Arbeitslosenquote steigt auf drei Prozent

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Landkreis - April-Bilanz der Agentur für Arbeit

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Die Anzeigen für Kurzarbeit sind in den vergangenen Wochen fast im Minutentakt per Mail, per Telefon eingegangen: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den vergangenen Wochen nahezu lahmgelegt und in einzelnen Bereichen für gravierende, wirtschaftliche Einschränkungen gesorgt“, sagt Michael Vontra, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Rosenheim. „Staatliche Soforthilfen, die der Bund und die Länder auf den Weg gebracht haben und Kurzarbeitergeld, das wir in unserem Haus bearbeiten, sollen helfen die wirtschaftlichen Existenzen von Unternehmen und damit die Beschäftigungsverhältnisse von Arbeitnehmer*innen zu sichern …

  • Der Landkreis Rosenheim hat aktuell eine Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent (Vormonat 2,4; Vorjahr 2,1 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt bei 4.291.
  • 2.967 Männer und Frauen sind bei der Hauptagentur in Rosenheim arbeitslos gemeldet, 658 mehr als im Vormonat. Darüber hinaus kümmert sich das Jobcenter Landkreis Rosenheim um 1.324 arbeitslose SGB II-Kunden, 190 mehr als im März. Insgesamt betreut das Jobcenter 3.205 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 2.566 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Jede*r Mitarbeiter*in im Haus sei sich der Bedeutung dieses Förderinstruments und der persönlichen Verantwortung bewusst, die sie/er bei dessen Bearbeitung trage – und wisse, dass dadurch wirtschaftliche und persönliche Existenzen gesichert werden können, betont der Geschäftsführer operativ heute. Und fügt hinzu: „Die Anzeigen für Kurzarbeit sind in den vergangenen Wochen fast im Minutentakt per Mail, per Telefon oder mit der Post bei der Agentur für Arbeit eingegangen und wir haben auf diese Herausforderung reagiert, indem wir unser Personal in dem Bereich gebündelt haben. Ob Berufsberater, Arbeitsvermittler, Reha- oder interne Personalberater:

Rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter*innen sind inzwischen in einem anderen Bereich beschäftigt als noch vor acht Wochen. Sie sind geschult worden und bearbeiten jetzt Anzeigen von Kurzarbeit und Kurzarbeitergeldanträge und stehen Unternehmen und Arbeitnehmer*innen für Fragen am Telefon zur Verfügung. Unser gemeinsames Ziel ist, dass die Hilfe möglichst schnell dort landet, wo sie am dringendsten benötigt wird. Die Mitarbeiter*innen der Agentur für Arbeit Rosenheim haben bis zum Tag des Datenabzugs am 26. April für die Monate März und April knapp 5700 (5.692) Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit geprüft, die insgesamt 55.171 Personen umfassten“, so Vontra weiter.

„Sie sehen, dass die Anzahl an Beschäftigte, für die Unternehmen Kurzarbeit angezeigt haben, groß ist“, erklärt der Geschäftsführer operativ weiter und fügt hinzu: „Obwohl durch das Kurzarbeitergeld zahlreiche Entlassungen vermieden werden konnten, hat die Corona-Pandemie auf dem regionalen Arbeitsmarkt, der die Stadt und den Landkreis Rosenheim sowie die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, natürlich Spuren hinterlassen: Im Betrachtungszeitraum vom 13. März bis zum 14. April (Stichtag) hat die Arbeitslosenzahl in unserem Agenturbezirk um 1.940 Personen auf 9.830 zugenommen.“

Der Bestand an Arbeitslosen ist von März auf April entgegen der üblichen saisonalen Entwicklung deutlich gestiegen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist dabei im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen: auf den schwächeren Austausch mit dem Beschäftigungssystem aber auch auf eine geringere Entlastung durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Zahlreiche Personen haben sich aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit neu arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig haben durch die Coronakrise deutlich weniger arbeitslose Personen eine Beschäftigung als saisonüblich aufgenommen. Auch die Abgänge aus Arbeitslosigkeit in eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme gingen zurück.

Dabei ist der Anstieg der Arbeitslosenzahl im Bereich des Sozialgesetzbuchs (SGB) III mit 1.570 auf 6.760 Betroffene deutlich höher als im SGB II-Bereich, wo sich die Arbeitslosenzahl um 370 Personen auf 3.070 erhöht hat. Dabei sind Frauen (+1.020) stärker vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Männer (+920).

