annemarie Schmid. „Ob man den jemals brauchen wird, ist nicht sicher. Mit   ,Letzte Hilfe`  wird aber irgendwann einmal jeder konfrontiert.” Die zertifizierte Trauerbegleiterin veranstaltet gemeinsam mit Trauerbegleiterin und Palliativ Care Krankenschwester Andrea Gerstner aus München den „Letzte-Hilfe-Kurs” und will den Teilnehmer/innen bei ihrer Kurspremiere hier im Trachtenheim als Erstes vermitteln, dass Sterben ein Teil des Lebens ist. Dazu stehen am Anfang auch Fragen im Raum wie „Wann eigentlich beginnt der Sterbeprozess?” oder „Was passiert, wenn ein Mensch stirbt?”

Die Rückmeldungen der anwesenden Kursteilnehmer waren sehr positiv. In erster Linie ist der Letzte Hilfe Kurs Wissensvermittlung zu einem, für viele, schwierigen Thema. Der Tod und das Sterben, ist so unterschiedlich wie unser Leben, das betonen Annemarie Schmid und Andrea Gerstner immer wieder.

Ein weiteres Modul des Kurses ist „Vorsorgen und Entscheiden”. Annemarie Schmid weiß aus ihrer Erfahrung, dass vor allem zu Dingen wie Patientenverfügungen oder Vollmacht viele Fragen gestellt werden. Hier herrscht oft viel Unsicherheit.

Als Krankenschwester, die auf einer Palliativstation in München arbeitet, kann Andrea Gerstner dann viel zum Lindern von Leiden erzählen. Sie sagt: „Körperliche Schmerzen lassen sich bei den Patienten lindern, gegen die seelischen gibt es kein Medikament. Die möglicherweise entstehende Unruhe oder Stöhnen können Ausdruck von Trauer und wut sein, was jedem Sterbenden zusteht.” Man kann durchaus das Sterben mit der Geburt vergleichen, auch am Lebensanfang geht es nicht ohne Schmerzen.

Auch das Abschiednehmen gestaltet sich ganz unterschiedlich. Eine Erfahrung der beiden Kursleiterinnen ist jedoch die, dass Menschen, die im Sterben liegen, in ihrer letzten Stunde oft gerne alleine sind. Und genau das kann wiederum ein Problem für Angehörige werden, die dann Schuldgefühle haben, weil sie jemanden in der Todesstunde alleine gelassen haben.

Um all das zu verarbeiten, bieten sowohl Andrea Gerstner in München als auch Annemarie Schmid in Bruckmühl in der Zeit nach dem Tod für die Hinterbliebenen Trauerbegleitung an. Da Trauer keine Krankheit ist, helfen  Medikament auf Dauer nicht gut, sondern es  braucht einfühlsame Gespräche, da jeder Verlust; Kinder, Partner, Eltern oder Freunde anders betrauert wird.  Es wird versucht gemeinsam mit den Trauernden einen Weg zu finden das Leben wieder neu zu Ordnen. Beide setzen dabei, unter anderem vor allem auf die Kraft der Natur. „Ich gehe mit den Menschen zum Beispiel gerne an den Goldbach in Vagen”, erzählt Annemarie Schmid. „Das Symbol des  lebendigen, sprudelnden Wassers kann helfen, die eigenen Kraftquellen in sich selber zu finden. Wichtig ist es, dass sich die Trauernden wieder selber wahrnehmen und spüren können.

Zur Trauerbegleitung kam sie 1998. „Damals habe ich zum ersten Mal etwas vom Hospizverein gehört.” Der Tod war da bei der vierfachen Mutter, die 1986 ihre Tochter mit viereinhalb Monaten gehen lassen musste und ihren Vater verlor, noch sehr präsent. Denn —–1997 starb auch ihre Mutter. Annemarie Schmid lernte die Arbeit des Hospizvereins zu schätzen und machte 2001 in Rosenheim den Grundkurs zur Hospizbegleiterin. Sie war 17 Jahre als Hospizhelferin und 10 Jahre zusätzlich im Rathaus Bruckmühl einmal in der Woche zur Beratung und Information über Vollmacht und Patientenverfügung, Sterben und Trauer für den Hospizverein ehrenamtlich tätig.  Als Dozentin der VHS leitet sie  seit einiger Zeit das Trauercafé in Bruckmühl. Mittlerweile ist sie nicht mehr ehrenamtlich im Hospizverein tätig.

Wenn Menschen ihre Hilfe suchen, gilt bei ihr als oberstes Gebot: „Zuhören„ Die Trauernden sollen sich alles von der Seele reden können, was ihnen schwer fällt. Mit verschieden Ritualen und Möglichkeiten kann es gelingen die Trauer in das eigene  Leben zu integrieren, um auch irgendwann der Freude wieder einen Platz im Leben zu geben.

Verabschieden sollte man sich auch ihrer Meinung nach von dem Gedanken, dass man die Trauer irgendwann überwindet. „Die Trauer um einen Verstorbenen wird einen immer begleiten. Sie wird, und darf  sich aber wandeln”, sagt sie und fügt hinzu: „ Damit aus der schmerzhaften Trauer, liebevolle Erinnerung  werden darf.“ Dafür braucht es Zeit.

Sehr hilfreich und gut angenommen sind Schmids Trauerwanderungen. Ihre Erkenntnis: „Hier kann man Impulse geben, die Teilnehmer können in sich hineinspüren. Manchmal redet man, dann schweigt man wieder, man erinnert sich und darf sowohl trauern als auch Freude empfinden.”

 

Die nächste Trauerwanderung findet am Samstag, den 20 Juli, statt und führt entlang der Mangfall von Heufeld nach Rosenheim. Start ist um 5 Uhr in der Früh.

Anmeldung und weitere Infos bei Annemarie Schmid

Telefon 08062-67 59
annemarie.schmid@trauerwege.eu

www.trauerwege.eu

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