Rosenheim: Papierschnipsel statt 8 Millionen

Rosenheim – Manche Geschichten sind so haarsträubend, dass man kaum glauben kann, dass sie so geschehen sind. Trotzdem ging heute diese Pressemeldung der Polizei raus, bei der sich in unserer Redaktion das Mitleid mit der betrogenen Person tatsächlich in überschauberen Grenzen hält. Es begab sich also so …

Eine 55-jährige Frau aus Rosenheim gab in diesem Mai ein Inserat auf, dass sie eine Wohnung suchen würde. Auf ihre Anzeige meldet sich ein angeblicher US-Soldat, der aktuell in Afghanistan stationiert ist. In seiner E-Mail äußerte er, zu sehr viel Geld gekommen zu sein und er möchte jetzt in Rosenheim seinen Lebensabend verbringen.

Nachdem mehrere E-Mails ausgetauscht wurden, schenkte die Rosenheimer dem US-Soldaten Vertrauen.

In einem weiteren E-Mail meinte der Soldat, dass er mit seinem großen Bargeldbestand in Afghanistan Probleme bekommt und er bat die Rosenheimerin, ob er ihr Geld schicken kann.

Nachdem die Frau sofort zusagte, meinte der Soldat, dass er zwei Freunde hätte, die nach Deutschland reisen würden. Den beiden würde er eine Tasche übergeben. In der Tasche sei ein Tresor mit rund 8 Millionen Euro Inhalt.

Die Frau fuhr nun zum vereinbarten Treffpunkt, ein Hotel in München. Dort traf sie auch auf die beiden „Bekannten“ des Soldaten in einem Hotelzimmer. Tatsächlich zeigten die beiden eine Tasche vor mit einem kleinen Tresor. Sie bestätigten, dass rund 8 Millionen Euro im Tresor wären.

Doch könnte der wertvolle Gegenstand nicht sofort übergeben werden oder gar der  Tresor geöffnet werden. Die Männer spielten nun vor, dass man an die 8 Millionen nur kommt, wenn man das Geld „wäscht“. Sie zeigten auch sofort wie das funktioniert.

Durch eine Art Taschenspielertrick wurde der Frau von den Männern vorgetäuscht, wie man aus weißem Papier Geld machen kann. Dazu streuten sie ein Pulver über weißes Papier, das für den „Waschvorgang“ unerlässlich sei. Nur mit diesem Pulver könne sie auch an die 8 Millionen kommen. Durch den Trick hielten die Männer dann plötzlich mehrere Geldscheine in der Hand und überzeugten so die 55-Jährige, dass das Pulver aus Papier Geld machen kann.

Für das Pulver verlangten die Männer 3000 Euro. Die Frau holte Geld von der Bank und übergab für das Pulver 3000 Euro an die beiden Betrüger. Die Tasche mit Tresor wurde übergeben und die beiden wünschten viel Freude mit den 8 Millionen. Sie solle aber das Geld exakt so „waschen“ wie vorgezeigt, nicht anders, sonst würden die Geldscheine kaputt gehen.

Die Frau nahm dann sofort mit dem US-Soldaten Kontakt auf. Der Soldat bat die Frau, den Tresor noch nicht zu öffnen, sondern noch ein paar Tage zu warten. Er meinte, dass das Pulver nicht seine volle Wirkung zeigt, dies dauere meistens Stunden oder Tage. In einer weiteren E-Mail bot der Soldat an, dass er an besseres Pulver gelangt ist. Wenn sie ihm nun mehrere tausende Euro überweisen würde, könne er das Pulver nach Deutschland schicken.

Nun wurde die Frau misstrauisch und kam mit dem ungeöffneten Tresor zur Polizei Rosenheim.

Die Ermittlungsgruppe der Inspektion führte eine umfangreiche Spurensuche am Tresor und an der Tasche durch. Es wurden keine 8 Millionen im Tresor gefunden, sondern nur Papierschnipsel.

Aber mehrere Fingerabdrücke und DNA-Material von den Tätern konnten am Tresor gesichert werden. Es handelt sich nach derzeitigem Ermittlungsstand um eine international handelnde Betrüger Bande aus Kamerun. Mit der gleichen Masche erbeuteten die Täter mehrere tausende Euro in der gesamten EU.

Die Täter gehen dabei sehr geschickt vor und durch das erschlichene Vertrauen können sie die Opfer in die Betrugsfalle locken.