Hilferuf der Gastronomie

Franz Bergmüller vom Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirthauskultur fodert bayernweit Öffnung von Lokalen und Biergärten ab spätestens 1. Mai

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Enorme Umsatzeinbußen, finanzielle Schwierigkeiten, Existenzängste. Unzählige
Gastronomen stehen vor dem Aus. Der Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) fordert jetzt dringend, die Gastronomie bis spätestens 1. Mai mit entsprechenden Hygienemaßnahmen wieder zu öffnen. Anderenfalls befürchtet der VEBWK ein Wirtshaussterben nie gekannten Ausmaßes.

„Die Gastronomiebranche ist wohl der am stärksten von der Coronakrise betroffene
Wirtschaftsbereich“, sagt VEBWK-Vorsitzender Franz Bergmüller, „die Umsätze brachen den Unternehmern von einem Tag auf den anderen weg – völlig unvorhergesehen. Fixkosten für Energie, Gebühren, laufenden Finanzierungen, Pacht und Mitarbeiter laufen weiter. Wir sprechen hier nicht von einzelnen Gasthäusern, die um ihre Existenz bangen. Uns steht ein landesweites Wirtshaussterben bevor, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben.“

Wie Ministerpräsident Söder jetzt bekannt gab, wird die Schließung der Gastronomie in
Bayern noch bis mindestens Pfingsten anhalten. „Es ist ein Irrsinn, dass unsere
verantwortlichen Politiker die gesamte Branche, ohne mit der Wimper zu zucken, an die
Wand fahren lassen“, sagt Bergmüller, „in den nächsten Tagen und Wochen dürfen immer mehr Läden und Dienstleister unter entsprechenden Sicherheitsvorschriften wieder öffnen. Es ist mir absolut unverständlich, warum diese Maßnahmen nicht auch in der Gastronomie greifen sollten.“

Abstandsregeln können besonders gut auch in Biergärten eingehalten werden. Gerade im Freien dürfte eine Infektion bei Einhalten der Hygieneschutzmaßnahmen noch weniger wahrscheinlich und in den Gaststätten auch nicht mehr sein, als beispielsweise
in Supermärkten, wo das Ansteckungsrisiko laut wissenschaftlichen Einschätzungen bei etwa 5 Prozent liegt.
„Der Grundrechtseingriff der Zwangsschließung steht schon lange nicht mehr im Verhältnis zu den Folgeschäden“, sagt der VEBWK-Vorsitzende, „nicht nur die Unternehmer selbst sind davon betroffen. Gerade in Städten reicht den Angestellten ihr Kurzarbeitergeld oft nicht einmal für die Miete.“ Die Hilfen des Staates hält Bergmüller für einen „Tropfen auf den heißen Stein“. „Die Gelder sind meist schon nach der ersten Kurzarbeitergeldauszahlung aufgebraucht. Da bleibt nichts mehr übrig, um die Kosten für die Monate ohne Umsatz auszugleichen. Dabei ist auch anzumerken, dass die Soforthilfen nicht gezielt, sondern nach dem Gießkannenprinzip ausgebracht wurden. Viele Betriebe aus anderen Branchen haben ebenso Gelder erhalten, obwohl sie weiterhin arbeiten konnten. Die Gasthäuser wurden jedoch für mehrere Monate komplett geschlossen. Das ist weder gerecht, noch solidarisch!“

Die Politik möchte die Branche jetzt mit Versprechen von zusätzlichen Zuschüssen
besänftigen. Auch die angekündigte Senkung des MwSt.-Satzes für die Gastronomie soll für die weitere Zeit der Schließung entschädigen. „Diese Maßnahmen müssen kommen, um den Schaden, den die Regierung angerichtet hat, auch nur annähernd zu begleichen“, sagt Franz Bergmüller, „eine Verlängerung der Schließungen rechtfertigt das allerdings nicht. Ich fordere dringend, die Wirtshäuser ab spätestens 1. Mai wieder zu öffnen. Wir werden mit Corona leben müssen. Es ist die Pflicht der Politik, Wege zu finden, um die Wirtschaft gleichzeitig am Leben zu erhalten. Die Gastronomie vor das Aus zu stellen, ist allerdings definitiv keine Lösung.“

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9 Kommentare zu “Hilferuf der Gastronomie