Die Arbeitslosenquote allgemein kletterte gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent und liegt um 0,9 Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Vorjahres.

Vontra spricht über die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt: „Insgesamt haben sich im Betrachtungszeitraum 3.790 Personen neu oder erneut bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern arbeitslos gemeldet, 2.450 davon aus einem Beschäftigungsverhältnis. Dem gegenüber standen 1.830 Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben, 960 davon in Arbeit“, sagt der Geschäftsführer operativ und weiter: „Sie sehen, dass auf dem regionalen Arbeitsmarkt nach wie vor Bewegung herrscht. Die Mitarbeiter*innen der Arbeitsagentur und der Jobcenter stehen auch bei geschlossenen Türen in intensivem Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden: Sie beraten Arbeitnehmer*innen über deren berufliche Situation und übermitteln ihnen Stellenangebote, sie unterstützen Jugendliche bei deren Entscheidungen bezüglich Studien- und Berufswahl und sie sprechen mit Betrieben über deren Anliegen.“

Tourismus und Gastronomie extrem betroffen

Mit Blick auf die einzelnen Branchen, aus denen sich die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im vergangenen Monat arbeitslos gemeldet haben, sagt der Geschäftsführer operativ:

„Die Auswirkungen der Schließung von Gaststätten und Geschäften spiegelt sich auch im Anstieg der Arbeitslosigkeit wider: Die meisten Arbeitslosmeldungen erfolgten aus den Wirtschaftsbereichen Tourismus-, Hotel-, Gaststättenberufe (380), Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (230), Unternehmensführung, -organisation (200) und Verkauf (180)“, erklärt Vontra und fügt verhalten optimistisch hinzu: „Da sich besonders viele Arbeitnehmer*innen aus den vom aktuellen Shutdown besonders betroffenen Bereichen arbeitslos gemeldet haben, besteht die Hoffnung, dass diese schnell wieder eine Arbeit bekommen, wenn Geschäfte und Gastronomie wieder öffnen.“

Abschließend weist Vontra darauf hin, dass auch auf dem Stellenmarkt kein Stillstand herrscht: „Obwohl die Nachfrage nach Arbeitskräften z.B. im Gastgewerbe verständlicherweise abgenommen hat, ist der Stellenneuzugang nicht gänzlich eingebrochen. Die Betriebe aus dem Agenturbezirk haben dem Arbeitgeberservice im vergangenen Monat 440 neu zu besetzende Stellen gemeldet. Die Angebote stammen vor allem aus den Bereichen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (110), Gesundheits- und Sozialwesen (80), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz (50) und Verarbeitendes Gewerbe (40)“, so der Geschäftsführer operativ.

Der Arbeitsmarkt in den weiteren Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim:

  • Für die Stadt Rosenheim errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat 4,2; Vorjahr 3,9 Prozent). Derzeit sind 822 Bürger/innen ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, erhöht sich die Arbeitslosenzahl um 213 auf 1.002. Für 820 arbeitslose SGB II-Kunden, 97 mehr als im März, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2.123 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1.655 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

 

  • Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weist im April eine Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent auf (Vormonat 2,2; Vorjahr 2,0 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis liegt bei 978. Von der Gesamtzahl sind 1.469 Männer und Frauen, 408 mehr als vor einem Monat, in den Agenturen Bad Tölz und Wolfratshausen gemeldet. 509 Personen, 42 mehr als im März, sind beim Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen arbeitslos gemeldet. Insgesamt betreut das Jobcenter 1.856 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1.469 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

 

  • Im Landkreis Miesbach sind derzeit 735 Bürger arbeitslos gemeldet. Insgesamt errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent (Vormonat 2,6; Vorjahr 2,0 Prozent). Von den 1.735 Arbeitslosen sind 1.320 bei der Agentur für Arbeit in Holzkirchen gemeldet, 293 mehr als im Vormonat. Für die Betreuung der Arbeitslosengeld II – Empfänger nach dem SGB II ist der Landkreis Miesbach als “zugelassener kommunaler Träger” (optierende Kommune) zuständig. Bei diesem Landkreis Jobcenter sind 415 Arbeitslose, 40 mehr als im März, gemeldet. Insgesamt betreut das Jobcenter 1.029 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 825 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

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