Zu wenige Arbeiter beim Hopfenanleiten in der Hallertau

Seit mehreren Jahren bezieht die Schlossbrauerei Maxlrain ihren Hopfen exklusiv von ihrem Hopfenpflanzer Toni Wittmann in der Hallertau. Die Zusammenarbeit ist sehr eng, schließlich ist der Hopfen ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für die Maxlrainer Biere. Jetzt sprangen junge Brauer aus Maxlrain beim Hopfenanleiten in der Hallertau ein und konnten so dir dringend benötigte Hilfe leisten.

Foto: Toni Wittmann (l.) mit Jungbrauer Andreas Höhensteiger, der aus Aschau im Chiemgau stammt

Die Corona-Krise: Existenzängste auch bei den Hopfenbauern

Auch bei den Landwirten hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen, denn durch die geschlossenen Grenzen, stehen die qualifizierten Arbeiter aus dem benachbarten Ausland plötzlich nicht mehr zur Verfügung. 15 Arbeiter braucht Toni Wittmann, um Ende April/Anfang Mai die noch kleinen Hopfenpflanzen anzuleiten, d.h. an den Drahtseilen anzubinden. „Zehn meiner bewährten Helfer konnten kurzfristig nicht kommen. Vor allem aus Angst, sich mit Corona anzustecken, oder nach der Rückkehr erstmal in Zwangsquarantäne zu kommen.“

 

Die Jungbrauer von der Schlossbrauerei Maxlrain helfen beim Hopfenanleiten

Nachdem Maxlrains Braumeister, Josef Kronast, von der misslichen Lage erfahren hatte, sprach er mit seinen Jungbrauern Lukas Stecker und Andreas Höhensteiger, ob diese nicht Toni Wittmann für zwei Wochen auf dem Feld unterstützen könnten. „Wir sind voneinander abhängig und Partner, da muss man sich helfen. Wir benötigen den guten Hopfen von Toni Wittmann und sind froh, dass wir mit ihm einen Landwirt haben, der uns die von uns gewünschte Qualität liefern kann. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir versuchen zu helfen,“ sagt Josef Kronast. Die beiden Burschen waren auch gleich dabei und packten ihre Sachen. Auf seinem Hof hat Toni Wittmann für seine Arbeiter extra ein Nebenhaus gebaut und schöne Zimmer eingerichtet, so dass sich diese auch wohlfühlen und abends von der anstrengenden Arbeit erholen können.

 

Foto: Lukas Stecker arbeitet ebenfalls als Brauer Maxlrain und kommt aus Mietraching

 

Ein Wettlauf gegen die Zeit und deutlich höhere Kosten

Toni Wittmann war dankbar für die Unterstützung aus Maxlrain. „Ich habe mich sehr gefreut, dass mich die Brauerei unterstützt. Es dürfte einmalig sein, dass eine Brauerei zwei Burschen ihrer Braumannschaft für die Feldarbeit schickt!“

Toni Wittmann ist Optimist, muss aber doch eingestehen: „Das Anleiten des Hopfens ist gar nicht so einfach und sehr anstrengend. Wir fangen morgens um 7 Uhr an. Die ersten zwei oder drei Tage geht das so richtig ins Kreuz und man bekommt einen elendigen Muskelkater. Aber danach gewöhnt sich der Körper daran. Die meisten Helfer auf meinem Feld sind Neulinge und die schaffen am Anfang maximal 50% im Vergleich zu geübten Kräften. Das heißt, es wird dieses Jahr länger dauern und natürlich damit auch deutlich teurer werden. Für ein Feld wie dieses mit 1,3 ha brauchen wir jetzt 2 bis 3 Tage, normalerweise geht das in einem Tag.“

Und wie geht das mit der Abstandsregelung wegen Corona?

„Das Corona-Thema kommt erschwerend hinzu. Das ist zwar auf dem Feld kein Thema, weil die Arbeiter sowieso drei Meter Abstand zueinander haben. Normalerweise ist aber das Mittagessen eine gesellige und schöne Zeit. Mit den Abstandsregeln ist alles anders. Ein Nachbar von mir hat einen Partyservice, der uns täglich beliefert. Gegessen wird dann mit Abstand und in Schichten.“

 

„Hopfen-Anleiten“ – da weiß man am Abend, was man gemacht hat

Das Anleiten der noch kleinen Hopfenpflanzen an die 10 Meter langen Drähte ist der entscheidende Arbeitsschritt für deren Entwicklung. Ende April/Anfang Mai sprießt der Hopfen aus dem Boden. Jede Pflanze hat etwa 50 Triebe. Von diesen werden die drei Kräftigsten und Längsten herausgesucht und am Draht festgebunden. Die übrigen Triebe werden abgeschnitten. Nach 10 Tagen muss man kontrollieren, ob die Triebe noch fest an den Drähten sind, denn jetzt kann es sehr schnell mit dem Wachstum gehen. „Je nach Wetter wachsen die Triebe in drei Tagen bis zu 20cm in die Höhe. Da müssen wir genau kontrollieren, ob die Pflanzen noch an den Seilen sind.“

 

Foto: Tatkräftige Hilfe durch Maxlrains Jungbrauer in der Hallertau

Wie sind die Erwartungen der Ernte für 2020?

„Wie die Ernte wird, können wir jetzt noch nicht absehen. Für Hopfen ist Wärme entscheidend, wie beim Spargel. Aber der Hopfen braucht auch Wasser. Da die Sommer immer trockener werden, habe ich schon vor 10 Jahren eine künstliche Bewässerung angelegt. Sonst hätte ich die letzten Jahre ein großes Problem gehabt,“ erklärt Toni Wittmann. Der Johannistag gilt nach einer alten Bauernregel als entscheidend, um den Ernteerfolg beurteilen zu können. „Juchhe!“ schreit dann der Hopfen „droben“, sollte er die Gerüsthöhe von 10 Meter erreicht haben.

Alle Mitarbeiter aus Maxlrain wünschen Toni Wittmann alles Gute und hoffen, dass sich bis zur Erntezeit das Thema Corona entspannt hat. Denn dann werden wieder viele tatkräftige Hände gebraucht werden, um die Ernte einzufahren und den Hopfen zu verarbeiten.

Foto: Ein Zwickl nach getaner Arbeit als Belohnung