„Man muss in Bad Aibling verliebt sein”

Stephan Schlier, Bürgermeisterkandidat der CSU, über seinen Antrieb und seine Visionen

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Bad Aibling – Er ist jung, er ist engagiert – und er ist bereits routiniert. Deshalb verwundert es nicht, dass sich die beiden CSU-Ortsverbände von Bad Aibling auf ihren Fraktionsvorsitzenden Stephan Schlier als Kandidaten für die kommende Bürgermeisterwahl einigen konnten. Mit einem Traumergebnis von 100 Prozent Zustimmung geht Schlier nun ins Rennen, um am 15. März Nachfolger von Felix Schwaller zu werden, der aus Altersgründen nicht mehr kandidieren kann.

Welche Aufgabe da auf ihn zukommen wird, sollte er die Wahl gewinnen, weiß Stephan Schlier genau. Der 30-Jährige kennt den Terminkalender von Felix Schwaller. „Das bedeutet: Sieben Tage die Woche von früh bis spät im Dienst der Stadt Bad Aibling und im Dienst der Bürger”, sagt er. Doch dieser Herausforderung will er sich gerne stellen. Auch deswegen, weil er die Unterstützung von Freunden und Familie hat und auch in Partei und Bevölkerung großen Rückhalt spürt. Das ist für ihn die Bestätigung dafür, dass er schon als 16-Jähriger in die Politik gegangen ist. „Ich wollte schon damals etwas selber bewegen und nicht immer nur schimpfen. Vor allem die Kommunalpolitik fand ich spannend, da man hier direkt und spontan entscheiden und Dinge auf den Weg bringen kann”, erklärt der Fraktionsvorsitzende, der als politische Vorbilder Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber nennt. „Ich fand es faszinierend, wie sie Politik gemacht haben. Sie haben High-Tech und Tradition verbunden, und dabei nie die Menschen aus dem Blick verloren.”

Für die bevorstehende Wahl ist es Stephan Schlier wichtig zu betonen, dass er ein eigener Kandidat mit eigenen Ideen und Vorstellungen sei und kein Felix Schwaller in jung. Er sagt: „Bad Aibling hat mit Felix Schwaller in den vergangenen 18 Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Und nun gilt es, ein neues Kapitel aufzuschlagen und die Stadt weiter vorne zu halten.” Obwohl er einiges in diesem Sinne fortsetzen will, was in Bad Aibling bisher auf den Weg gebracht wurde, sieht er doch einige Punkte, die er in Zukunft etwas anders anpacken möchte. „Die Art, Politik zu machen, hat sich geändert”, sagt Stephan Schlier. „Es braucht vor allem bei größeren Entscheidungen mehr Beteiligung im Vorfeld, auch ein besseres Erklären und längere Vorarbeit für die Akzeptanz.”

Die wichtigsten Punkte, die für ihn in den kommenden Jahren in der Kommunalpolitik anstehen, sind bezahlbarer Wohnraum, der Breitbandausbau, die Schaffung eines Hallenbads, die Wiedereröffnung der Geburtsstation sowie eine weitere Belebung der Innenstadt.

Beim Thema „Wohnraum” setzt Schlier vor allem auf nachhaltiges Bauen und die Anwendung des „Aiblinger Modells”. Er sagt dazu: „Dabei will ich bei jedem neu geschaffenen Baugebiet, erstmals bei der Nachnutzung der Schön Klinik Harthausen und der Ellmosener Wies, den 30-prozentigen Anteil für Einheimische zu einem reduzierten Kaufpreis oder Mietzins durchsetzen.” Sein Credo: Die jungen Leute müssen sich Bad Aibling leisten können.

Dazu gehört auch der konsequente Breitbandausbau, da dieser seiner Meinung nach neben der klassischen Verkehrsinfrastruktur heute ebenfalls ein wichtiger Standortfaktor ist, ob geschäftlich oder privat. Auch mehr WLAN-Hotspots im Stadtgebiet will er haben.

Um die Attraktivität zu steigern, möchte Schlier weiterhin den Neubau eines Hallenbades im Sportpark forcieren. „Nachdem die Standortfrage geklärt ist, läuft momentan die Anfrage nach der Förderung. Ich denke, dass sich der Landkreis hier nicht ganz drücken kann, da vor allem er die Schulen unterhält, die später davon profitieren.”

Auch die von vielen geforderte Wiedereröffnung der Geburtsstation ist für ihn noch nicht vom Tisch: „Bei uns nimmt die Bevölkerung zu, die Menschen weichen derzeit nach Rosenheim oder Agatharied aus, doch deren Geburtsstationen sind auch sehr ausgelastet. Für mich macht deshalb der Standort Bad Aibling Sinn. Da ist im Übrigen auch ein Geburtshaus denkbar.”

