Offener Brief und ein weiterer Hilferuf der Wirte

Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur: Gastronomie kann unter den derzeitigen Auflagen nicht funktionieren

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Nach einem wochenlangen Shutdown sind jetzt Teile der Gastronomie unter
einschneidenden Auflagen wieder geöffnet. Unter diesen vorgeschriebenen Corona-
Maßnahmen ist wirtschaftliches Handeln für die Betriebe jedoch nicht möglich. In einem offenen Brief hat sich daher der Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) jetzt an die Bayerische Staatsregierung gewandt. Darin fordert der Verein, die derzeitigen Regelungen der positiven Entwicklung des Infektionsgeschehens anzupassen, um ein weiteres Wirtshaussterben zu verhindern.

„Ein Großteil der Gastronomie hat nach dem wochenlangen Shutdown nun bereits seit 18. Mai wieder geöffnet“, sagt VEBWK-Geschäftsführerin Dr. Ursula Zimmermann, „die Sorge der Regierung, die Infektionszahlen könnten dadurch wieder ansteigen, hat sich nicht bewahrheitet. Allerdings kämpfen unsere Wirte noch immer um Ihre Existenz.“ Der Grund dafür: Die einschneidenden Corona-Auflagen, die ein wirtschaftliches Handeln der
Gastronomen verhindern.

„Laut Schätzungen des DEHOGA stehen bundesweit 70.000 Betriebe, das entspricht einem Drittel unserer Gastronomie, vor dem existentiellen Aus“, so Dr. Zimmermann, „nach den wochenlangen Schließungen fehlten der Branche bereits Ende Mai rund 18 Milliarden Euro Umsatz. Trotz der Wiedereröffnung von Teilen der Gastronomie kann dieser Verlust nichtmehr eingeholt werden. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der Abstandsgebote und Hygienevorgaben liegen die derzeitigen Umsätze bei lediglich 50 bis 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr!“ Damit steht Bayern und ganz Deutschland ein
Wirtshaussterben ungekannten Ausmaßes bevor. Tausende Arbeitsplätze sind in akuter
Gefahr.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der VEBWK sich jetzt mit einem offenen Brief an die Bayerische Staatsregierung gewandt. Darin erklärt der Verein die derzeitige Situation, weist auf die Folgen des Shutdowns und der Kontaktbeschränkungen für die Gastronomie hin und fordert dringend, die derzeitigen Regelungen den positiven Entwicklungen des Infektionsgeschehens anzugleichen. „Unsere bayerische Wirtshauskultur lebt von Geselligkeit, von Stammtischen, Kartenrunden und Feiern mit Freunden und Familien“, sagt der VEBWK-Vorsitzende Franz Bergmüller, „das können die Gastronomen ihren Gästen derzeit nichtmehr ermöglichen.“ Ganz im Gegenteil müssen die Wirte sogar einschreiten, wenn Stammgäste sich nicht an die Regeln halten. Dafür haben viele Gäste jedoch kein Verständnis.

„Der wochenlange Shutdown und das zögerliche Wiederhochfahren der Gastronomie ist für die Branche ein finanzielles Desaster“, so Bergmüller, „Wirte sehen sich gezwungen,
Mitarbeitern zu kündigen, da Touristen, das so wichtige Bankettgeschäft und auch die
Mittagsgäste ausbleiben. Auch die Einnahmen aus ‚To Go‘ Angeboten fallen jetzt weg. Nach einer anfänglichen Welle der Solidarität mit den örtlichen Gastronomen, gehen die
Einnahmen daraus seit den ersten Öffnungen stark zurück, allerdings ohne dass dieser
Verlust durch vermehrten Besuch von Lokalen wieder ausgeglichen werden würde.“ Hinzu kommt auch die Zukunftsangst der potentiellen Gäste. Viele Haushalte müssen seit dem Corona-Shutdown mit deutlich weniger Haushalteinkommen auskommen.
Restaurantbesuche haben dann keine Priorität mehr.

„Zusätzlich sehen wir uns zunehmend mit dem Thema der Schwarzgastronomie konfrontiert“, berichtet der Vereinsvorsitzende, „wenn in Städten Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern stattfinden, teilweise ohne Mundschutz und Mindestabstand, können immer mehr Menschen nicht mehr nachvollziehen, wieso in der Gastronomie weiterhin strikt an den strengen Auflagen festgehalten wird.“ Das Resultat dieser Unzufriedenheit sind Treffen und Feiern in nicht kontrollierten Räumen.

„Wir fordern die Bayerische Staatsregierung und dabei besonders unseren
Ministerpräsidenten Markus Söder dringend dazu auf, die Corona-Auflagen der derzeitigen Infektionssituation anzupassen und entsprechend zu lockern“, sagt Dr. Ursula Zimmermann, „wir erleben keine erhöhten Zahlen bei Neuinfektionen durch die Wiedereröffnung der Gastronomie, allerdings sehen wir deutlich, wie die durch die Coronakrise ohnehin so stark betroffenen Branche sehenden Auges an die Wand gefahren wird. Das dürfen wir nicht zulassen!“

Konkret setzt sich der VEBWK in seinem Brief unter anderem für eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen und Abstandregeln, eine dauerhafte Senkung des
Mehrwertsteuersatzes für Speisen und Getränke in der Gastronomie, eine  Wiederaufnahme des Bankettgeschäfts, sowie eine schnelle Öffnung der bisher noch geschlossenen Teile der Branche, beispielsweise Kneipen, Bars und Clubs, ein. Zudem muss laut dem Verein dringend die Mundschutzpflicht für Bedienungen fallen und die Öffnungszeiten müssen ausgeweitet werden. Um den finanziellen Schaden auch nur halbwegs auszugleichen, soll außerdem ein umfassender Rettungsschirm für die Gastronomie eingeführt werden. „Unser Gastgewerbe ist das Herzstück des Bayerntourismus und damit mit eine bayerische Leitökonomie“, sagt Dr. Ursula Zimmermann, „wir appellieren dringend an die Bayerische Staatsregierung, jetzt zu handeln. Morgen ist es vielleicht schon zu spät.“

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