Bad Aibling: Die Kandidaten-Kür

Wer wird im März Landrat? Friedliche Diskussionsrunde im Kurhaus mit den Kandidatinnen und Kandidaten

Das Wirtschaftsforum Mangfalltal hatte ins Kurhaus geladen – und alle Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Landrats kamen. Neun Bewerberinnen und Bewerber nahmen auf dem Podium Platz, um zu Themen wie ÖPNV, Digitalisierung, Tourismus, Brenner-Nordzulauf oder medizinische Versorgung Stellung zu nehmen. Moderiert wurde der Abend von RFO-Moderator Norbert Haimerl.

Neun Kommunalpolitiker, die sich für das höchste politische Amt im Landkreis zur Wahl stellen und den Wählern präsentieren, dazu eine Aufzeichnung fürs Lokalfernsehen und brisante Themen, es war alles angerichtet für einen spannenden Politikabend und ein volles Kurhaus. Tatsächlich gab es am Donnerstagabend noch viele leere Plätze im Saal, in dem sich vor allem Unternehmer aus dem Landkreis und Parteifreunde der Diskussionsteilnehmer Platz nahmen. Sepp Hofer von den Freien Wählern nahm das bei seiner Vorstellung mit Humor und sagte: „Wäre mein Name nicht in der Zeitungsankündigung vergessen worden, wär’s vielleicht voll geworden …”

Bevor die Diskussionsrunde allerdings startete, sprachen Roland Bräger (stehend l.), Vorsitzender im Wirtschaftsforum Mangfalltal, und Christine Knoll (stehend, r.), Vorsitzende des BDS Mangfalltal, die einführenden Worte. Dabei wurde zuallererst des kürzlich verstorbenen Firmenchefs Josef Eder gedacht, danach kündigte Bräger Vielversprechendes an: Das Wirtschaftsforum und der BDS Mangfalltal planen eine Wohnungsgenossenschaft für Unternehmer, um als Non-Profit-Organisation bezahlbaren Wohnraum in der Region anbieten zu können.

Anschließend ging’s angesichts des straffen Themenplans über zur Kandidatenvorstellung. Auf dem Podium saßen Otto Lederer (CSU), Ulla Zeitlmann (Grüne), Sepp Hofer (Freie Wähler), Rainer Auer (ÜWG), Alexandra Burgmaier (SPD), Walter Pakulat (FDP), Josef Fortner (ÖDP), Michaela Eglseer (AfD) und Florian Weber (Bayernpartei). Ein Mammutaufgabe für Norbert Haimerl, der es schaffen musste, die Themen in 90 Minuten durchzuarbeiten und die Antworten der Diskussionsteilnehmer nicht ausufern zu lassen. Hier zeigte er sich in einigen Momenten etwas zu strikt, oft schnitt er den Gesprächspartnern schroff das Wort ab. Eine Diskussion unter den Anwesenden selbst konnte so kaum stattfinden.

Die Kandidaten brachten zu den einzelnen Themen allerdings auch wenig Überraschendes. So war es zu erwarten, dass alle gegen eine neue Trasse beim Brenner Nordzulauf waren, wobei Otto Lederer als CSU-Mann hier die schlechtesten Karten hatte. „Ob eine neue Trasse kommt, wird woanders entschieden”, gab er zu bedenken. Er meinte dabei die Bahn, doch dass dabei auch sein Parteifreund Verkehrsminister Andreas Scheuer keine klare Position bezieht, musste er sich nicht nur von der Grünen Ulla Zeitlmann anhören. Sie bekannte sich zwar klar zur Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene, doch sie prangerte dabei die zunehmenden Nord-Süd-Transporte an. „Kürzlich habe ich in einem Münchener Restaurant abgelehnt, Pellegrino-Wasser zu trinken – ich brauch doch hier bei uns kein Wasser aus Italien”, sagte sie im Hinblick auf das Thema Klimaschutz, das ihr in dieser Diskussion viel zu kurz kam.

Foto: Auf dem Podium (v.l.) – Florian Weber, Rainer Auer, Alexandra Burgmaier, Sepp Hofer, Otto Lederer, Moderator Norbert Haimerl, UIla Zeitlmann, Michaela Eglseer, Walter Pakulat, Josef Fortner

