Bad Aibling: Global denken, lokal handeln

Uwe Kekeritz (MdB) von den Grünen war zu Gast in der Alten Meierei

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Am Sonntagabend waren in der Alten Meierei viele Bürger der Einladung der Bad Aiblinger Grünen zur Veranstaltung unter dem Motto „Fairness fängt bei uns an“ gefolgt. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, erläuterte anschaulich die Folgen eines einseitig am niedrigen Preis ausgerichteten Handels und stellte sich den Fragen des Publikums.

Foto: Sabastian Uhl, Martina Thalmayr, Ulla Zeitlmann, Uwe Kerkeritz (v.l.)

In der globalisierten Welt endet die Verantwortung einer Stadt nicht an der Stadtgrenze. Der Schutz der Menschenrechte und der Erhalt der ökologischen Lebensgrundlagen kann durch einen sozial verantwortlichen Einkauf vor Ort durch die Kommunen positiv
beeinflusst werden. Kommunen können durch ihre Einkaufspolitik hier ein sichtbares Zeichen setzen. Mit Steuergeldern finanzierte Menschenrechtsverletzungen sind in jedem Fall inakzeptabel.

Seit fast zehn Jahren ist Kekeritz an dem Thema dran. Und es bewegt sich was: Inzwischen sind es ca. 670 Städte, Gemeinden und Landkreise in ganz Deutschland, tragen inzwischen das Fairtradesiegel. Damit eine Stadt wie Bad Aibling Fairtrade Stadt bleiben kann, muss sie jedes Jahr weitere Schritte in Richtung nachhaltige und soziale
Beschaffung nachweisen.

Was bedeutet das konkret? Dass der Kaffee im Rathaus aus fair gehandelten Bohnen ist, ist laut Kereritz nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Stellschraube ist die öffentliche Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen, die Schätzungen zufolge 16 bis 18 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht. Das sind bis 450 Milliarden Euro und 50 Prozent davon entfallen auf Kommunen.

Das 2016 neu gefasste Vergaberecht bietet nun die revolutionäre Möglichkeit, ökologische, soziale und menschenrechtliche Kriterien bei Beschaffungsvorgängen der Städte und Gemeinden anzuwenden.

Martina Thalmayr, die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, berichtete, dass der Bauhof in Zukunft mit fair hergestellter Arbeitskleidung ausgestattet werden soll. Für Thalmayr steht neben dem sozialen Aspekt der Beschaffung auch der nachhaltige und regionale Bezug im Mittelpunkt.
Für kommunale Ausschreibung möchte sie nun von dieser neuen Möglichkeiten im Vergaberecht Gebrauch machen und die regionale Wirtschaft damit stärken. Damit bliebe die Wertschöpfung in der Region und gleichzeitig werde der weltweiten sozialen Gerechtigkeit Rechnung getragen, betont sie.

Faire Beschaffung ist nicht notwendigerweise teurer. Als Beispiel führt Anita Fuchs, Grüne Kreisrätin, die maßgeblich an der Zertifizierung von Bad Aibling als Fair Trade Stadt mitgewirkt hat, Bälle für die lokalen Vereine und Schulen an. Diese kosten fair
gehandelt sogar weniger als die Bälle von Markenfirmen.

Ein Fazit der Veranstaltung war, dass alles, was wir für Afrika und im globalen Süden tun, wir auch für uns selbst tun, weil es hilft, Fluchtursachen zu bekämpfen.

 

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