Irschenberg: Anstrengende Ferien

Kinder und Jugendliche aus dem Kinderdorf bezwingen den Schicksalsberg

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Irschenberg – Während die meisten Kinder und Jugendlichen die Sommerferien bisher wohl eher zum Entspannen nutzten, haben sich 12 Mädchen und Buben im Alter zwischen 12 und 18 Jahren aus dem Caritas Kinderdorf für eine ziemlich strapaziöse erste Ferienwoche entschieden. Sie fuhren mit vier Betreuer/innen per Fahrrad nach Berchtesgaden, bestiegen und überquerten den sagenumwobenen Watzmann.

Die Anreise mit dem Fahrrad und dem Rucksack auf dem Rücken gestaltete sich als erste Herausforderung. Nach einer kurzen Etappe zum Eingewöhnen über 650 Höhenmeter auf die Florihütte in den Schlierseer Bergen, war die Rabenmoos Alm nahe Ruhpolding das Ziel am zweiten Tag. Platte Reifen, Stürze, bei denen ein Jugendlicher mit Schürfwunden die Gruppe bereits verlassen musste, führten dazu, dass die Radler nach 91,5 Kilometern, davon 40 Kilometer bei strömenden Regen, den Abend in Bad Adelholzen verbrachten.

Bei den Klosterschwestern fanden sie einen günstigen Unterschlupf und konnten den Abend mit Pizza ausklingen lassen. Am nächsten Tag ging es bei weiterhin strömendem Regen über Siegsdorf und Inzell nach Berchtesgaden, nicht ohne weitere Plattfüße und glücklicherweise folgenlose Stürze. Am Tag 3 waren morgens nur noch sieben Kilometer zu radeln, bevor es gemeinsam mit professionellen Bergführern 1.300 Höhenmeter zu Fuß zum Watzmannhaus ging. Die geplante Besteigung des 3. Watzmannkindes musste 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels wegen schlechter Sicht abgebrochen werden. Die Stimmung unter den Teilnehmern war entsprechend gedrückt.

Diese änderte sich am nächsten Morgen schlagartig, als die Gruppe um 6:00 Uhr bei Sonnenschein zur Überquerung des Watzmanns aufbrach. Nach 700 Höhenmetern über einen immer steiler werdenden Steig erklommen die Kinder und Jugendlichen das 2.651m hohe Hocheck. Von dort begann die eigentliche Überschreitung über die Mittelspitze (2.713m) und die Südspitze (2.712m), die den Hauptkamm des Gebirgsmassives bilden und durch einen Grad verbunden sind. Diese anspruchsvolle, hochalpine Bergtour gehört zu den bekanntesten in den bayerischen Alpen. Wegen seiner außergewöhnlichen Form, aber auch der über 100 Todesopfer, die der Berg bereits forderte, wurde der Watzmann zum Mythos unter Bergsteigern aus der ganzen Welt

Der Blick von der Ostwand auf den 1.800 Meter darunter schimmernden Königsee blieb den jungen Bergsportlern wegen der Wolken allerdings verwehrt. So dass sie sich auf den langen Abstieg zur 1.400 Höhenmeter tiefer liegenden Wimmbachgrieshütte machten, die sie nach 10,5 Stunden erschöpft, aber glücklich und zufrieden erreichten. Auch der Leiter Thomas Gratzl, Sozialpädagoge im Caritas Kinderdorf Irschenberg, zeigt sich in Anbetracht der erbrachten Leistung seiner Jugendlichen angetan: „Respekt, die Mädchen und Jungen haben meine ganze Hochachtung. Die haben die Strapazen einer solchen Gewalttour toll gemeistert und sich damit ein unvergessliches Geschenk beschert, das sie nie in ihrem Leben vergessen werden.“

Stolz auf ihre Bergsteiger/innen war auch die gesamte Kinderdorfgemeinschaft, die von zu Hause aus die Expedition über die sozialen Netzwerke und WhatsApp verfolgte und mitfieberte. Auch während des Abstiegs ins Tal und der 180 Kilometer lange Fahrt mit dem Fahrrad – mit einer Übernachtung in der Aula des Traunsteiner Gymnasiums – zurück nach Irschenberg, wo sie ihren Helden einen begeisterten Empfang bereiteten. Dort können die Kinder und Jugendlichen das erlebte Abenteuer in aller Ruhe sacken lassen, den anderen davon berichten und den Rest der Ferien in vollen Zügen genießen.

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