Bad Aibling: Der richtige Dreiklang

Petra Keitz-Dimpflmeier von der SPD möchte am 15. März Bürgermeisterin werden - ein Portrait

image_pdfimage_print

Bad Aibling – Eines kann man Petra Keitz-Dimpflmeier nicht unterstellen: Dass sie nicht weiß, was das Amt einer Bürgermeisterin für das Privatleben bedeutet und welche Abstriche man da machen muß. Schließlich hat die 50-jährige Aiblingerin als Tochter von Altbürgermeister Dr. Werner Keitz einst aus nächster Nähe miterlebt, wie sich das Leben als Verwaltungschef verändern kann. Trotzdem will die SPD-Stadträtin bei der anstehenden Wahl am 15. März kandidieren, denn sie hat einfach Lust darauf, die Geschicke der Stadt noch entscheidender mitbestimmen zu können.

Ganz oben auf ihrer Agenda stehen dann, sollte sie am 15. März 2020 als Siegerin feststehen, vor allem familienpolitische Themen. Als Referentin für Schule und Kindertagesstätten sagt sie: „Wir tun momentan in der Kinderbetreuung zwar nicht gerade wenig. Dennoch müssen wir die Möglichkeiten für die Mittagsbetreuung noch erweitern, da in absehbarer Zeit weitere Wohngebiete wie Ellmosener Wies oder Harthausen Ost dazu kommen und momentan auch Kinder auf der Warteliste der Mittagsbetreuung stehen.”

Da würden mit Sicherheit vor allem weitere junge Familien leben, und für deren Kinder müsse einfach Platz geschaffen werden. Sie sieht bei der Luitpoldschule, in die sie selbst als Grundschülerin gegangen ist, noch Nachholbedarf. „Da ist die Raumknappheit schon länger bekannt, deshalb braucht’s hier noch weitere Räumlichkeiten.”

Ebenfalls ein Ziel von ihr ist die Schaffung weiterer Hortplätze, vor allem weil 2020 voraussichtlich ein Anspruch der Eltern gegenüber der Kommune auf Bereitstellung von Hortplätzen kommen wird.

„Wenn wir es selbst nicht machen, wer sonst …”

Im Falle des vieldiskutierten Neubaus der St.-Georg-Schule ist Petra Keitz-Dimpflmeier auf Linie des Stadtrat-Beschlusses. Trotz der immensen Kosten ist sie dafür. Denn: „Wenn wir es selbst nicht machen, wer sonst …”, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich ist sie der Meinung, dass die moderne Pädagogik mit viel Gruppenarbeit, Einzelförderung, schulischer Sozialarbeit und zunehmender Ganztagsbetreuung eine derart erweiterte und moderne Schule erfordert, die im Gegensatz zum jetzigen Gebäude auch barrierefrei sein wird.

Der Bedarf liegt auch darin begründet, dass Bad Aibling in ihren Augen eine echte Boomtown ist. Ihr Plädoyer für die Stadt: „Hier gibt es gute Verkehrsanbindung zu Zug und Autobahn, als Mittelzentrum haben wir eine gute Versorgung mit Ärzten, Fachärzten, Sanitätshäusern und Therapeuten. Bad Aibling ist Standort einer Kreisklinik und einer Fachklinik sowie Reha-Einrichtungen, wir haben zwei Freibäder, eine Therme und eine Eislaufhalle.”

Die weiteren Vorzüge: Bad Aibling ist ein Schulstandort mit fünf Schularten, einer überdurchschnittlich guten Versorgung mit Kindertagesstätten und mit einer boomenden Bautätigkeit. „Trotzdem”, so sagt sie, „hat die Stadt ein liebenswertes Ortszentrum mit ansprechender Gastronomie und einen reich gefüllten Veranstaltungskalender.”

„Interessant, was man bewegen und auf den Weg bringen kann”

Der Impuls, als Bürgermeisterkandidatin der SPD in den Ring zu steigen, kam auch von außen. Sowohl aus den Reihen der eigenen Partei als auch von parteipolitisch ungebundenen Mitbürgern wurde sie in den vergangenen Monaten immer wieder auf eine mögliche Kandidatur angesprochen. Und sie verheimlicht nicht, was sie an dem Amt reizt: „Es ist deshalb interessant, weil man sieht, was man bewegen und auf den Weg bringen kann.”

Als Stadträtin weiß sie zudem, mit wieviel Material und Unterlagen man sich auseinander setzen muss, wenn man sich für Sitzungen des Stadtrats und der Ausschüsse gut auf die Themen vorbereiten will. „Das ist jede Menge, die man nebenberuflich durcharbeiten muss”, sagt sie. „Das noch gründlicher und hauptberuflich zu machen, finde ich sehr reizvoll.”

