Bad Aibling: Das letzte halbe Jahr genießen

Bad Aibling – 18 Jahre. So lange war in der Kurstadt noch kein Bürgermeister im Amt. Doch im kommenden März endet die Amtszeit von Felix Schwaller, und so nutzte er die Bürgerversammlung 2019 am Mittwochabend im Kurhaus, um diese Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen.„Ich habe noch ein halbes Jahr”, sagte er am Ende seines Vortrags. „Und das werde ich genießen …”

Wo anfangen und wo aufhören? Was war wichtig und was war eher zum Vernachlässigen? Wen erwähnen und zu wem schweigen? Fragen, die den Rathauschef vor seiner Rede wohl umgetrieben haben. Für die rund 150 Besucher im Kurhaus war jedoch schnell klar – fast jedes Thema in Schwallers Bürgermeisterzeit wurde angesprochen. Und so arbeitete er sich durch 136 Powerpoint-Folien, denen er allerdings vorausschickte: „Ich kann Sie beruhigen, Sie werden fast nur Bilder sehen.”

Und so stieg Felix Schwaller erst einmal chronologisch ein und erinnerte an eine seiner ersten Prüfungen im Amt: Der Bürgerentscheid 2002 zur Bebauung im Weitmoos. Damals wollte die Firma Kathrein dort bauen und von den Bürgern hätte es tatsächlich grünes Licht gegeben. Trotzdem waren Anton Kathrein damals einige Vertragspunkte nicht genehm und er zog das Bauvorhaben zurück. „Heute bin ich froh, dass es immer noch nicht bebaut ist”, sagte Schwaller über die Grünfläche mit angrenzendem Wald vor den Toren der Stadt. „Und das soll auch so bleiben.”

B&O-Gelände und Therme

Er erinnerte dann vor allem an Baumaßnahmen und Grundstückskäufe, die in den vergangenen Jahren unter seiner Führung stattgefunden haben. Darunter so einschneidende Ereignisse wie die Bebauung des B&O-Geländes nach dem Abzug der US-Truppen im Jahr 2004. Viel Lob gab es von ihm über die Gestaltung des Geländes, auf dem Projekte wie das Parkhotel, das Diakonie Bildungshaus, das Deutsche Fußball Internat oder die Raphaelschule Strahlkraft bis weit über die Stadtgrenzen hinaus haben.

Ebenfalls wichtig für die Stadt war natürlich die Eröffnung der Therme 2007. Dazu erwähnte er: „Die Prognosen haben sich mehr als erfüllt. Im Schnitt kommen 300.000 Besucher im Jahr, dadurch werden die Therme finanziert – das belastet also nicht die Steuerzahler.”

Um den zeitlichen Rahmen nicht komplett zu sprengen, galoppierte der Bürgermeister durch die weiteren vielen städtebaulichen Veränderungen in den vergangenen Jahren wie die Tiefgarage Kellerberg, das Kinderhaus Camino, den Ludwigskreisel, den Gewerbepark Markfeld, die Tiefgarage Rosenheimer Straße, die Mangfallbrücke, die Desideriusbrücke, die Sanierung der Hofbergschule, die Errichtung der Flüchtlingscontainer, den Haltepunkt Kurpark … Die Liste erscheint endlos.

Ganz markant und prägend für das Stadtbild war freilich der Bau des neuen Rathauses, das Schwaller als „Bürgerhaus” bezeichnete: Barrierefrei zugänglich im Herzen der Stadt, mit Geschäften und Gastronomie im Erdgeschoss und der Stadtbibliothek, die täglich im Schnitt 500 Besucher zählt. Schwaller erinnerte an die Eröffnung und den Tag der offenen Tür im Jahr 2012: „Ich habe mir vorgenommen, jedem Besucher persönlich die Hand zu geben. Das habe ich nicht geschafft. Wir hatten Begrüßungsgeschenke für 1500 Gäste vorbereitet, die waren noch vor Mittag weg – es kamen über 7000 Leute.”

Auch die Erweiterung des Hotels Lindners ließ er nicht unerwähnt. Denn: „Es ist das erste Haus am Platz, ein echtes Aushängeschild – ich kann mir die Stadt ohne das Lindners nicht vorstellen.”

Das einst groß diskutierte Thema „Verkehr in Bad Aibling” mit der Umstrukturierung der Verkehrsführung durch die Innenstadt streifte er allerdings nur am Rande, vielmehr verwies er darauf, dass die Planungen über die möglichen Trassen einer Nordumfahrung seinerzeit gemacht wurden – jetzt läge es daran, dass Kreis und Staat hier wieder tätig werden.

Schwarzer Tag für die Stadt

Bad Aibling ist seit dem 9. Februar 2016 nicht mehr zu trennen mit einem der schlimmsten Ereignisse der Stadtgeschichte: Das Zugunglück, bei dem es 89 Verletzte und 12 Tote gab. Schwaller dazu: „Man meint immer, dass so etwas nur woanders passiert – und dann geschieht es doch in der eigenen Stadt.” Trotz allem Leid der Katastrophe verwies er auch auf die perfekte Organisation aller Rettungskräfte untereinander, die am Unglücksort im Einsatz waren und was auch bundesweit für höchste Anerkennung sorgte.

