„Damenwahl” in Bad Aibling

Veranstaltung der Grünen im „Arnold" - mehr Frauen in die Politik und Führungspositionen gefordert

Am Weltfrauentrag luden die Bad Aibling Grünen unter dem Motto „Damenwahl“ ins „Zum Arnold“ ein.  Begleitet von Susi Weiss am Klavier haben politisch engagierte Frauen, in sehr persönlichen bewegenden Reden den zahlreich anwesenden Frauen Mut gemacht, sich politisch zu engagieren und Frauen vermehrt in die Parlamente zu wählen.

Foto: Alexandra Voigt (l.) Ulla Zeitlmann und Martina Thalmayr und Besucherinnen (r.)

Denn auch wenn schon viel erreicht wurde, so ist die Gleichstellung der Geschlechter noch lange kein Alltag. Im Bad Aiblinger Stadtrat z.B. sind von 24 Räten derzeit nur 9 Frauen. Martina Thalmayr, die Grüne Bürgermeisterkandidatin, betonte, dass Frauen, immer noch den größeren Teil der sogenannten „Care Arbeit“ wie Kinderbetreuung, Familienorganisation und Pflege von Angehörigen leisten. Vielleicht der Grund dafür, dass Frauen nicht noch eine zusätzliche Aufgabe, wie ein politisches Mandat, annehmen wollen. Dennoch sind es gerade die eher weiblich verorteten Stärken, wie beispielsweise Gemeinschaftssinn, Fürsorge aber auch Organisationstalent, Diplomatie und Kommunikationsstärke, die in der Gremienarbeit so wichtig sind.

Prägend für ihren persönlichen Blick auf die Gleichstellung der Frauen war für Martina Thalmayr ihre Großmutter, die sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für ein selbstbestimmtes Leben entschied und erst mit über 60 Jahren ihre Jugendliebe heiratete. Aus ihrer eigenen beruflichen Leitungserfahrung beschreibt Thalmayr die Unterschiede aus der Zusammenarbeit in männerdominierten Teams, reinen Frauenteams und gut durchmischten, in denen sie die größte Wirkungskraft sieht. Frauen in der Führung sieht sie als gewinnbringend und eine echte Chance für die Aufgaben der Zukunft.

Bei der Vorstellung der Listenkandidatinnen durch die Bürgermeisterkandidatin Thalmayr wurde spürbar, wie viel Mut, Kraft und Willen die Frauen mitbringen, um die Zukunft Bad Aiblings zu gestalten.

Die Entwicklung der Rechte der Frauen in den letzten 200 Jahren wurde von Irene Durukan (Listenplatz 4 der Grünen) sehr eindrucksvoll dargestellt. Nach vielen Fortschriften In Deutschland brachte der Nationalsozialismus einen herben Rückschritt für Frauen und Frauenrechte: Weder die politische Beteiligung von Frauen noch die Gleichberechtigung von Frauen und Männern stand zwischen 1933 und 1945 auf der Tagesordnung. Der Internationale Frauentag wurde von den Nationalsozialisten verboten – und dafür der Muttertag in den Vordergrund gerückt. In Staunen versetzt die Tatsache, dass einige heute selbstverständliche Rechte, wie selbstbestimmt eine Arbeitsstelle anzunehmen, den Ehefrauen dann erst ab 1977 zugestanden wurde. Die Vergewaltigung in der Ehe anzuzeigen ist erst seit 1997 möglich.

Ulla Zeitlmann, die Landratskandidatin der Grünen sieht einen wesentlichen Grund für die Problematik der unterrepräsentierten Zahl an Frauen in Führungspositionen in den vorherrschenden männlichen Netzwerken. Ein schnelles Feierabendbier, bei dem noch Geschäftliches besprochen wird, ist häufig für Männer eher möglich als für die Mutter, die neben Job die Care Arbeit leistet. Sie appelliert an die Frauen ihre eigenen Netzwerke aufzubauen und sich gegenseitig mehr zu unterstützen.

Besonders spannend war der Blick der 16-jährigen Alexandra Voigt auf die heutige Rolle der Frau in der Gesellschaft. Für die engagierte junge Frau ist es trotz des großen Aufwands, ein persönlicher Gewinn sich einzubringen. Mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten z.B. Gestaltung von Konfirmationsunterricht, Kinderzeltlager, Freizeitaktionen für Kinder und Jugendliche und eine Kinderturngruppe für Kleinkinder, baue sie viel organisatorische und soziale Fähigkeiten auf, die sie auf ihren späteren beruflichen Weg nutzen kann. Es wäre wünschenswert, wenn diese Leistung und auch die erworbenen Fähigkeiten benotet werden würden, um bei den Auswahl- oder Zulassungsverfahren für die weitere Berufsausbildung berücksichtigst zu werden.

Die jungen Frauen heute erleben echte Gleichberechtigung und organisieren sich in Gruppen nach ihren Fähigkeiten und Stärken. Das ist die Botschaft von Alexandra, die den anwesenden Mut macht und mit kräftigem Applaus belohnt wurde.

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