Bad Aibling: Das Wunder im Leid

Gut besuchte Autorenlesung „Geboren im KZ" in der Stadtbücherei mit Eva Gruberová und Helmut Zeller

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Bad Aibling – Man mag es kaum glauben: Inmitten unvorstellbaren Leids stießen die Amerikaner 1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau auf ein echtes Wunder. Im KZ gab es sieben Frauen, die ihre Babys im Arm hielten. Obwohl die SS von ihrer Schwangerschaft wusste, wurden diese Frauen nicht umgebracht – sie wurden erst ins Dachauer Außenlager Kaufering 1 und später wieder nach Dachau transportiert. Die Geschichte von zwei dieser jüdischen Mütter beschreiben Eva Gruberová und Helmut Zeller in ihrem Buch „Geboren im KZ”. Am Dienstagabend stellten sie bei einer Lesung im Rahmen der Max-Mannheimer-Kulturtage in der Stadtbücherei Auszüge daraus vor.

Vier Jahre der Recherche, mehrere Reisen nach Israel und Kanda, viele Gespräche, langsame Annäherung und echte Freundschaften, die daraus entstanden sind – das sind die Hintergründe zum bewegenden Buch „Geboren im KZ” von Eva Gruberová und Helmut Zeller. Das Autorenpaar, sie freie Journalistin, er Redakteur bei der SZ, durchlebte bei der Arbeit an ihrem gemeinsamen Buch eine Achterbahn der Gefühle. Denn die beiden beschreiben nicht nur die Geschichten der beiden Frauen Miriam Rosenthal und Eva Fleischmannová, sie wurden auch Freunde der Familien.

Eva Gruberová und Helmut Zeller lesen nicht nur die Passagen ihres Buches, sie erzählen den Zuhörern auch Interessantes über seine Entstehung. So berichtet Gruberová, wie sie auf der Suche nach KZ-Überlebenden von einer Frau gehört hat, die in Dachau ihr Kind zur Welt gebracht hat. Sie recherchierte und wurde fündig: Eva Fleischmannová hieß die Mutter. Mit deren Tochter Hana Klein vereinbarte sie einen Interviewtermin. „Die Mutter wollte nicht dabei sein. Sie hatte schon andere Interviewanfragen aus Europa und den USA abgelehnt”, erzählt die Autorin, die seit 14 Jahren als Referentin in der KZ-Gedenkstätte Dachau arbeitet. „Als ich mich dann in Israel bei Hana Klein war, saß ihre Mutter plötzlich auch da und erzählte ihre Geschichte.”

Auch Helmut Zeller hatte bei seiner Recherche Erfolg. Er erinnert sich: „Ich habe Miriam Rosenthal in Kanada ausgemacht und mit ihr am Telefon etwa 40 Minuten in sehr überschaubarem Englisch gesprochen, bis sie auf deutsch zu mir sagte, dass wir uns treffen sollten.” Das Autorenpaar besuchte beide Familien öfter, und aus dem gegenseitigen Vertrauen wuchs eine Freundschaft, die auch heute noch mit den im KZ geborenen Kindern besteht.

Bei ihrer Lesung in der Stadtbücherei sind es vor allem diese persönlichen Geschichten, die die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Bewegend auch Gruberovás Erinnerung an Max Mannheimer, der das Buch-Manuskript zuerst zum Lesen bekam. „Ich fragte ihn am Telefon, ob er erkältet sei oder ob es ihm nicht gut gehe. Doch er antwortete, dass ihn die Schilderung so sehr bewegt hätte und Erinnerungen in ihm wach werden ließ, dass er deshalb sehr lange geweint hätte.”

Max Mannheimer wollte es sich nach Erscheinen des Buchs im Jahr 2011 nicht nehmen lassen, bei den Lesungen dabei zu sein und dabei die einführenden Worte zu sprechen. Vor allem Helmut Zeller lockerte den Lesungs-Abend immer wieder mit Anekdoten Mannheimers auf, denn das Autorenpaar hatte eine tief gehende freundschaftliche Beziehung zu dem Künstler, Schriftsteller und Mahner. Helmut Zeller beschließt den Abend mit einem Wunsch Max Mannheimers, den dieser einst in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag sinngemäß so formulierte: „Ich wünsche mir für meinen 100. Geburtstag, dass in keinem Parlament rechtsextreme Parteien sitzen, dass die NPD verboten wird und dass es in Deutschland und anderswo keinen Platz für Antisemitismus und Rassenhass gibt …” Max Mannheimer wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Es gibt offensichtlich noch viel zu tun.

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