Keine Hoffnung machen wollte er den Menschen, die nach der Schließung der Geburtenstation der RoMed-Klinik noch immer der Meinung sind, dass diese irgendwann wieder eröffnet werden kann. „Die Lebenssituationen haben sich verändert. Auch die der Ärzte”, merkte er an. „Niemand will mehr auf Dauer den doppelten Stress einer eigenen Praxis und der Geburtenstation haben. Am Ende hatten wir noch zwei Gynäkologen in der Klinik, davon war einer schon 67 Jahre alt. Es gibt hier kein Zurück mehr.” Vielmehr seien für ihn andere Lösungen wie ein Geburtshaus denkbar.

Der Geschichtsexpress durch Aiblings Historie unter dem Bürgermeister Felix Schwaller rauschte auch an den Stationen der jüngeren Vergangenheit vorbei, wie an der Bahnunterführung und der Gestaltung des Maximiliansplatzes, dem Neubau der Schön-Klinik, dem Park&Ride-Parkplatz an der Lindenstraße, dem abgeschlossenen Hochwasserschutz an der Mangfall, dem neuen Dienstleistungszentrum der VR-Bank, dem Mehrgenerationenpark – um nur einige zu nennen.

Projekte der Zukunft

Und obwohl es nur noch knapp sechs Monate sind, die Schwaller im Rathaussessel sitzt, geht sein Blick auch nach vorne auf die anstehenden Projekte, die dann sein/e Nachfolger/in weiter begleiten wird: der Neubau der Sankt-Georg-Schule, das neue Feuerwehrgebäude, die Bebauung des Ludwigsbadgeländes, das Lichtspielhaus, der Kellerberg, die Baugebiete Ellmosener Wies und Harthausen Ost – für Baufirmen wird Bad Aibling auch in den kommenden Jahren eine Goldgrube sein.

Selbstverständlich erwähnte Felix Schwaller auch die Veranstaltungen und Projekte, die die Stadt regelmäßig zu einem Magnet für Gäste macht, allen voran Festivals wie Saitensprünge, die Nonfiktionale oder das Echelon. Wichtig auch für den Ruf Bad Aiblings sind die Titelerneuerung als Fairtrade-Stadt oder die tief gehende Städtepartnerschaft mit Cavaion in Italien.

Am Ende dankte er noch allen Einrichtungen, den Bürgern, den Vereinen, der Feuerwehr, dem BRK, den Kirchen und der Polizei. Und obwohl sich das für die meisten Gäste alles sehr komplett anhörte, so gab es mit Sicherheit den einen oder anderen Punkt, der nicht angesprochen wurde. Aber wer sollte es verdenken bei so vielen Amtsjahren? Aiblings Bürger sahen das wohl genauso und bedachten diesen Gewaltritt durch 18 Jahre Stadtgeschichte mit langem Applaus.

Ehrung für stramme Wadln

Da hatte es Stadträtin und Umweltreferentin Katharina Dietl im Anschluss um einiges leichter, was den Umfang ihrer Vorstellung anbetraf: Sie durfte die erfolgreichsten Teilnehmer des diesjährigen Stadtradelns ehren. Sowohl für Einzelpersonen als auch für Teams gab es Urkunden und Präsente. Sowohl das Team mit den meisten geradelten Durchschnittskilometern als auch die Mannschaft mit den meisten Gesamtkilometern erhielten zudem noch jeweils einen Scheck in Höhe von 250 Euro von der Sparkasse sowie von der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee. Und so durften sich sowohl die Leute vom Team Osterloher (563 Kilometer im Schnitt) und das Team Klinik Wendelstein (9425 Gesamtkilometer) über Geld für die nächsten – bei Radlern so beliebten – Nudelpartys freuen.

Zwei Fragen noch …

Am Ende des Abends gab es dann wie immer noch die Möglichkeit für Fragen der Bürger. Da gab es heuer genau zwei. Die eine beschäftigte sich mit der oft chaotischen Parksituation in der Kolbermoorer Straße, was Schwaller an die zuständigen Stellen so weitergeben will. Und die andere Frage drehte sich um das Lichtspielhaus. Alexander Wolff von der ÜWG wollte wissen, warum es nach dem Bürgerentscheid noch keine klare Aussage zur Höhenregulierung des Gebäudes gäbe. Felix Schwaller dazu: „Bitte hier keinen neuen Streit anzetteln. Ein Kompromiss ist auf dem Weg, und der ist vernünftig. Doch aufgrund Sperrfristen kann er erst ab dem 2. Dezember den Gremien vorgestellt werden.” Das liegt immerhin noch in seiner Amtszeit.

 

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