Irschenberg/Ukraine: Krieg lässt den Osten ausbluten

Dialogreise von Caritas international - Vorständin Gabriele Stark-Angermeier ruft zur Unterstützung der Binnenvertriebenen in der Ukraine auf

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Irschenberg/Ukraine –   „Wir dürfen die Kriegsvertriebenen in der Ukraine nicht im Stich lassen“, fordert die Vorständin des Diözesan-Caritasverbands München-Freising Gabriele Stark-Angermeier nach einer mehrtägigen Reise durch das osteuropäische Land und will mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir streben eine engere Kooperation und Hospitationen zwischen der deutschen und der ukrainischen Caritas an, um Binnenflüchtlinge zu unterstützen.“

Foto (v.l.): Andrij Waskowycz (Präsident Caritas Ukraine), Hannes Klapos, (Verwaltungsleiter Caritas Kinderdorf Irschenberg), Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier, Pia Tscherch (Kreisgeschäftsführerin Caritas Pfaffenhofen)

Auch der Präsident der Caritas Ukraine, Andrij Waskowycz, betonte, die Ukraine brauche weiterhin moralische und materielle Unterstützung sowie Hilfe im Bereich des Know-how-Transfers. Zu der achtköpfigen Delegation im Rahmen der Dialogreise von Caritas international in die Ukraine gehörten neben Stark-Angermeier unter anderen auch Pia Tscherch, Kreisgeschäftsführerin der Caritas Pfaffenhofen, sowie der Verwaltungsleiter des Caritas-Kinderdorfs Irschenberg Hannes Klapos.

Stationen der sechstägigen Reise waren Projektbesuche sowie Gespräche in der Hauptstadt Kiew, in Dnipro sowie in Odessa. Unter anderem kam es zu einem Treffen mit dem dortigen Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Stefan Keil, der berichtete, dass bisher rund 10.000 Menschen durch den Krieg gestorben seien. Der Osten des Landes blute aus. So wohnten im einstmals 5.000 Einwohner zählenden Ort Zhovanka nur noch 60 meist betagte Einwohner.

 

Während der Reise kam es zu zahlreichen Begegnungen mit Binnenvertriebenen. 1,7 Millionen Ukrainer sind mittlerweile aus dem Kriegsgebiet im Osten des Landes in westliche oder südliche Landesteile geflohen und sind Flüchtlinge im eigenen Land. Caritas-Kreisgeschäftsführerin Pia Tscherch zeigte sich beeindruckt von der Herzlichkeit und dem Engagement der Caritas-Mitarbeitenden für die Binnenvertriebenen und deren Kinder. „Mit wenig Mitteln, kreativen Methoden, wie Tanz- und Musikpädagogik, und hochmotivierten Mitarbeitenden kann so viel erreicht werden.“  Hannes Klapos vom Kinderdorf Irschenberg plant eine Ferienmaßnahme im Kinderdorf Irschenberg für ukrainische Kinder.

 

Ziel der jährlich zu unterschiedlichen Zielen führenden Fahrten ist es, einen Austausch von Caritas-Führungskräften mit Mitarbeitenden des jeweiligen Landes zu ermöglichen. Die Caritas-Delegation appellierte an die politisch Verantwortlichen von Kommunen und ukrainischem Staat, arme, kranke und behinderte Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die nächsten Jahre werde nach wie vor Hilfe aus dem Westen nötig sein, sagte der Europareferent von Caritas international, Gernot Krauß. Ansatz von Caritas international sei es, modellhaft zu zeigen, was an sozialer Verbesserung möglich sei, so Krauß.

Deutlich kritisierte der Caritas-Präsident der Ukraine Waskowycz die gängige Praxis, dass ungelernte Frauen als Pflegekräfte beispielsweise nach Deutschland gingen. Einerseits hätten die Pflegebedürftigen in der Bundesrepublik einen Anspruch auf qualitativ hohe Pflege. Anderersiets bräuchten die migrierenden Frauen selbst eine Ausbildung und damit Rechtssicherheit. Weiterhin müsse für die zurückbleibenden Familien gesorgt werden. In der Praxis hingegen würden Ehen häufig scheitern, Großeltern wären mit der Erziehung der Enkelkinder überfordert. Emotional verwahrloste Buben und Mädchen betrachteten ihre Mütter nur noch als „Bankautomaten“, schilderte der deutsch sprechende Präsident der Caritas Ukraine.

Rund 1.000 Mitarbeiter arbeiten landesweit für die Caritas in der Ukraine, so Präsident Waskowycz. 32 von Ihnen arbeiten aktuell in vier ‚mobilen Teams‘ in der Pufferzone im umkämpften Osten des Landes. Seit 2014 wurden durch die Caritas Ukraine sowie Caritas international rund 165.000 Betroffenen geholfen. (dk/beb)

 

 

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