Der Kasperl protestiert

Seit Wochen geht nix mehr in der Veranstaltungsbranche. Künstler wie Publikum leiden unter den Maßnahmen aufgrund einer angeblichen Virus-Gefahr. Nachdem nun in vielen Bereichen die lange überfälligen Lockerungen passieren, gibt es bezüglich Veranstaltungen noch kein Licht am Ende des Tunnels. Das stinkt auch dem Chiemsee-Kasperl Stephan Mikat. Er hat deswegen einen offenen Protestbrief an die Politiker verfasst. Hier ist er … 

„Die Fußball-Liga kriegt eine Extrawurscht! Die unverfrorenen Kaufprämien-Forderungen der Automobilkonzerne, die zuvor bei Dieselautos dreist betrogen haben, sind Thema von Autogipfeln und Arbeitsgruppen! Der Einzelhandel darf in Kürze wieder ohne Quadratmeterbegrenzung öffnen. Und auch Gastronomie und Hotels haben endlich eine Perspektive, nachdem man sie zuvor fast hat bankrottgehen lassen.

WAS ABER IST MIT DER KLEINKUNST?

Was ist mit all den Kabarettisten, Comedians, DJs, kleinen Musikgruppen, Volksmusikgruppen, Privat- und Laientheatern? Und was ist mit uns Figuren- und Puppentheatern? Sind wir den Politikern und Politikerinnen wirklich so vollkommen egal? Offensichtlich! Es zeigt sich: Wer seinem Publikum das Leben spielerisch und mit Humor näher bringen will, dabei Optimismus vermittelt und die Freude am Leben, wer seinem Publikum einfach eine schöne Zeit machen will (und das alles meist nur für ein paar Euro als Gage), der ist nicht systemrelevant, der fällt durch alle Raster und ist den politischen Entscheidern wurscht!
Seit Beginn der ganzen Eierei um Lockerungen der Corona-Beschränkungen warten wir darauf, einmal etwas über Perspektiven für die Kulturschaffenden zu hören. Uns als Kasperltheater geht es dabei weniger um die großen, aus Steuermitteln finanzierten Schauspiel- oder Opernhäuser. Nicht dass wir uns falsch verstehen – die sind natürlich auch wichtig!

Aber Bühnen wie die unsere treten meist in kleinerem Rahmen auf und das, ohne am öffentlichen Tropf zu hängen.

Unsere eigenen regelmäßigen Spielstätten sind Wirtshäuser, Biergärten und Pfarr- oder Gemeinderäume. Aber was ist mit uns „Kleinen“? Nichts hören wir: nichts auf der Pressekonferenz der Bayerischen Staats-regierung am 5. Mai! Und auch nicht viel mehr als nichts am 6. Mai auf der Pressekonferenz der Bundeskanzlerin!

Und denkt dran, bei einem Kasperltheater bekommen wir den Mindestabstand besser hin, als auf jedem öffentlichen Spielplatz!!!

Wir brauchen eine Perspektive! LASST UNS ENDLICH WIEDER AUFTRETEN!

Beste Grüße vom Kasperl!”