Bad Aibling: Nein zum Mitfahrbankerl

Stadtrat gibt in seiner Sitzung keine Zustimmung zum Projekt des Nachbarschaftsrings

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Bad Aibling – Im Fußball gibt es bei einem Unentschieden für beide Teams einen Punkt. Im Stadtrat bekommt ein Beschlusspunkt bei einem Patt dagegen die rote Karte. So war es gestern Abend im Aiblinger Rathaus,  nachdem Verena Nagl vom Nachbarschaftsring Bad Aibling das Projekt „Mitfahrbankerl” vorgestellt hatte. Von den anwesenden Stadträten waren zehn dafür, und zehn stimmten gegen die präsentierte Version. Ergebnis: Vorerst gibt es im Stadtgebiet nicht das, was in einigen anderen Gemeinden der Region schon eingeführt wurde.

Dabei hätte das Mitfahrbankerl, das von den Grünen um Bürgermeisterkandidatin Martina Thalmayr angeregt wurde, der Stadt keine Kosten verursacht. Lediglich mit der Suche nach geeigneten und sicheren Standorten wäre die Verwaltung betraut worden. Die Kosten für das erste Bankerl hätte der Nachbarschaftsring selbst getragen, für alle weiteren Exemplare wären Sponsoren gesucht worden.

Die Idee für das Projekt ist relativ simpel: Die für Passanten und Verkehrsteilnehmer klar erkennbaren Bänke sind als Alternative und Ergänzung zu den mehr als bescheidenen Fahrplänen der Busse in der Region gedacht. In ausreichender Entfernung zu den Bushaltestellen, um nicht in Konkurrenz mit den Busunternehmen zu treten, wären die Bankerl aufgestellt worden und die Bürger hätten so die Möglichkeit gehabt, auch außerhalb der Fahrplanzeiten von A nach B zu kommen. Wenn denn ein Fahrzeug an einer Bank anhält und der wartenden Person die Mitnahme anbietet.

Das gewünschte Fahrziel können die potenziellen Mitfahrer per an der Bank verfügbarem Schild klar zu erkennen geben. „Das funktioniert in manchen Gegenden schon hervorragend”, erklärte Verena Nagl. „Im Raum Flensburg stehen diese Bänke schon fast flächendeckend.” Hier in der Region müsse man allerdings noch über die verschiedenen Medien noch einiges an Aufklärungsarbeiten leisten. „Wenn man das konsequent macht, dann bin ich mir davon überzeugt, dass die Bankerl von der Bevölkerung angenommen werden”, fügte Martina Thalmayr an.

Doch alle positiven Argumente halfen nichts, auch die Zusage, dass sich der Nachbarschaftsring um die Pflege und den Erhalt der Bankerl kümmern würde, verhallte letztendlich im Sitzungssaal. Der mittlerweile parteilose Stadtrat Wilhelm Bothar befürchtete Zerstörung der Bänke durch Vandalismus, Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) verlangte gar ein finanzielles Konzept oder wenigstens Erfahrungsberichte aus Gemeinden, in denen die Bankerl schon stehen, ihr Parteigenosse Josef Glaser wollte die Haftungsfrage geklärt wissen und befürchtete Abzocke seitens der Mitfahrer – sollte es zum Versicherungsfall kommen. Johann Schweiger von der CSU wollte es sich nicht mit den Busunternehmern verscherzen, mit denen man jedes Jahr immer wieder über Fahrpläne und Bushaltestellen verhandeln müsse, andere Stadträte äußerten zudem parteiübergreifend die Sorge um die Sicherheit der Mitfahrer.

Deshalb gab es letztendlich nicht die erforderliche Mehrheit für das Projekt. Die Leute von der Nachbarschaftshilfe wollen das Thema „Mitfahrbankerl” jedoch deswegen nicht fallen lassen. Vielmehr hoffen sie auf eine noch größere Bekanntheit und Akzeptanz der bereits bestehenden Bänke wie in Au und Bad Feilnbach. Wenn diese bei den Bürgern dann erst einmal gelernt und im Bewusstsein sind und in anderen Gemeinden noch einige dazu kommen, dann kann sich Bad Aibling irgendwann dieser Sache nicht mehr entziehen.

 

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6 Kommentare zu “Bad Aibling: Nein zum Mitfahrbankerl

  1. War klar, dass da so kommt. Nur nichts neues ausprobieren. Gell Herr Schweiger.. “Johann Schweiger von der CSU wollte es sich nicht mit den Busunternehmern verscherzen,” Und an Frau Petra Keitz-Dimpflmeier, die Frage, nach den Finanziellem Konzept? Was soll das bringen? Und der mittlerweile parteilose Stadtrat Wilhelm Bothar befürchtete Zerstörung der Bänke durch Vandalismus. Soso. Was ist mit den Schmiereeinen an der Unterführung und sonstigen stellen? Herr Josef Glaser, daß müssen die Betroffenen im Schadensfall selbst ausmachen. Oder will die Stadt einspringen? Abschliessend bleibt zu sagen, einfach immer wieder auf die Tagesordnung setzten, fertig.

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  2. Es waren insgesamt einfach zu viele Fragen offen. Ich denke wenn man dranbleibt, die offenen Fragen klärt und dann erneut den Antrag stellt wird es was werden.

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  3. Ernst-Christian Pahl

    Es hat sich mal wieder gezeigt, daß die Wachhunde des Betreuungsastaates kläffen würden, wenn die Minderbemittelten sich selber helfen wollen – zumal die Idee dazu von der 4. Bürgermeisterin kommt. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht ? Wir haben ja die Leute !

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  4. Auch in AIB können sich die bräsigen Räte wohl nicht mit einer Zukunft ohne eigenes Stehzeug anfreunden. Gute Unternehmer wissen um die Notwendigkeit des ‘mit der Zeit gehen’. Gute Räte auch. Ich nehme gerne Andere mit, allein schon wegen immer wieder interessanter Gespräche. 🐞

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  5. Petra Keitz-Dimpflmeier

    Welche 4. Bürgermeisterin?

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  6. Michael Stacheder

    Enttäuschend, dass ein bürgerverbindendes Projekt, das in angrenzenden Kommunen bereits ausprobiert und mit Erfolg durchgeführt wird, in Bad Aibling jedoch nicht mal die Chance auf eine Realisierung erhält. Fehlt es unserem verzagten Stadtrat mittlerweile an Visionen, an Mut, das Morgen unserer Stadt zu gestalten? Man muss es fast annehmen. In Sachen Klimaschutz verharrt der Aiblinger Stadtrat offensichtlich im Gestern und schafft es nicht, mit Vertrauen in den Nachbarschaftsring für dieses zukunftsweisende Projekt zu stimmen. Ja, unser ganz persönlicher Klimaschutz beginnt im Kleinen, mit ganz persönlichen Schritten und erfordert mit Sicherheit unser aller Umdenken. Unsere gewohnte, selbstverständliche Pkw-Mobilität muss überdacht und neue, vielleicht noch ungewöhnliche Formen des Carsharings ausprobiert werden. Mit seinem NEIN zu den Mitfahrbänken nimmt der Aiblinger Stadtrat einem wichtigen Bürgerengagement den Wind aus den Segeln. Und das ist mehr als ärgerlich.

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