  1. Dr.med Hans Haberl

    Herr Bergmüller vom Verein zur Erhaltung der Bayerischen Wirtshauskultur hat sich als Wortführer und Verfechter für das uneingeschränkte Recht der Raucher in Gastronomiebetrieben als unglaubwürdig für eine verbraucherfreundliche, gesundheitsorientierte und demokratische Einstellung (die Mehrheit war für ein Rauchverbot) erwiesen. Er hatte in diesem Zusammenhang mit dramatischen Worten ein weitreichendes Wirtshaus-sterben vorausgesagt. Das Gegenteil war der Fall, die Vernunft und der Wunsch der Mehrheit für einen ungetrübten Gaststättenbesuch hat sich durchgesetzt, von Einbußen in der Gastronomie keine Spur.
    Die Situation in der Gastronomie ist schwierig und bedrohlich, keine Frage. Forderungen entgegen der Strategie der Politik, welche zumindest erfolgversprechend und ja auch alternativlos sind, sind dennoch mehr als fragwürdig und sie können Leben kosten. Oder haben wir in Herrn Bergmüller einen neuen Virologen?

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    1. Ernst-Christian Pahl

      Unglaubwürdig für eine demokratische Einstellung haben Sie sich erwiesen, nicht Herr Bergmüller. Es gehört schon eine Portion Frechheit dazu, den “ungetrübten Gaststättenbesuch” zu einem Grundrecht der rauchabstinenten Bevölkerung zu stilisieren, vielleicht noch zum Menschenrecht. Wo bleibt der Respekt vor der Vertragsfreiheit, dem heiligsten Kern der Marktwirtschaft ? “Mir g´hern z´samm” ? NEIN ! Liberale, steht auf !

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      1. Ich warte nur noch darauf, dass „Liberale“ wie Sie sich auf den Marktplatz stellen und das Grundrecht auf Ansteckung mit einem Virus fordern. Soziale Kompetenz ist halt nicht jedem gegeben …

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      2. Es reicht ja schon, wenn Gestalten wie Sie schlechte Stimmung verbreiten.
        Da muss sich jemand, der nicht so doof ist für einen frühen Tod noch Geld an die Tabakindustrie zu zahlen, nicht auch noch mit schlechter Luft die Gesundheit von so rücksichtslosen Gestalten ruinieren lassen. So einfach ist das 🙂

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        1. Nur zur Info, Josef, ich bin Nichtraucher. Bitte erst mal nachdenken und versuchen zu verstehen, was andere schreiben. Dann fällt die Antwort auch weniger aggressiv aus.

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          1. Nur zur Info, sein Beitrag ist genauso weit eingerückt wie dein Beitrag unter ECPs.
            Jetzt nochmal tief durchatmen und dann überlegen, auf wen er dann wohl geantwortet hat.
            Also bitte erstmal nachdenken und versuchen zu verstehen, wie so ein Kommentarbereich funktioniert.

        2. Sorry, Josef. Mit Brille wär‘ das nicht passiert … 😉

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  2. Der AfD – MdL, Gemeinderat einer anderen Partei, Kreisrat, langjährige Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im LK Rosenheim ,Retter der bayerischen Gaststättenkultur, gewählter IHK -Repräsentant im Tourismusausschuss (hoffentlich habe ich nichts vergessen) sollte seine Worte angemessener wählen. Natürlich tut die notwendige Schließung der heimischen Gastronomie und noch viel mehr der Hotellerie weh. Aber gerade die Gastronomie hat sich mit viel Kreativität, Empathie gegenüber anderen Branchen, wirtschaftlichen Kooperationen und mancher neuer Idee (Pizza Service, To Go, Homecooking etc. wurde ihnen ja schon seit Jahrzehnten von ausländischen Kollegen vorgemacht) der Herausforderung gestellt. Aber viele “Wirte” – Gastronomen will ich sie nicht nennen – sehen wieder mal nur den schnellen Profit und schreien nach dem Staat, den sie sonst so verdammen (Bonpflicht, Mindestlohn, Trinkgeldbesteuerung, Ausbildungsvergütung, Außenbewirtung, Umsatzsteuersenkung, etc.). Hier wird mal wieder mit purem Populismus Stimmung gemacht.

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  3. Alexander Wolff

    Man kann mit Hilfe auch einfach selber etwas beginnen. Ich habe mal für meine Stadt eine Liste mit den offenen Gastrobetrieben erstellt. Wurde hier schon mal publiziert aber steter Tropfen ölt den Stein…..

    https://docs.google.com/spreadsheets/d/e/2PACX-1vR9DtGBV1TJP8BIds1dIEKDgkgZhcTJe3YdKLCrxBPvz2iTUre6O7eIUfgNTQucCUPw8N66p6glJcje/pubhtml

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