„Strenge, gesetzliche Vorgaben”

Experte aus Rott: Richtiger Umgang mit Hände-Desinfektionsmitteln ist wichtig!

image_pdfimage_print

Nun stehen sie da. Oder hängen an der Wand. Überall. Sogar der Bauhof der Stadt Bad Aibling hat welche gebaut und verteilt diese an Geschäfte. Desinfektionsmittelspender. Aufgrund der Coronasituation stellen viele Kommunen, Gaststätten, aber auch Betriebe als „Serviceleistung“ für ihre Besucher Spender für Desinfektionsmittel auf. „An sich eine gute Idee, denn die Hände sind der häufigste Keimüberträger. Eine gute Händehygiene zählt daher zu den wichtigsten Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen. Dabei gilt es aber zu beachten, dass der Umgang mit Hände-Desinfektionsmittel an strenge, gesetzliche Vorgaben gebunden ist”, sagt Manfred Gebert von „Blaulicht.de”. Er ist nicht nur Experte für Feuerwehr- und Rettungstechnik, sondern auch für Covid-Schutzprodukte.

„Ich habe schon viele unbeschriftete Flaschen oder einfach umfunktionierte Seifenspender gesehen. Besonders in der jetzt öffnenden Gastronomie“, sagt Gebert. Besonders im beruflichen und unternehmerischen Umfeld seien dabei aber einige Fallstricke zu beachten, denn Desinfektionsmittel dürften zur Abgabe an Dritte nicht einfach so umgefüllt werden.

„Viele wissen gar nicht, dass sie sich damit strafbar machen.“

Der Experte: „Durch das Umfüllen wird der Abfüller nämlich zum Hersteller und übernimmt damit nicht nur die Produkthaftung, sondern macht sich sogar unter Umständen strafbar, weil das Umfüllen aus einem Großgebinde in einen kleineren Spenderbehälter rein rechtlich als Herstellungsprozess gewertet wird. Außerdem müssen auch die Verpackung und deren Kennzeichnung einigen Anforderungen stand halten.”

„Natürlich darf man für den Eigenbedarf umfüllen.“

Eine Herstellung liege rein rechtlich nicht vor, wenn die Person, die das Desinfektionsmittel umfüllt, mit dem Verwender identisch sei. Das Gleiche gelte im Wesentlichen auch für Betriebe, Arztpraxen oder auch für Vereine zur Abgabe an ihre Mitglieder. „Aber sobald externe Personen Zugriff auf das Händedesinfektionsmittel haben, ist man fällig. Außerdem muss man unterscheiden: Es gibt Händedesinfektionsmittel nach Arzneimittelrecht und welche nach Biozid-Verordnung“, so Gebert.

Je nachdem, welche Zulassung zu Grunde liege, sei ein Umfüllen teilweise sogar zulässig, „da zum Beispiel ein Arzt die ausschließliche Verfügungsgewalt über ein Arzneimittel hat und sein Personal das umgefüllte Produkt unter dessen Verantwortung anwendet. Grundsätzlich muss jedoch beim Umfüllen beachtet werden, dass dies unter saubersten Bedingungen zu erfolgen hat und dass die neu verwendeten Behältnisse entsprechend aufbereitet und gekennzeichnet sind – Bezeichnung des Präparats, Chargen-Nummer, Verfalldatum, Warnhinweise, Anwendungshinweise und so weiter.”

Der Experte weiter: „Aber die Produkthaftung bleibt in jedem Fall, das heißt, jeder Gast, der ein umgefülltes Händedesinfektionsmittel benützt, könnte den Wirt wegen einer möglichen Hautirritation belangen. Durch das Umfüllen erlischt die Produkthaftung des Herstellers und geht auf den Abfüller – das heißt auf den Mitarbeiter und letzten Endes damit auf den Unternehmer – über. Daher wird von Gesundheitsämtern, Fachgesellschaften und auch von den Herstellern empfohlen, für Hände-Desinfektionsmittel auf Einmalgebinde zurückzugreifen.”

Das Robert-Koch-Institut empfehle sogar für Gesundheitseinrichtungen die Verwendung von Einmalflaschen zur Händehygiene. Hände-Desinfektionsmittel dürften zwar aufgrund des Arzneimittelgesetzes unter aseptischen Bedingungen in einer Apotheke nachgefüllt werden, „aber selbst da kann die einwandfreie Qualität und Unbedenklichkeit des Desinfektionsmittels nicht immer gewährleistet werden. Die beste Lösung ist daher, nur Desinfektionsmittel aus Originalgebinden zu verwenden.”

Gebert:  „Die beste und hygienischste Lösung sind wechselbare Kartuschen, bei denen die komplette Pumpeneinheit mit ausgetauscht wird. Auch die Spendersysteme selbst müssen vor der Wiederbefüllung gereinigt werden, weil sich in den Pumpen zum Beispiel Pilzsporen sammeln können und somit das beste Desinfektionsmittel unbrauchbar wird.”

Die Industrie biete für den Verbraucher einfache, hygienische Lösungen an, die einerseits die Handhygiene fördern und andererseits den Anbieter rechtlich nicht im Regen stehen lassen.

In den meisten Fällen genüge zwar schon eine gründliche Handreinigung mit Seife und Wasser, „aber wenn Händedesinfektionsmittel zur Abgabe an Dritte angeboten werden, dann muss dies den rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Um dafür die richtigen Produkte zu erhalten, hilft eine fundierte Beratung durch den Fachhandel.”

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren