Wer solche „Freunde” hat …

Aiblinger CSU wird in der Bürgermeister-Stichwahl von der AfD unterstützt und mag das gar nicht

Eigentlich landen die AfD-Meldungen auf unserer Seite meist im Nirwana. Doch diese Geschichte hier ist zu gut, um sie Ihnen vorzuenthalten. Denn in Bad Aibling steht am 29. März die Bürgermeister-Stichwahl an, und nachdem der AfD-Kandidat Rainer Vieregg nicht die nötigen Stimmen bekam, um in die nächste Runde zu kommen, hat seine Partei nun für die anstehende Entscheidung klar Stellung bezogen: Sie will Stephan Schlier von der CSU unterstützen. Doch dem ist das gar nicht so recht …

Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch die Stadt zu einem wichtigen Termin, sind frisch gewaschen, gut angezogen, bestens vorbereitet, und dann das: Sie treten in irgendeine eine Hinterlassenschaft auf der Straße (Kopfkino an!) und wollen die dann unbedingt so schnell wie möglich wieder loswerden. Aber Sie wissen – irgendwas bleibt immer haften. So in etwa mag sich Stephan Schlier jetzt vorkommen. Denn der Bürgermeister-Kandidat der CSU hat für die Stichwahl am 29. März eine Empfehlung von einer Partei bekommen, die eigentlich im vergangenen Kommunalwahlkampf Front gegen die CSU gemacht hat. Von der AfD.

Deren Landtags- und jetzt auch bald Stadtratsmitglied Andreas Winhart rief in ein einer heute veröffentlichten Pressemitteilung die Anhänger und Mitglieder der AfD dazu auf, bei der anstehende Entscheidung doch bitte „den Kandidaten Stephan Schlier von der CSU zu wählen”.

Winharts Statement dazu: „Stephan Schlier ist ein Bad Aiblinger mit christlich-konservativer Prägung. Gerade diese konservativen Werte bringen uns zu der Einschätzung, dass aus AfD-Sicht Stephan Schlier die bessere Wahl ist. Frau Thalmayr passt viel besser in ihren Bioladen in Unterhaching, der ihre Aufmerksamkeit gerade jetzt in schwierigen Corona-Zeiten sicher braucht. Eine zweite Filiale in unserer Kurstadt würde der Bad Aiblinger Wirtschaft auch nicht schaden.“

Stephan Schlier stehe „für bodenständige bürgerliche Werte und ihm ist weit stärker zuzutrauen, den links-grünen Trend in Bad Aibling zu stoppen, überflüssige Klimadiskussionen im Keim zu ersticken und den Fokus wieder auf solide Finanzen und das Wohl der Bürger zu legen.”

Und am Ende der AfD-Empfehlung schwingt dann noch so etwas wie ein Mini-Thüringen durch die Kurstadt, denn offensichtlich gefällt sich die AfD auch in Bad Aibling in der Rolle des Königsmachers. So merkt Andreas Winhart zum Schluss seiner Mitteilung an: „Wir wollten statt ‚a neis Kapitel‘ aufzuschlagen, die CSU-Märchenstunde beenden. Nun ist es die AfD, welche das Kapitel neu schreibt und einem Kandidaten einer anderen bürgerlichen Partei zur Mehrheit verhilft.“ Das klingt nach mehr als nach einem bescheidenen „Freundschaftsdienst” für seinen ehemaligen Parteifreund aus vergangenen JU-Zeiten.

Die Antwort der Aiblinger CSU ließ da erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten.    Unter der Überschrift „AfD-Wahlempfehlung weder erbeten noch erwünscht” verschickte die Partei dann am Spätnachmittag folgende Mitteilung:

„Die CSU Bad Aibling wirbt für ihren Kandidaten Stephan Schlier bei der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters. “Wir können nichts für Wahlempfehlungen Dritter”, so CSU-Ortsvorsitzender Dr. Thomas Geppert. Als CSU distanziere man sich ausdrücklich von der Zusammenarbeit mit extremen Parteien wie der AfD. “Wir stehen für die bürgerliche Mitte in Bad Aibling”, stellt Bürgermeisterkandidat Stephan Schlier klar. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnte Schlier u.a. bei der Podiumsdiskussion der evangelischen Kirchengemeinde Mitte Februar ab: “Es wird keine Zusammenarbeit seitens der CSU – weder im Stadtrat noch auf Ortsverbandsebene – mit der AfD geben!” Bad Aibling braucht in der aktuellen Situation Stabilität, Zusammenhalt und politische Erfahrung. Dafür steht allein die CSU!”

Wie lautet ein altes Sprichwort? Wer solche Freunde hat …

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3 Kommentare zu “Wer solche „Freunde” hat …

  1. Lieber Herr Fallscheer,
    ich habe erst mal geschaut, ob das eine Pressemitteilung der CSU ist oder ob Sie “was am Schuh haben” und deshalb so “stinkig” schreiben. Den Artikel hättte man nach den Erfahrungen in Thüringen auch subtiler fassen können, nix für ungut (vor allem bezogen auf den Abstz “Stellen Sie sich vor …”).
    Wobei wir uns im Tenor natürlcih völlig einig sind. Es ist aber meines Erachtens unbedingt erforderlich, die Beweggründe für die Ausgrenzung der AfD und die Brandmarkung des leicht durschaubaren Vorgehens dieser Provinzpoitiker klarer zu benennen und anzuprangern. Diesen Sympathisanten muss man die Chance geben, ihr Position zu überprüfen, denn das sind keine “Verlorenen”.

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  2. Wahlberechtigter

    “Frau Thalmayr passt viel besser in ihren Bioladen in Unterhaching”. Solche plumpen Aussagen und das (nach Thüringen) mehr als durchschaubare Taktieren entlarvt die Funktionäre der örtlichen AfD endgültig. Wenn man bedenkt, dass ein Herr Winhart künftig auch im Rosenheimer Kreistag sitzt, kann man nur hoffen, dass die breite demokratische Mehrheit sich dort weiterhin auf Sachthemen und Zusammenarbeit konzentrieren kann!

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  3. Das ist eine ganz perfide Masche des AfD – Multifunktionärs Winhart. Zuerst wichtig machen in einer Minderheitenpartei, sich wählen lassen in Landtag, Kreistag und Stadtrat – und dann den Königsmacher geben!

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