Zuschlag von 500 Euro pro Monat?

ver.di fordert Corona-Bonus für alle Gesundheitsbeschäftigten

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Der von der bayerischen Staatsregierung angekündigte Corona-Bonus sorgt für Diskussionen in den Belegschaften. Noch ist nicht vollständig geklärt, wer ihn erhalten soll. Der gewünschte wertschätzende Effekt der Zahlung hängt jedoch auch davon ab, ob sie alle erhalten, die jetzt dafür sorgen, dass die Pandemie-Gefahr bewältigt wird. „Wir fordern, den Bonus allen Beschäftigten im Gesundheitswesen zukommen zu lassen“, erklärte Win Windisch von ver.di Rosenheim.

Daniela Baumann, aktives ver.di Mitglied und Beschäftigte in der Notaufnahme der Kreisklinik Trostberg, beschreibt die Lage: „Die Umstellung der Kliniken auf COVID-19-Fälle bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Notfall-Versorgung ist eine Aufgabe für die gesamte Belegschaft. Alle müssen mit gesteigerter Aufmerksamkeit arbeiten. Neben den Pflegekräften und dem ärztlichen Personal betrifft dies alle Therapeuten, Hilfskräfte und medizinische Fachangestellte. Fast schon täglich gibt es neue Vorgaben und Maßnahmen zu beachten. Wenn die Menschen bei uns in der Notaufnahme eintreffen, sind alle gefordert und im direkten Patientenkontakt.“

Baumann ergänzt, darüber hinaus gäbe es in den Kliniken viele weitere Tätigkeiten, die auch unter Pandemiebedingungen unerlässlich seien. Küche, Patiententransport und Technik müssten weiter jeden Tag funktionieren: „Vor allem den Reinigungskräften kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es um die Eindämmung von Corona geht. Sie brauchen krankenhausspezifisches Fachwissen und haben deutlich gesteigerte Anforderungen, egal wie nah oder fern sie den Patienten sind. Doch Ihre Bezahlung und Status spiegeln nichts davon wieder. Wenn sie jetzt beim Corona-Bonus leer ausgehen würden, wäre dies das komplett falsche Signal“, so Baumann.

Eine ähnliche Problemlage besteht in den Altenheimen bei den Hauswirtschaftskräften. Im Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, tauchen sie beim Corona-Bonus jedoch bisher nicht auf. Rudy Kreuzeder, Altenpfleger im Seniorenzentrum Laufen: „Pflege und Hauswirtschaft arbeiten bei uns Hand in Hand. Die Kolleginnen sind bei der Essensausgabe und allen spontanen Aufgaben genau so nah an den Bewohnern wie ich. Ohne ihre Arbeit wäre meine nicht möglich. Wir sind alle deutlich stärker gefordert als bisher und tief besorgt um unsere Bewohnerinnen und Bewohner, die wir zum Teil schon seit Jahren kennen.“

ver.di-Sekretär Windisch begrüßt daher die bundesweite Einigung zwischen ver.di und Arbeitgebern in der Altenpflege auf ein Modell von Bonuszahlungen bis zu 1.500 Euro. Die konkrete Umsetzung muss durch die Bundespolitik und Pflegeversicherungen bewerkstelligt werden. Der Vorteil der Regelung sei, dass alle Beschäftigten mit bedacht werden. Das Modell hat daher für andere Gesundheitsbereiche einen Vorbildcharakter.

Windisch berichtet, er habe diese Woche zahlreiche Anrufe und E-Mails von Betriebsräten und Beschäftigten erhalten. Diese hätten sich auch direkt beim Gesundheitsministerium gemeldet. Alle mit dem deutlichen Wunsch, den Bonus nicht nur an Pflegekräfte auszuzahlen: „Der Corona-Bonus kann als einmalige Maßnahme nur ein symbolisches Zeichen der Wertschätzung sein. Daher sollte er allen Beschäftigten zugehen, die jetzt die Gesundheitsversorgung in Bayern aufrechterhalten.“

„Inzwischen“ so Windisch „dürfte aber auch bei den Allerletzten angekommen sein, dass einmalige Prämien alleine der Situation nicht gerecht werden. ver.di fordert für die Dauer der Pandemiebelastung einen Zuschlag von 500 Euro pro Monat für alle systemrelevanten Berufe. Politik, Arbeitgeber und soziale Träger stehen hier gemeinsam in der Verantwortung.“

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