Ozapft is!

Corona-Monitoring des RKI in Bad Feilnbach gestartet - Bürgermeister Anton Wallner als erster Teilnehmer der Studie

image_pdfimage_print

Der erste Mann im Rathaus war am Dienstag auch der erste Teilnehmer, der beim Corona-Monitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum PCR- und Antikörpertest Platz nahm. Bürgermeister Anton Wallner (Foto) wurde, wie so viele andere Bürger aus Bad Feilnbach auch, per Zufallsgenerator ausgewählt und angeschrieben – und er willigte freiwillig ein, sich auf das Corona-Virus testen zu lassen. Er gab damit sozusagen den medizinischen Startschuss zu einer großangelegten Studie, bei der rund 2.000 Gemeindebürger auf Viren und Antikörper untersucht werden sollen.

Zuvor erklärte Wallner auf der Pressekonferenz am Vormittag, dass er sich mit der Gemeinde sofort beim RKI beworben habe, als er erfuhr, dass das RKI ein derartiges Monitoring in vom Virus besonders betroffenen Orten plane. „Uns hat die Pandemie in einem frühen Stadium mit voller Wucht erwischt”, gab er zu. Auch er selbst war betroffen: Nachdem ein Familienmitglied mit dem Corona-Virus infiziert war, ging er nach der Kommunalwahl freiwillig in Quarantäne. „Auch wenn ich es als Bürgermeister nicht gerne höre, aber wir waren ein sogenannter Hotspot.”

Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei, seit Anfang Mai werden in der Gemeinde kaum noch neue Fälle gemeldet, der Höhepunkt, an dem es 159 Infizierte in Bad Feilnbach gab, ist längst überschritten. Doch gerade, um festzustellen, wie sich das Virus verbreitet hat, wer Antikörper gebildet hat und in welchen Bevölkerungsschichten Corona besonders präsent ist, wollte Bad Feilnbach bei dieser Studie mitmischen. „Wir wollen Klarheit”, sagte Wallner.

Die erhofft sich auch Professor Bernhard Liebl (Foto), Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Für ihn ist es jetzt die geeignete Zeit. „In Bayern haben wir derzeit etwa 20 oder 30 bis maximal 100 neue Fälle pro Tag”, sagte er. „Ende März bis Mitte April waren es rund 2.000 Neu-Infektionen täglich. Deshalb müssen wir jetzt die Zeit nutzen, um das Geschehene aufzuarbeiten und das Virus besser kennen zu lernen.” Das Monitoring soll darüber Aufschluss geben, ob sich der Körper schon mit dem Virus auseinander gesetzt hat. Vor allem wollen die Beteiligten sehen, wie hoch die Dunkelziffer an Infizierten war. Liebl: „Das kann über den Antikörpertest abgebildet werden.”

Landrat Otto Lederer pflichtete ihm bei: „Wir erhoffen uns ein Stück weit Aufklärung.”

Dr. Wolfgang Hierl (Foto r.) vom Gesundheitsamt Rosenheim ließ noch einmal die vergangenen Wochen Revue passieren, in denen seine Mitarbeiter und er rund 3.500 Überstunden gemacht hätten, um der Lage einigermaßen Herr zu werden. „Den ersten Fall gab es am 29. Februar, da hatte sich eine Person beim Skifahren in Südtirol angesteckt. Und dann kam buchstäblich eine Lawine auf uns zu. Am 17. März hatten wir im Landkreis noch etwa zehn neue Fälle am Tag, am 25. März waren es dann schon 250 tägliche Neuinfektionen. Da war es uns einfach nicht mehr möglich, alle Ansteckungsketten zurückzuverfolgen.” Auch hier soll jetzt die Feilnbacher Studie etwas Licht ins Dunkel bringen. Trotz allem Stress kann Hierl dieser Zeit auch seine positiven Seiten abgewinnen: „Wir hatten im Gesundheitsamt ein extrem gutes und kollegiales Miteinander.” Und er fügte mit Blick auf seine Tischnachbarn hinzu: „Ich fühle mich hier wohl zwischen dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und dem RKI – das waren immer zwei starke und verlässliche Partner.”

Dr. Thomas Lampert (Foto l.) vom RKI bedankte sich ebenfalls über die gute Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern, bemerkte aber, dass er und seine Kollegen in der Vergangenheit natürlich nur die positiven Testergebnisse übermittelt bekommen haben. „Mit diesem Monitoring erhoffen wir uns deshalb noch genauere Zahlen”, sagte er. Vor allem die Dunkelziffer für das RKI interessant. Lampert: „Wir gehen von einer tatsächlichen Infektionsrate aus, die bis zu fünfmal höher ist.” Ein Ergebnis soll in etwa zwei Monaten vorliegen. Seine Hoffnung: „Mitte bis Ende August gibt es dann sehr verlässliche Aussagen zu den Infektionen in Bad Feilnbach.”

Lamperts Kollegin Dr. Claudia Santos-Hövener (Foto o.), die die Studie in Bad Feilnbach leitet, zeigte sich zuversichtlich: „Es haben sich schon rund 1500 Teilnehmer gemeldet, die sich testen lassen wollen.” Damit die Tests reibungslos und ohne längere Wartezeiten ablaufen, ist zuvor eine Anmeldung per Telefon oder Internet nötig. Die Kapazitäten sind geschaffen: Das RKI ist mit zwei Testbussen vor der Blumenhof-Klinik stationiert, dazu gibt es noch zwei Räume in der Klinik, und auch an Menschen, die schlecht mobil sind, hat das RKI gedacht. „Wir machen für die Tests auch Hausbesuche”, erklärte Santos-Hövener. Bis zum 4. Juli soll noch getestet werden, und wie die allererste Monitoring-Blutabnahme beim Bürgermeister zeigte: Ozapft is!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren