Mangfalltal: Die Litfaßsäule der Polizei

Sicherheitswacht wird ins Leben gerufen - Bewerber können sich ab Dienstag melden

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Bad Aibling/Mangfalltal – Die Zeiten, in denen die Leute der Sicherheitswacht ein schlechtes Image in der Bevölkerung hatten, sind – sollte es sie je wirklich gegeben haben – längst vorbei. Inzwischen sind die Sicherheitswachtler bei den Bürgern anerkannt und respektiert, die Rückmeldungen aus Städten wie Rosenheim sind fast durchweg positiv. Nun sollen ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger in Sicherheitswachtuniform auch bald in den Mangfallgemeinden auf Streife gehen. Ab morgen, Dienstag, den 17. September, können sich Interessenten bei der Polizeidienststelle Bad Aibling bewerben.

Foto: Schulterschluss zwischen Polizei und Bürgermeistern. Sie alle freuen sich auf die Sicherheitswacht: Dr. Walter Buggisch, Peter Kloo (1. Bürgermeister Kolbermoor), Richard Richter (1. Bürgermeister Bruckmühl), Bernd Heller, Marco Huber, Hans Schaberl (1. Bürgermeister Feldkirchen Westerham) und Felkix Schwaller (1. Bürgermeister Bad Aibling) (v.l)  

Für den leitenden Kriminaldirektor Dr. Walter Buggisch, Inspektionsleiter Mario Huber und den ersten Polizeihauptkommissar Bernd Heller ist dabei eines klar: „Die Sicherheitswacht ist keine Bürgerwehr, sondern vielmehr die Litfaßsäule der Polizei, ein Aushängeschild – die Schnittstelle zwischen Bürger und Polizei.” In der Praxis sollen die Ehrenamtlichen dann auch nicht zur Kriminalitätsbekämpfung in Krisenzeiten und -gebieten Streife laufen. Sie sollen vielmehr gelebte Zivilcourage mit Vorbildfunktion   für die Bürger sein.

Marco Huber: „Wir verfolgen bei der Sicherheitswacht im Mangfalltal zwei wichtige Ziele. Erstens sollen die Streifen präsent sein und zweitens so die Schere zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit sein.” Was Aiblings Dienststellenleiter besonders freut: „Wir sind froh, dass hier der Schulterschluss mit den Kommunen so zeitnah geklappt hat.”

In den jeweiligen Gemeinde- und Stadträten stellten die Polizeivertreter und Mitglieder der Sicherheitswacht das Konzept in Feldkirchen-Westerham, Bruckmühl, Bad Aibling und Kolbermoor vor – und trotz einiger kritischer Stimmen in den Gremien gab jede Kommune mit großer Mehrheit grünes Licht für die Sicherheitswacht. Die Unterstützung der jeweiligen Bürgermeister gab es sowieso.

Bruckmühls Gemeindeoberhaupt Richard Richter dazu mit einem Schmunzeln: „Die Sicherheitswacht nimmt auch uns Bürgermeistern etwas die Arbeit ab. Denn wenn an der Mangfall zu fröhlich, zu laut und zu lange gefeiert wird oder jemand mit seinem Abfall den Mülleimer nicht genau trifft, dann werde in der Regel ich angerufen, dass wir uns darum einmal kümmern sollten.”

Genau das soll die Arbeit für die Sicherheitswacht sein: Rundgänge an Orten, an denen es ab und zu zu kleinen Verfehlungen kommt. In erster Linie sollen die Mitglieder mit den Bürgern ins Gespräch kommen, sie auf das Einhalten von Vorschriften hinweisen. Das sind oft Hinweise auf Dinge wie die Anleinepflicht von Hunden in Parks, das Alkoholverbot auf einigen öffentlichen Plätzen oder das immer mehr verbreitete Radeln ohne Licht am Abend und in der Nacht.

Bernd Heller über die Rechte und Befugnisse der Sicherheitswacht: „Klar ist – das ist keine Ersatz- oder Hilfspolizei und sie wird auch keinerlei polizeiliche Aufgaben übernehmen. Aber sie hat das sogenannte „Jedermannsrecht”. Das bedeutet, dass die Streifen beim Erkennen einer Straftat mit der notwendigen Verhältnismäßigkeit einschreiten dürfen. Sie dürfen Personalien feststellen, Platzverweise erteilen und sie sind mit Handfunkgeräten ausgestattet, um in heiklen Situationen immer gleich die Polizei rufen zu können.”

Was die Polizeiinspektion in Bad Aibling sucht, sind Menschen zwischen 18 und 67 Jahren, die Zivilcourage haben, sich ehrenamtlich einsetzen wollen und die ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis haben. „Was wir nicht wollen, sind Hilfssheriffs”, sagt Heller. Geeignete Bewerberinnen und Bewerber werden natürlich nicht gleich auf Streife geschickt. Sie werden zuerst in rund 40 Unterrichtsstunden auf die Tätigkeit vorbereitet. Dort lernen sie vieles über ihre Rechte, über das maßvolle Verhalten auf Streife, die bekommen einen Erste Hilfe Kurs und sie werden am Funkgerät ausgebildet.

Auf ihren ersten Streifengängen sollen Sicherheitswacht-Neulinge von erfahrenen Mitgliedern aus Rosenheim begleitet werden, sagt Dr. Walter Buggisch. Dabei räumt er gleich mit einem Vorwurf auf, den er schon öfters gehört hat: „Die Sicherheitswacht ist bestimmt kein günstiger Ersatz für die Polizei, die Stellen überflüssig macht. Sie ist ein sogenanntes Add On, die Personalplanung bei der Polizei ist davon nicht betroffen.”

Marco Huber erklärt: „Zwar gibt es für den Einsatz acht Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde. Doch das ist bewusst so gering gehalten, damit niemand auf die Idee kommt, die Zugehörigkeit zur Sicherheitswacht als Nebenjob zu sehen.” Angesichts angedachter fünf bis acht Einsatzstunden im Monat wird da wohl auch niemand in Versuchung kommen. Die Tätigkeit soll ganz klar als Ehrenamt erkennbar bleiben.

Wenn denn die ersten Streifen in den vier Mangfall-Gemeinden umhergehen, ist noch nicht klar, das hängt von den Bewerbungen und den geeigneten Personen ab. Im Optimalfall, sagt Huber, können schon Sicherheitswachtler auf den Christkindlmärkten ihre Runden drehen. Obwohl Ortskenntnis immer von Vorteil ist, müssen die Bewerberinnen und Bewerber nicht zwingend aus den jeweiligen Gemeinden kommen. „Wenn jemand aus Tuntenhausen, Großkarolinenfeld oder auch Rosenheim Interesse hat, dann darf er sich gerne melden”, sagt Bernd Heller.

 

Bewerbungen ab morgen möglich!

Alle engagierten Bürgerinnen und Bürger haben ab morgen einen Monat lang die Möglichkeit, sich bei der Polizeiinspektion Bad Aibling für dieses herausgehobene Ehrenamt zu bewerben. Detaillierte Informationen hierzu gibt es unter der Telefonnummer 08061/90730.

Bewerbungen direkt bei Bernd Heller: 08061/9073-101

Auch den zukünftigen Einsatz der Sicherheitswacht wird die Polizeiinspektion eigenverantwortlich regeln. Dienstplangestaltung, Einsatzzeiten und Einsatzörtlichkeiten legt die Dienststelle nach Einsatzbedürfnissen in enger Abstimmung mit den Ehrenamtlichen fest.

 

 

 

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