Am Anfang war das Wort

Aiblinger Dokumentarfilmfestival Nonfiktionale steht 2020 unter dem Motto „Wort für Wort" - vom 19. bis 22. März

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Mit dem Frühling kommt die Nonfiktionale vom 19. bis 22. März nach Bad Aibling – und das nun schon zum 13. Mal. Nachdem die Veranstalter 2018 mit „Sprechende Bilder“ Filme präsentierten, die ihre treibende narrative Kraft aus dem Bild schöpften, haben sie sich heuer mit „Wort für Wort“ für eine Art Passstück entschieden. Mit dem diesjährigen Motto rücken sie Dokumentarfilme in den Fokus, die sich in der Dialektik von Bild und Wort auf die Seite der Sprache, des Textes, des Gesprächs schlagen und ihre Dramaturgie darauf aufsetzen.

Foto o: Szene aus „RIAFN” von Hannes Lang

18 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind heuer im Programm, von 4 bis 218 Minuten lang, inhaltlich wie formal ganz unterschiedliche Weg beschreitend. Von persönlichen Auseinandersetzungen mit Zeitgeschichte über die emotionale oder ideologische Gräben überwindende Kommunikation bis hin zu literarischen Leidenschaften – die Sprache in den ausgewählten Werken schillert in vielerlei Nuancen.

Und wie immer sind auch die Filmemacher da, um  im Anschluss an jede Filmvorführung ausgiebig mit dem Publikum diskutieren. Denn erst im gemeinsamen Nachsinnen und Weiterdenken nach jeder Vorführung bekommt das Programm die Tiefe, die sich die Organisatoren wünschen.

Foto: Ausschnitt aus „Der Funktionär” von Andreas Goldstein

Am Anfang war das Wort
Eigentlich steht beim Dokumentarfilm, wie bei den anderen filmischen Genres, zunächst einmal das bewegte Bild im Mittelpunkt. Doch über die filmische Erzählung kommt häufig auch die Sprache ins Spiel, in Gesprächen mit den Protagonisten, in beobachteten Dialogen oder in Kommentaren. Mit dem aktuellen Motto „Wort für Wort“ dreht das Aiblinger Dokumentarfilmfestival Nonfiktionale die Schraube noch ein Stück weiter: 2020 rücken das gesprochene Wort, der Text sowie das Gespräch in den Fokus des Filmprogramms.
Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es, um das Gesprochene ins Bild zu setzen? Wie wird ein literarischer Text zu einem genuin filmischen? Welche Qualitäten braucht ein Text oder ein Dialog, um einen Film zu tragen? Das Feld ist weit und spannend. Es reicht von der vierminütigen Miniatur über ein taubblindes Ehepaar („Lormen“ von Julia Daschner) über den Versuch, miteinander redend innerhalb der eigenen Familie ideologische Gräben zu überwinden („Impreza“ von Alexandra Wesolowski) bis hin zu einer mehrfach preisgekrönten deutschen Familiengeschichte, die ein ganzes Jahrhundert umspannt („Heimat ist ein Raum aus Zeit“ von Thomas Heise).

Plattform für den Gedankenaustausch
Wie immer laufen die insgesamt 18 Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht einfach kommentarlos im Kino. Vielmehr holt die Nonfiktionale in schöner Tradition die Filmemacher der jeweiligen Werke nach Bad Aibling, um gemeinsam mit Publikum, Gästen und Moderatoren ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss an jede Filmvorführung wird erneut eingehend über inhaltliche wie handwerkliche Fragen diskutiert.

Foto: Szene aus „Atelier de Conversation ” von Bernhard Braunstein

Wettbewerb
Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, dem 19. März, um 19 Uhr im
Aibvision Filmtheater mit dem Film „Barstow, California“. Der Film führt in eine
kalifornische Kleinstadt in der Mojave-Wüste, den Heimatort des schwarzen
Lyrikers Spoon Jackson, der seit 1977 eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Am
Sonntag, dem 22. März, um 20 Uhr senkt sich schließlich der Vorhang für die
13. Festivalausgabe. Im Rahmen einer stimmungsvollen Preisverleihung
werden von einer Fachjury – bestehend aus dem Schweizer Filmemacher und
Produzenten Vadim Jendreyko, der Editorin Ulrike Tortora und der DOKVILLEKuratorin
Astrid Beyer – zwei Preise vergeben. Neben dem Nonfiktionale-Preis
der Stadt Bad Aibling in Höhe von 2.000 EUR wird heuer ein Kurzfilm mit einem
von der Gruppe 3 gesponsorten Sachpreis ausgezeichnet. Den Bürgerpreis
vergibt auch in diesem Jahr eine Schülerjury des Gymnasiums Bad Aibling.

Foto: Ausschnitt aus „Barstow, California” von Rainer Komers

…und mehr
Anstelle der traditionellen Carte Blanche für ein seelenverwandtes anderes
Festival präsentiert die Nonfiktionale in diesem Jahr auf dem letzten regulären
Stammplatz ein Werk aus eigenem Hause. Unter dem Label „Heimspiel“ läuft
„Die Kunst der Widerrede“, ein Film von Gereon Wetzel und Melanie Liebheit,
die gleichzeitig das Festival, in Doppelspitze mit Tamara Danicic, leitet.
Und auch der cinephile Nachwuchs kommt mit dem Kinderprogramm für
Grundschüler wieder voll auf seine Kosten. Von einer fachkundigen
Moderatorin durchs Programm geleitet, kann das junge Publikum in
spannende, vielgestaltige Dokumentarfilmwelten eintauchen.
Die Kooperation mit dem selbstverwalteten Jugendzentrum JiMs Bergwerk
geht mittlerweile ins vierte Jahr. Im Einklang mit dem aktuellen Motto zeigt die
Nonfiktionale „30 Jahre, aber den Sinn des Lebens habe ich immer noch nicht
rausgefunden“, eine filmische Installation von Jan Peters.
Weitere Informationen finden Sie unter www.nonfiktionale.de.

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