Bad Aibling: Die Stadt ergrünt

Klimaschutzmanager soll 2020 kommen - CSU überrascht im Stadtrat mit dunkelgrünem Anstrich

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Bad Aibling – Ganz langsam gingen sie herunter, eine nach der anderen – die Kinnladen der Stadtratsmitglieder in Bad Aibling. Denn es sprach: Johann Schweiger, Stadtrat der CSU und bis dahin nicht gerade dafür bekannt, ein Umweltaktivist an vorderster Front zu sein. Doch am Donnerstagabend war dies anders. Auf der Tagesordnung wurde gerade Punkt 4 behandelt: „Beschluss über Antrag der ÜWG-Fraktion vom 26.09.2019: Stadt Bad Aibling nimmt Klimaschutz und Nachhaltigkeit als Kommune ernst.” Klingt im verklausulierten Amtsdeutsch bedeutungslos, bedeutet aber übersetzt, dass die Stadt im nächsten Jahr einen Klimabeauftragten einstellen will. Und das in Vollzeit.

Johann Schweiger (Foto) kommentierte diesen Punkt nicht, wie man einen Tagesordnungspunkt eben normalerweise kommentiert, sondern er referierte und er zeigte auf. Wie sich der Klimawandel aus seiner Sicht in ganz Deutschland und in der Region darstellt. „Ich dachte bisher immer – Klimawandel betrifft uns nicht so sehr, wir leben in einer heilen Welt”, sagte er eingangs. Um dann hinzuzufügen: „Es ist aber nicht fünf vor Zwölf, sondern schon zehn nach Zwölf.” Der Landwirt aus Berbling erklärte, wie sich aus seiner Sicht das Klima in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert hat, wie in Franken ganz Wälder sterben, welche Funktion Pflanzen haben, dass die Städte und Gemeinden im Mangfalltal wahre Glutöfen sind, die Hitze speichern und dass sich im Städtebau viel verändern muss, um den Temperaturanstieg einigermaßen zu bremsen. „Wir müssen unsere Städte umbauen, damit wir hier auch in Zukunft noch leben können”, sagte er.

Schweiger redete nicht, er hielt ein Plädoyer für Klimaschutz, wie es grüner nicht aus einem Mund der Grünen hätte kommen können. Sein Wunsch: Der benötigte Klimaschutzmanager muss ein absoluter Experte sein. „Diese Person muss uns Dinge aufzeigen und auf Möglichkeiten aufmerksam machen, von denen wir jetzt vielleicht noch gar nicht wissen, dass es sie gibt.” Zuvor, so sagte Schweiger, müsse aber eine Diskussion mit und in der Bevölkerung angeregt werden, denn es muss in Bad Aibling noch mehr Bewusstsein für Klimaschutz geschaffen werden. Ein Klimamanager dürfe nicht alleine gelassen werden, auch nicht vom Stadtrat. Deshalb forderte er auch, den Stadtentwicklungsausschuss umzubenennen in „Ausschuss für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Gesamtverkehrsentwicklung.”

Für sein Umwelt-Plädoyer bekam Johann Schweiger dann etwas, das nicht oft vorkommt in einer Sachdiskussion – es gab Beifall aus fast allen Fraktionen. Martina Thalmayr, Bürgermeisterkandidatin der Grünen sagte dazu: „Hier wurden soeben Dinge gesagt, die wir uns manchmal in dieser Runde fast nicht trauen zu sagen, da wir dafür ohnehin wieder Gegenwind bekommen. Aber klar ist: Wir brauchen den Klimaschutzmanager dringend.”

Irmengard Ranner-Sobihard von der ÜWG, die diesen Antrag gestellt hatten, fand Schweigers Umwelt-Engagement ebenfalls lobenswert, sagte aber auch: „Die Zeit, zuerst noch eine Diskussion in der Bevölkerung anzustoßen, haben wir nicht mehr. Wir brauchen einen Klimaschutzmanager so schnell wie möglich.”

Am Ende gab es fast ein einstimmiges Votum. Erstens dafür, dass im kommenden Jahr diese Vollzeitstelle in der Stadt geschaffen wird, zweitens dafür, dass der Ausschuss umbenannt wird und ganz bewusst „Klimaschutz” an erster Stelle steht.

Einzig Florian Weber von der Bayernpartei sprach sich gegen den Klimaschutzmanager in dieser Form aus. Seine Begründung: „Ich bin wahrlich kein Themenleugner und finde, dass man beim Klimaschutz wirklich etwas tun muss. Allerdings kommen da weitere Kosten auf uns zu, angesichts der Schulden geht es für mich nicht, den Stellenschlüssel weiter nach oben zu schrauben.”

Nach diese Abstimmung war es allerdings noch nicht genug mit der ergrünten CSU an diesem Abend. Markus Stigloher, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, brachte am Ende des öffentlichen Sitzungsteil noch einen Antrag ein. Durch eine Hydrozyklonanlage in der Kläranlage soll Mikroplastik aus dem Abwasser entfernt werden. Damit soll eine fortlaufende Verschmutzung der Umwelt durch Mikroplastik verhindert und die bei der Herstellung zugegebenen Stoffe darin eliminiert werden. Sein Antrag: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, zu prüfen, ob im Zuge der geplanten Ertüchtigung des städtischen Klärwerks eine Erweiterung durch die Installation einer Hydrozyklonanlage zur Entfernung von Mikroplastik im Abwasser möglich ist. Das Ergebnis ist dem Stadtrat ggf. mit einem Umsetzungsvorschlag samt einer Kostenschätzung mitzuteilen.”

 

 

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