Irschenberg: Arbeiten mit 22 Mündeln

Zwei Mitarbeiterinnen des Caritas Kinderdorfes übernehmen Vormundschaften

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Irschenberg – Zwei Mitarbeiterinnen des Caritas Kinderdorfs Irschenberg treffen täglich Entscheidungen für Kinder und Jugendliche in der Region Rosenheim, die eigentlich deren Eltern treffen sollten. Da geht es nicht nur um die Computerspiele, den Kauf eines Mofas oder ein Tattoo.

Claudia Alkofer und Tanja Hrubesch übernehmen Vormundschaften für Mädchen und Jungen, deren Eltern sind aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage, die rechtliche Sorge für ihre Kinder zu übernehmen. In solchen Fällen ordnet ein Familiengericht eine Vormundschaft an (in Bayern 2017 insgesamt 5.748 lt. Bayerisches Landesamt für Statistik), sei es bei Waisen oder auch bei Kindern, deren Eltern das Sorgerecht entzogen worden ist, etwa wegen Vernachlässigung, Gewalt oder sexuellen Übergriffen in der Familie. Auch Kinder von minderjährigen Müttern gehören zu ihren Mündeln.

Neben Vormundschaften übernimmt das Caritas Kinderdorf bei Kindern auch eine sogenannte Ergänzungspflegschaft, wenn das Familiengericht anordnet, dass Eltern nur in Teilbereichen ihr Kind gesetzlich nicht vertreten können. Dies ist vor allem bei Kindern, die bei ihren Eltern leben, der Fall.  Sie sind dann nur für bestimmte Entscheidungen zuständig, z. B. für schulische, gesundheitliche oder vermögensrechtliche Angelegenheiten. Da die Richter bemüht sind, möglichst viele Teilbereiche bei den Eltern zu belassen, machen Pflegschaften heute rund zwei Drittel der Arbeit aus.

Derzeit betreuen die Mitarbeiterinnen 22 Mündel, die fast alle deutsche Staatsbürger sind. Lediglich ein Mündel kommt aktuell aus einem anderen EU-Land und ein weiteres aus Afghanistan. Das war zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise noch anders, als sie sich zusätzlich um 30 unbegleitete Minderjährige kümmerten und damit die Jugendämter deutlich entlasteten.

Denn in der Praxis übernehmen die Vormundschaft meist Mitarbeiter/innen des Kreis- und Stadtjugendamtes. Neben dieser Amtsvormundschaft gibt es in Bayern auch die Vereinsvormundschaft, wie die des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising e.V. Die beiden Caritas Mitarbeiterinnen sorgen in diesen Fällen für die Person und das Vermögen des Mündels, welches nicht bei ihnen wohnt. Sie haben allerdings die Pflicht dafür zu sorgen, dass die Pflege, Erziehung und Beaufsichtigung durch einen Dritten gewährleistet sind. Meistens leben die Mündel in einer Pflegefamilie oder in einer Jugendhilfeeinrichtung. Maßstab für ihre Arbeit ist das Recht des Kindes auf Fürsorge, Erziehung und Förderung seiner Entwicklung. Der Vormund trifft beispielsweise die Entscheidung, welchen Kindergarten oder welche Schule ihr Schützling besuchen soll. Auch im Falle einer medizinischen Behandlung hat er dieselben Rechte und Pflichten wie Eltern. Mindestens einmal im Jahr musss der Vormund über die persönlichen Verhältnisse des Mündels dem Familiengericht berichten.

Insbesondere bei Vormundschaften mit einem hohen pädagogischen Bedarf kommt den beiden Vormündern der Caritas ihr Studium zu gute. Schulschwänzer, Verweigerer, Kinder mit psychiatrischen Auffälligkeiten profitieren vom Einfühlungsvermögen, der Erfahrung und fachlichen Kompetenz der Sozialpädagoginnen, die bereits mehr als 100 Mündel betreut haben. Derzeit betreuen sie von ihrem Büro in Rosenheim Mündel zwischen 4 und 17 Jahren überwiegend aus dem Landkreis Rosenheim.

Je nach Bedarf besuchen sie ihre Mündel mindestens ein Mal pro Monat, das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Oftmals entsteht im Laufe der Jahre ein enges Verhältnis und man ist Ansprechpartnerin für vielerlei Probleme. Bei Kindern, die wohlbehütet in einer Pflegefamilie leben, ist meist ein Besuch im Monat ausreichend. Anders sieht es bei Fällen aus, bei denen es akut brennt. Wenn größere Verhaltensauffälligkeiten vorliegen, dann sind häufigere Besuche vonnöten

Allerdings gelingt es in den meisten Fällen, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Herkunftseltern, Pflegeeltern und weiteren Verfahrensbeteiligten zu erzielen. Und auch manche Mündel sind von der Tätigkeit ihrer Vormündinnen so beeindruckt, dass sie nach Volljährigkeit für sich einen sozialen Beruf erwählen.

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