Dass Bad Aibling für Bürger und Gäste so attraktiv ist, liegt für Stephan Schlier vor allem an dem Mix, den die Stadt bietet. Er sagt: „Wenn ich am Marienplatz stehe und mich einmal herumdrehe, sehe ich das Rathaus, den Duschlbräu, das Lindners, die Sparkasse, die Rosenheimer und Münchner Straße und die Kirchzeile. Ich sehe hoch zum Hofberg mit dem Amtsgericht und der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt – da bekomme ich den Eindruck, dass die Bezeichnung „Stadt” auf dem Ortsschild richtig ist. Und gleichzeitig haben wir auch die Dörfer Berbling, Ellmosen, Willing, Mietraching oder Harthausen. Ohne die wäre Bad Aibling nicht das, was es ist. Ich kann am Nachmittag das Vereinsjubiläum der Oberlandler haben und am Abend die Vernissage im Kunstverein. Die Mischung ist hier einfach perfekt.”

Diese Balance aufrecht zu erhalten, sieht er als eine der vielen Aufgaben die auf ihn als möglichen neuen Bürgermeister warten. Das will er ohne Eitelkeiten tun. „Das Amt des Bürgermeisters ist keine One-Man-Show”, sagt er. „Ich will ein starkes Miteinander aus Stadtrat, Stadtverwaltung und Bürgermeister und so gemeinsam für die Stadt an einem Strang ziehen.” Das offene Ohr für die Anliegen der Bürger will er sich stets bewahren. „Für mich steht keine Ideologie und kein Thema an erster Stelle, sondern unsere Bürger.” Um dies schon im Vorfeld der Wahl zu untermauern, haben er und seine Parteimitglieder in Bad Aibling eine Online-Umfrage für die Bürger gestartet. Welche Themen sind für die Einwohner am wichtigsten? Sie können es noch bis Ende Oktober mitteilen und darauf will er reagieren.

Trotz all der Punkte, die noch optimiert werden können, sieht Stephan Schlier in Bad Aibling auch schon einiges auf den Weg gebracht. In punkto Familienfreundlichkeit stehe die Stadt gut da, meint er. Kinderbetreuungseinrichtungen werden weiter ausgebaut, der Neubau der Grund- und Mittelschule St. Georg ist ebenso beschlossen wie der Erhalt der Grundschule Willing.

Stephan Schlier ist gelernter Steuerfachangestellter, hat Jura studiert und arbeitet derzeit in einer Steuerberatungsgesellschaft, wo er neben juristischen Fragestellungen vor allem auch klassische steuerliche Tätigkeiten ausübt. Deshalb ist es kein Wunder, dass er auch auf den Haushalt der Stadt ein geschultes Auge werfen kann. Sein Fazit: Bad Aibling steht finanziell besser da, als gemeinhin angenommen. „Sicher ist der Schuldenberg noch hoch. Doch in den fünf Jahren, seitdem ich Stadtrat bin, wurden stets Schulden getilgt. Und zwar immer mehr, als die Netto-Kreditaufnahme war. Unser Haushalt ist deutlich solider, als man meinen könnte.” Trotzdem ist er der Meinung: Investitionen in die Zukunft wie der besagte Schul-Neubau oder der Bau eines Moorbadehauses müssen getätigt werden, um auch in den kommenden 20 Jahren ein attraktiver Ort für Einheimische und Gäste zu sein. Der Spagat, den es zu beschreiten gilt: Trotz allem Fortschritt noch den Charme bewahren.  Für ihn ist klar, dass dies nur ein Bürgermeister lenken kann, der die Stadt von klein auf kennt und mit ihr fest verwurzelt ist. So wie er.

„Ich wollte noch nie woanders leben”, sagt er. Wie sehr er mit Bad Aibling und der Region verbandelt ist, zeigen auch die zahlreichen Funktionen und Mitgliedschaften in mehreren Vereinen und Organisationen. Stephan Schlier ist Trachtler bei den „Edelweißern”, im Breitensport und Rettungsdienst bei der DLRG, Mitglied in der FFW Harthausen, in Veteranenvereinen, Rosenheimer Nachtexpress, VHS, Bayernbund, im historischen Verein, im EHC, Musikförderverein, im Reservistenverband und im Theater Bad Aibling. Als gläubiger Mensch ist Stephan Schlier zudem sehr in der Kirche engagiert. Er ist Lektor und Kommunionhelfer und im AK Erwachsenenbildung tätig.

Sicher wird er im Falle eines Wahlsiegs einige Aufgaben davon nicht mehr wahrnehmen können und auch nicht jedem Vereinswunsch wird er nachkommen können, trotzdem sieht er in diesen Funktionen einen großen Vorteil: „Man ist näher am Menschen dran, bekommt ein besseres Bewusstsein für die Probleme der Bürger, darüber hinaus ist man so ständig im Austausch und Kontakt mit den Aiblingern.” Und genau diesen direkten Kontakt würde er als Bürgermeister mit ganzem Herzen weiter pflegen. Denn Stephan Schlier besitzt die Eigenschaft für dieses Amt, die Felix Schwaller mit den Worten „Man muss diese Stadt lieben” als unerlässlich beschrieben hat. Und Stephan Schlier liebt Bad Aibling.

 

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