Bad Aibling: Wenn die Kandidatin zweimal klingelt …

Martina Thalmayr, Bürgermeisterkandidatin der Grünen, ist auf Klingeltour - zu sagen hat sie einiges

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Bad Aibling – Jetzt ist die staade Zeit vorbei, die Christbäume sind aus dem Wohnzimmer entfernt, der Weihnachtsschmuck ist verräumt – Zeit, sich um die anstehende Kommunalwahl zu kümmern. Und so machte sich Martina Thalmayr mit ihren KollegInnen von den Grünen in der vergangenen Woche erstmals auf, um an Aiblinger Haustüren zu klingeln und um sich und ihr Wahlprogramm vorzustellen. Dabei setzt die Bürgermeisterkandidatin schon vor der Wahl einen Punkt um, der ihr besonders wichtig ist: mehr Bürgernähe.

Im Falle ihrer Wahl, so verspricht sie, würde mehr Transparenz ins Rathaus einziehen. „Ich möchte dann, dass die Inhalte und Beschlüsse der Stadtratssitzungen und Ausschüsse für alle Bürger einsehbar sind. Nur so können sie Entscheidungen nachvollziehen”, sagt sie. „Oft dringt nur der Entschluss nach außen, nicht wie es dazu gekommen ist. Doch wer wie und vor allem warum gestimmt hat, ist für viele Leute nicht nachvollziehbar.” Deshalb will Martina Thalmayr auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit setzen.

Den weniger gewordenen Bürgersprechstunden will sie in ihrem Konzept wieder mehr Raum geben. Ihre Idee: „Das kann man zum Beispiel im kleinen Sitzungssaal im Rathaus machen und so mehreren Bürgern gleichzeitig die Möglichkeit geben, zu Themen Stellung zu beziehen, die ihnen wichtig sind.”

Auch die Vereine sollen wieder mehr mit einbezogen werden. „Für die wird zwar schon viel in finanzieller Hinsicht gemacht. Aber da braucht es einen noch engeren Schulterschluss. Aktionen und Veranstaltungen müssen auch auf der Internetseite der Stadt Niederschlag finden und kommuniziert werden.” Dass dies sehr stiefmütterlich behandelt wird, wurmt sie. Denn: „Bad Aibling ist wirklich eine kulturelle Hochburg. Doch ich frage mich: Wissen das auch alle Leute?” Getreu ihrem Wahlkampfmotto „Offen, ehrlich und mit Herz” will sie die Bürger wieder mit ins Boot holen.

Ein ganz wichtiger Punkt ist für sie dabei das Thema Verkehr in der und um die Stadt. Für sie ist das schon seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit, erklärt sie mit einem Blick weit zurück: „Ich bin mit 13 Jahren erstmals auf die Straße gegangen um für eine Umgehungsstraße zu demonstrieren. Denn kaum war die Autobahn dicht, hat sich der Verkehr durch Bad Aibling gestaut.”

Was ihr Sorge hinsichtlich der Lebensqualität und Sicherheit in der Stadt macht, ist, dass der Verkehr im Innenraum wieder zugenommen hat. Hier schweben ihr langfristige Lösungen vor, indem Anreize für die Bewohner geschaffen werden, das Auto stehen zu lassen. „Dazu muss aber Bad Aibling generell fahrradfreundlicher gestaltet werden, in der Stadt sollen generell Tempo 30 gelten, Radler müssen Vorfahrt bekommen, das Radwegnetz sowie der innerstädtische Personennahverkehr müssen ausgebaut werden. Ich möchte, dass man sich in der Stadt ohne eigenen Pkw fortbewegen kann.”

Ein weiterer Gedanke in die Zukunft ist, dass der Lkw-Durchgansgverkehr in der Kirchzeile gestoppt wird. „Wenn die Westtangente fertig ist, besteht kein Anlass mehr, durch die Innenstadt mit dem Lkw zu fahren. Das darf dann nur noch dem echten Anlieferverkehr gestattet sein.”

Den nach außen so oft und hoch gelobten „Shared Space” am Marienplatz sieht sie kritisch. „Der funktioniert nicht wirklich. Ich verstehe schon, dass das Konzept nicht mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt wurde, doch die Umsetzung passt nicht. Die Poller auf dem Marienplatz sind eine klare Abgrenzung und stören so die ursprüngliche Idee. Hier sind Fußgängerbereich und Straße zu sehr getrennt, viele Passanten trauen sich so kaum, über die Straße zu gehen.”

Dass sie dadurch nicht nur Beifall bekommen wird, ist ihr klar. „Aber ich bin nicht dazu da, um es allen Recht zu machen”, sagt sie. Stattdessen denkt sie lieber noch ein Stück weiter in die Zukunft. Und die besteht für sie nicht nur aus einem Shared Space („Das macht zum Beispiel Kufstein mit seinem Konzept der Begegnungszone richtig gut”), sondern auch aus „Shared Cars”. Eine Vorstellung von Martina Thalmayr ist dass es irgendwann auch eine App für Bad Aibling gibt, über die jeder sehen kann, wo ein verfügbares Auto steht. „Da kann man dann hingehen, einsteigen, losfahren, am Zielort aussteigen und stehen lassen. So braucht niemand mehr zwingend ein eigenes Auto. Das steht sowieso im Schnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt herum.”

Deshalb, so ist ihre Meinung, sei auch die Parkraumdiskussion schwierig. „Wir müssen weiter vorausschauen und nicht nur fünf Jahre im Voraus planen. Denn braucht es unbedingt jetzt weitere Parkplätze, wenn wir den Raum in zwei, drei Jahren vielleicht gar nicht mehr brauchen? Wir müssen nämlich bei all unseren Entscheidungen daran denken, wie unsere Kinder und Enkel einmal leben werden.”

Das ist für Martina Thalmayr als Mutter und auch als Großmutter das Wichtigste. Und das wird sie bis zum Wahltermin am 15. März noch vielen Aiblingern direkt sagen. Denn die nächste Klingeltour steht schon in ihrem Terminkalender.

 

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