Ohne Kunst wird’s still

Isarschiffer aus Feldkirchen-Westerham machen mit Lied auf die Lage der Künstler aufmerksam - Mit Video

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Die Corona-Krise trifft die gesamte Welt. Doch eine Sparte leidet unter den Beschränkungen, Verboten und ausgefallenen Veranstaltungen mit am meisten: die Künstler. Egal, ob Agenturen, Artisten, Fotografen, Musiker, Sänger, Schauspieler oder Veranstalter: ohne ein Publikum, dass sich auf einer Veranstaltung treffen kann, entfallen ihnen alle Einnahmen. Dabei ist es gerade die Kunst die in dieser Zeit die so notwendige Ablenkung von all den Nachrichten und dem manchmal einsamen Alltag bringt. Der momentanen Lage nach zu urteilen werden jedoch viele Künstler aufgeben müssen.

Das wissen auch Rainer Berauer (Die Isarschiffer) und Rolf Zollner, beides Musikkabarettisten. Sie sind zwei der rund 40 Mitglieder des Künstlerkollektivs Quarantänekunst, welches sich im März unter der Führung der Münchner Schauspielerin Christina Baumer gegründet hat und seitdem auf Facebook, Youtube und Instagram über 4.000 Follower mit Kunst aller Gewerke versorgt. Und sie wollen auf die prekäre Lage dieser und im Großen aller Künstler hinweisen. Denn: Soforthilfepakete wurden beschlossen, jedoch sind viele Kunstschaffende aufgrund fehlender Betriebsausgaben nicht förderberechtigt. Und ALG II zu beantragen für eine Notsituation, für die sie nichts können – das widerstrebt ebenfalls vielen. Also beschlossen Berauer und Zollner, mit verschiedenen anderen Musikern der Quarantänekunst ein Lied darüber zu schreiben und aufmerksam zu machen auf die Lage der Künstler. Denn, so heißt es im Refrain: „Ohne uns, ohne Kunst wird’s stad“.

Hier ist das Video dazu:

MundArtKünstler Bayern – Ohne uns werd's stad!

