„Die Situation entwickelt sich sehr dynamisch”

Der Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, zum Corona Virus

Die Menschen machen Hamsterkäufe, Schülern, die im Italien-Urlaub waren, wird nahegelegt, zwei Wochen lang nicht in die Schule zu gehen, im Landkreis gab es jetzt den ersten Corona-Fall: Für Dr. Wolfgang Hierl (2.v.r.), den Leiter des Gesundheitsamtes in Rosenheim, war das der Anlass, vor die Medien zu treten und seine Einschätzung der Lage abzugeben. Sein Fazit: Man sei in Stadt und Landkreis gut gerüstet für alle Fälle. Dennoch sagt er auch: „Die Situation entwickelt sich sehr dynamisch.”

Wie verhält man sich optimal im Falle eines Falles? Dr. Wolfgang Hierl kann das am Beispiel des Mannes erklären, der seit diesem Wochenende als der erste Corona-Fall im Landkreis gilt: „Dieser 55-Jährige hat sich bei einem Freund aus Baden-Württemberg angesteckt”, berichtet der Gesundheitsamt-Leiter. „Beide waren bis zum 26. Februar Skifahren in Südtirol. Als der Mann erfahren hat, dass sein Bekannter mit dem Corona-Virus infiziert war, hat er sich gleich beim Gesundheitsamt gemeldet. Eine Mitarbeiterin des Amtes kam dann in Schutzkleidung bei ihm zuhause vorbei und machte einen Rachenabstrich. Einen Tag später herrschte dann Gewissheit: Er hat das Virus. Derzeit lebt er in strikter räumlicher Abtrennung von seiner Familie. Das geht deshalb gut, da er in einem Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung lebt. Er wird ärztlich betreut und muss täglich seine Temperatur messen. Sollten bei ihm tatsächlich Krankheitssymptome auftreten, kommt er ins RoMed-Klinikum nach Rosenheim.” Dort habe man zwei Zimmer zur Absonderung der Kranken bereitgestellt.

So weit, so vorbildlich. Der häuslichen Quarantäne hat man seitens der Behörde allerdings nur deswegen zugestimmt, da die Voraussetzungen hier passen. Der Mann muss nun 14 Tage lang isoliert leben. So lange ist das Virus ansteckend.

Ist dieser Fall denn nun der Anlass, in höchste Alarmstufe zu verfallen? Wolfgang Hierl bemüht sich, hier nichts unnötig aufzubauschen. „Wir wollen Ruhe und Gelassenheit vermitteln”, sagt er und rät den Bürgern zu den allseits bekannten Vorsichtsmaßnahmen: Nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge niesen, sich nicht mit der Hand ins Gesicht greifen, öfter und gründlich die Hände waschen und zu anderen Menschen, die infizieret sind oder aus Risikogebieten kommen, möglichst einen Abstand von etwa zwei Metern halten.

Sie informierten die Medien im Landratsamt: Stefan Forstmeier (Leiter Sachgebiet Öffentliche Ordnung), Bettina Bauer (Abteilung öffentliche Sicherheit und Ordnung), Nina Mascher (Abteilungsleiterin Gesundheit), Dr. Wolfgang Hierl (Leitung Gesundheitsamt)(v.l.)

Und wenn man selbst Angst hat, ein Betroffener zu sein? Da heißt es erst einmal, sich selbst zu beobachten. Hat man Krankheitssymptome? Fällt das Atmen schwer? Hat man eventuell Fieber? Dann sollte man am besten seinen Arzt oder das Krankenhaus telefonisch informieren und keinesfalls unangemeldet in der Praxis auftauchen.

Was keinen Sinn macht: Sich einfach so aus Neugier testen zu lassen. Ohne Symptome kann das Virus nicht nachgewiesen werden.

Obwohl in den vergangenen Tagen die Schutzkleidung und Atemschutzmasken für die Ärzte und das Pflegepersonal knapp geworden sind, sieht Hierl die Stadt und den Landkreis gut gewappnet für alle Eventualitäten. Dazu wurde am vergangenen  Freitag eine Koordinationsgruppe ins Leben gerufen, die aus Rettungsdiensten, Hilfsorganisationen, Feuerwehren, der Bundespolizei und dem Polizeipräsidium Oberbayern sowie Vertretern des Romed-Klinikums und des Gesundheitsamtes besteht. Die Beteiligten entwickelten einen Drei-Stufen-Plan, der die Vorgehensweise bei infizierten Einzelfällen, bei größeren Personengruppen oder bei flächendeckenden Infektionen regeln soll.

Ob es zu den letzteren beiden Szenarien kommen wird, kann derzeit kein Mensch sagen. Auch Dr. Wolfgang Hierl nicht. Er weiß nur, dass die Strategie der Absonderung bisher ein schnelles unkontrolliertes Ausbreiten der Krankheit verhindert hat – er nennt hier als Beispiel die Infizierten im Landkreis Starnberg. Noch ist die Lage im Landkreis Rosenheim entspannt. Aber der Gesundheitsamtchef weiß auch: „Die Situation entwickelt sich sehr dynamisch.”

Wer sich unsicher ist, wer Sorge und Angst hat, dem rät er, sich telefonisch entweder beim Arzt zu melden oder gleich beim Gesundheitsamt unter der Nummer 0 80 31/392-60 02 anzurufen.

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