Auch als Haimerl auf den ÖPNV im Landkreis zu sprechen kam, herrschte größtenteils Übereinstimmung. Credo: Es müssen mehr Busse zu günstigeren Preisen fahren. Wobei der Preis, so Alexandra Burgmaier, wohl nicht das entscheidende Kriterium sein könne. Sie erzählte, dass vor einiger Zeit in der Raublinger Gemeindezeitung, die an jeden Haushalt geht, kostenlose Bustickets zum Ausschneiden drin waren. „Gerade mal vier Fahrkarten wurden eingelöst”, sagte Burgmaier. Norbert Haimerl fragte die Anwesenden auch, ob sie denn wissen würden, was die einfache Busfahrt von Sachrang nach Aschau kosten würde. Nach kollektivem Kopfschütteln gab’s die Antwort, die wiederum bei den Zuschauern für Kopfschütteln sorgte: 4,80 Euro. Bei aller Kritik am bestehenden öffentlichen Nahverkehr wollten sich Otto Lederer, Sepp Hofer und auch Alexandra Burgmaier den ÖPNV nicht schlecht reden lassen. „Es gibt noch einiges zu tun, aber wir sind hier schon auf einem guten Weg”, sagte Lederer. Und Alexandra Burgmaier warf ein, dass der Busverkehr auch zu Unrecht oft schlecht gemacht würde. „Da hör ich, dass zwischen Sachrang und Aschau nur einmal am Tag ein Bus fahren würde. Tatsächlich fährt der aber sieben Mal.”

Rainer Auer gab zu bedenken: „Wir können keine Wohlfühl-Verkehrspolitik machen und allen alles versprechen. Wenn wir beispielsweise den Radlern in den Städten mehr Raum geben, müssen wir den dann den Autofahrern nehmen.” Gegen eine Verteufelung des Autoverkehrs wandte sich Florian Weber. „Bei allem Verständnis für den Ausbau von Bus- und Bahnlinien müssen wir auch sehen, dass man vor allem im ländlichen Raum das Auto braucht”, sagte er. Michaela Eglseer sah das genauso und gestand: „Ich bin früher viel mit der Bahn gefahren. Doch weil die sehr unzuverlässig war und ist, bin ich wieder auf das Auto umgestiegen.” Für Weber wäre eine Lösung, mehr Mitfahrmöglichkeiten durch Initiativen wie Mitfahrbankerl oder im Pendlerverkehr zu schaffen und das ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Sepp Hofer pflichtete ihm da bei. „Wenn wir im Berufsverkehr die Auslastung von derzeit durchschnittlich 1,5 Personen pro Auto auf 2,5 bringen könnten, wäre schon viel geschafft.”

Auf die Frage, wie sie denn im Falle eine Wahlgewinns das Landratsamt besucherfreundlicher gestalten würden, erklärte Michaela Eglseer: „Ich würde vieles digital machen und im Eingangsbereich ein Service-Center schaffen, an dem die Besucher empfangen und an die richtigen Mitarbeiter verwiesen werden. Im Optimalfall kommen diese dort dann auch noch zu den Bürgern.” Walter Pakulat will sich für eine bessere Organisation und noch mehr Service auch gerne Berater von außen dazu holen. „Das macht jede Firma in der freien Wirtschaft.” Wo er allerdings nichts ändern will, ist beim Tourismus. Den in der Vergangenheit immer wieder diskutierten möglichen Zusammenschluss der Tourismusverbände Traunstein und Chiemsee-Alpenland lehnt er ab. „Christina Pfaffinger macht da einen hervorragenden Job”, sagte er lobend. „Da sind wir bestens aufgestellt.” Auch sein Nebenmann auf der Bühne, Josef Fortner, schloss sich ihm da an: „Eine Fusion auf Biegen und Brechen lehne ich ab.”

Erwartungsgemäß kamen sowohl im Publikum und auch auf dem Podium die größten Emotionen auf, als die Runde auf die geschlossene Geburtenstation in Bad Aibling zu sprechen kam. Hier zeigte sich Florian Weber entgegen seiner Natur als eiserner Sparer plötzlich als Politiker, der Mehrausgaben nicht scheuen würde: „Auch wenn es Geld kostet – eine Geburtenstation in Bad Aibling braucht’s.” Dieser Meinung war auch Michaela Eglseer. „Wir müssen dafür einfach das Geld haben”, sagte sie. Otto Lederer platzte dabei fast der Kragen. „Es geht hier überhaupt nicht ums Geld”, warf er ein. „Ich habe mit Ärzten und Hebammen gesprochen. Es fehlen einfach Fachkräfte.” Eglseers Antwort: „Die würden schon kommen, wenn sie gut bezahlt werden würden.” Johlende Zustimmung aus dem Publikum, aber auch Applaus für Lederer, der bekannte: „Wenn wir Fachkräfte haben, dann bin ich sofort wieder dafür, die Geburtenstation zu öffnen.”

Wären wir hier die „Bild”-Zeitung, dann hätte an dieser Stelle das bei Talkshows angewandte Zoff-O-Meter ein klein wenig ausgeschlagen. Doch nach den versöhnlichen Worten des CSU-Landtagsabgeordneten wäre es schnell wieder auf die Mitte in den grünen Bereich gegangen. Wo es übrigens während der ganzen Diskussion, die eher eine friedliche Aussprache war, gestanden hätte.

 

 

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