Wir, die Quarantänekunst, haben uns stets zurückhaltend gezeigt, was Politik angeht. Seit gestern können wir das nicht mehr; insbesondere die Künstler nicht, die aus Bayern stammen.Die Politik hat uns versprochen, dass sie die Kultur nicht im Stich lässt. Die Staatsregierung Bayern hat versprochen, uns zu helfen. Sie wollten das Kulturland Deutschland, den Kulturstaat Bayern erhalten.Was ist passiert? Speziell hier im Süden?Ein Soforthilfeprogramm, welches nur für Betriebsausgaben beantragt werden darf, die ein Großteil der Solokünstler gar nicht hat. Lebenshaltungskosten – da machst du dich strafbar, nimmst du das Geld dafür her. Dann ein Lichtblick: bis zu 1.000 Euro für KSK-Mitglieder, drei Monate lang für Lebenshaltungskosten, werden versprochen. Großer Jubel, Hoffnungen. Wir haben gedacht, der Staat denkt wirklich an uns.Dass es einen satten Monat gedauert hat, bis die Anträge dafür online waren – geschenkt. Und man hat das Programm sogar auf Nicht-Mitglieder, die in den Förderrichtlinien enthalten wären, ausgeweitet. Yay!Und wie sieht die Realität nun aus?Wer bereits Soforthilfe, auch nur für kleine Betriebsausgaben, beantragt hat, ist nicht berechtigt, die KSK-Hilfe zu beantragen. Wer etwa mit seinem Ehepartner zusammenlebt, der gerade so für das Existenzminimum aufkommen kann und man sich somit nicht in existenzieller Not befindet – ist nicht antragsberechtigt.Wer anderweitig vielleicht Gelder bekommt, die gerade so zum Leben reichen, aber bei weitem nicht für lange – bekommt nichts oder nur einen Bruchteil.Und wer trotzdem nach all diesen Dingen immer noch nicht existenzgefährdet ist, weil etwa seine/ihre Familie unterstützend zur Seite springt – ist nicht existenzgefährdet und bekommt kein Geld.Liebe Staatsregierung,wir sind enttäuscht. Wütend, und enttäuscht. Ministerpräsident Markus Söder hat uns als systemrelevant bezeichnet – viel merken tun wir davon nicht. Stattdessen werden wir hingehalten, im Regen stehen gelassen, und sollen uns ja freuen, dass es Konzepte für die Öffnung von Bühnen und Konzertsälen gibt, die in keinem Rechnungsmodell auch nur irgendwie wirtschaflich tragbar sind.Aber wisst ihr was?Wir kämpfen. Wir bleiben standhaft. Egal, wie ihr uns die Unterstützung verweigert/erschwert, egal, wie ihr anderen Zweigen unter die Arme greift: der Autoindustrie, dem DFB oder gar der Lufthansa (9 Milliarden Unterstützung – und die gesamte Kunst- und Kulturbranche bekommt 200 Millionen. Die Kulturbranche mit den meisten Arbeitsplätzen in Deutschland ist ja nicht so erheblich wie die Notwendigkeit, Urlaubsflieger vollzupferchen.): wir sind immer noch hier. Denn ohne uns, ja ohne Kunst wird's stad. Stad und fad.Wir sind Künstler. Und wir hören nicht auf, sondern wir kämpfen um unsere Berufe. Und genau aus diesem Grund haben sich die MundArtKünstler aus Bayern, ein Teil unseres Künstlerkollektivs Quarantänekunst, zusammengetan, und eine Hymne geschrieben und produziert: "Ohne uns". Rainer Berauer mit seiner Urkult-Produktion hat dieses Werk auf die Beine gestellt, und wir schicken es hinaus in die Welt, um euch allen zu zeigen: wir sind enttäuscht von euch Oberen, dass ihr uns einfach hängen lasst. Aber wir sind voller Hoffnung und Mut, dass die Menschen dort draußen uns nicht vergessen werden, dass die Menschen in diesem Land uns Künstler unterstützen werden, wenn es der Staat nicht will. Denn, wie sagt unser Partner, die #Kulturquarantäne: Wir sind Kultur. Und wir sind viele. Unsere österreichischen Freunde haben gestern eine Großdemonstration in Innsbruck gegen das Vergessen der Kultur abgehalten. Heute sind wir dran. Wir lieben euch und schicken euch weiter Videos.Liebe GrüßeDas Team der Quarantänekunst

Gepostet von Quarantänekunst am Donnerstag, 21. Mai 2020

 

Die Kontaktbeschränkungen einhaltend, wurde der Song unter der Federführung von Berauer und Zollner komponiert, von jedem bei sich zu Hause eingespielt, eingesungen und ein Musikvideo gedreht. Die teilnehmenden Künstler sowie Gäste aus dem Kollektiv zeigen darin, wie die Langeweile und die Einsamkeit einkehrt, wenn die Kunst nicht mehr da ist. Mit dabei sind bekannte bayerische SängerInnnen wie Viktoria Lein, Tom Gubik, Andrea Limmer, die Isarschiffer (Rainer und Doro Berauer), Horst Eberl, Rolf Zollner und Bernie Maisberger. Auch aus anderen Bundesländern beteiligen sich KünstlerInnen verschiedenster Gewerke an diesem Lied.

Es bleibt die Hoffnung, dass neben der Rettung des Fußballs und der Wirtschaft auch der zweitertragreichste Umsatzgenerator Deutschlands, die Kultur, welche zusätzlich die meisten Arbeitsplätze in Deutschland stellt, sowohl von Politik als auch vom Publikum nicht vergessen wird. Die Quarantänekunst und ihre Mitglieder leisten dazu ihren Beitrag. Denn, so sagt Rainer Berauer: „Mit der Kultur ist es wie mit der Heimat. So richtig geschätzt wird sie erst, wenn man sie verliert.“

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