Dass die Aiblinger SPD ihre Kandidatin erst so spät gewählt hat, stieß nicht überall auf Beifall. Sie selbst sagt dazu: „Das hat in meinem Fall berufliche Gründe. Ich bin selbstständige Rechtsanwältin. Der Fairness halber kann ich als Kandidatin keine neuen Mandate mehr annehmen, sollten sich diese über den März 2020 ziehen. Würde ich zur Bürgermeisterin gewählt werden, müsste ich diese abgeben – und meine Mandanten müssten dann eine weitere Anwaltskanzlei beauftragen. Noch früher hätte ich mich daher nicht für eine Kandidatur entscheiden können.”

Die richtige Wahl für die Stadt

So ist also ihre Kandidatur auch mit finanziellen Einbußen verbunden. Sollte sie nach der Wahl nicht im Rathaus, sondern weiterhin in ihrer Kanzlei sitzen, müsste sie diese Delle überwinden. Doch die SPD-Frau denkt positiv und ist davon überzeugt, dass sie die richtige Wahl für die Stadt ist. Sie beschreibt sich selbst dabei als den „richtigen Dreiklang” aus Lebenserfahrung, beruflichem Wissen und Erfahrung in der Politik. Gerade ihre Arbeit als Rechtsanwältin sieht sie als großen Pluspunkt. „Ich muss in meinem Beruf mit den unterschiedlichsten Menschen umgehen und mich trotzdem auf jeden einstellen können – das zählt auch zu den Aufgaben einer Bürgermeisterin.“

Als solche will sie den eingangs erwähnten Familien noch mehr Unterstützung bieten. Ihr Credo: „Da Wachstum und Zuzug nicht begrenzt werden können und aufgrund der interessanten Standortfaktoren eher mit noch mehr Nachfrage zu rechnen ist, muss der dadurch bedingten Verteuerung von Grundstücken sowie Mieten durch weiteren sozialen Wohnungsbau begegnet werden.” Ihr Ansatz: Eine Ausweisung von Bauland am Stadtrand gegen Sicherung weiteren sozialen Wohnungsbaus im Rahmen des Aiblinger Modells könnte die Wohnungsnot lindern.

Auch der zunehmende Verkehr beschäftigt sie, weshalb sie bestehende Verkehrskonzepte und Planungen wieder aufnehmen will, um die Innenstadt und verkehrsgeplagte Wohngebiete zu entlasten.

Auch in Sachen Sportbad will die Mutter von zwei Töchtern die Planungen vorantreiben. Hoffnung geben ihr da mögliche Zuschüsse von staatlichen Stellen, der Freistaat Bayern könnte sich hier mit bis zu 45 Prozent Förderung einbringen. Sollte das Bad dann realisiert werden, steht dieses nicht nur Schulen, sondern auch Vereinen, Rettungsorganisationen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Überzeugungsarbeit muss geleistet werden

Im Falle ihrer Wahl würde Petra Keitz-Dimpflmeier so agieren, wie bereits im Stadtrat: „Manchmal auch ohne Parteibrille- das Wichtigste ist, dass man das Beste für den Ort heraus holt.” Dabei weiß sie parteipolitisch eines genau: „Als Bürgermeisterin oder Bürgermeister hat man erst mal nicht immer Mehrheit der Stadträte hinter sich.” Hier gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Das traut sie sich zu.

Dass sie sich im Falle ihrer Wahl im privaten Bereich noch mehr einschränken muss, als ohnehin schon, akzeptiert sie. „Schon als Stadträtin konnte ich ein Hobby von mir, das Musizieren in einer afrikanischen Trommel-Gruppe, mangels Zeit zum Üben nicht mehr weiter führen. Und auch die Zeit für Sport wird wohl noch weniger werden.” Das bedauert sie, denn sie ist als Läuferin schon sechs Mal beim Bäderlauf dabei gewesen. Dabei wird es wohl vorerst bleiben, Petra Keitz-Dimpflmeier nimmt stattdessen immer wieder mal an Sport-Kursen wie Trampolinspringen oder Zumba teil, wenn es ihre Zeit erlaubt.

Diese ist auch durch weitere Tätigkeiten ab 2014, wie die Mitwirkung im Vorstand der VHS Bad Aibling, Vorstand der Kolpingfamilie Bad Aibling sowie Stiftungsbeirat der Bürgerstiftung Mangfalltal weniger geworden – allerdings handelt es sich dabei um durchweg wichtige Institutionen, die es verdienen, dass jemand Zeit und Engagement mitbringt, deshalb mache sie es gerne.

Wenn es nach ihr geht, wird das auch in den kommenden 15 Jahren so bleiben. Denn sie nennt noch einen weiteren Grund, wieso sie gewählt werden sollte: „Ich kann in meinem Alter noch drei Amtsperioden absolvieren.” Das zeugt von Kontinuität, und übrigens – so lange war ihr Vater auch der Chef im Aiblinger Rathaus …

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren