„Digitalisierung und 5G“

Gut besuchter Vortrag von  Professor Dr. Werner Thiede in der evangelischen Emmauskirche in Feldkirchen - erhebliche Bedenken gegen Einführung des 5G-Mobilfunkstandards

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Auf reges Interesse am Thema „Digitalisierung und 5G“ stieß am Sonntag ein Vortrag des Theologieprofessors und Ruhestandspfarrers Werner Thiede. Denn in Feldkirchen-Westerham, Bruckmühl und Bad Aibling ist der Mobilfunkstandard der 5. Generation bereits verfügbar –  laut Webseite der Telekom. Obwohl das Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO jede Art von Mobilfunkstrahlung als möglicherweise krebserzeugend eingestuft hat, wurde der Ausbau vorgenommen, ohne die Anwohner einzubeziehen.

Thiede erklärte, dass sich die Strahlungsart bei 5G durchaus von den vorhergehenden Standards unterscheide: Es handele sich beispielsweise um ein deutlich höheres Pulsationsniveau; viele zusätzliche Sende­an­lagen mit oft höheren Fre­quen­zen würden die Strah­lungs­in­ten­sitäten verändern. Die Pläne von Politik und Konzernen sähen eine flächendeckende „Versorgung“ mit dem 5G-Netz vor. Dazu solle auch der Einsatz von Satelliten beitragen. Mit 5G und eines Tages mit 6G drohe zudem endgültig eine weltweite Datenkontrolle und somit der gläserne Mensch. Totalitären Regimen wären verstärkt Tür und Tor geöffnet, was in der Volksrepublik China heute schon zu beobachten sei.

Thiede kritisierte den weit verbreiteten „naiven Fortschrittsglauben“, der die sich zuspitzende Entwicklung möglich gemacht habe. „Fortschritt muss gestoppt werden, wenn er sich in die falsche Richtung bewegt“, mahnte er. Auch Papst Franziskus fordere eine Ökologische Wende, bei der die Technik den Menschen zu dienen habe und nicht umgekehrt.

Warnungen und Einwände vieler bekannter, hochqualifizierter Wissenschaftler rund um die Welt würden weitestgehend ignoriert. Die EU habe mit dem Vorsorgeprinzip gebrochen. Normalerweise werde alles eingehend geprüft, bevor es in Verkehr gebracht werden darf, aber bei 5G stehe eine Technikfolgenabschätzung noch aus,

Deshalb forderte der ethisch engagierte Publizist, dass die Kirchen im Zusammenhang mit 5G sich den Forderungen von Ärzten und Umweltverbänden nach einem Moratorium vor dem weiteren Ausbau anschließen sollten. Er forderte  dazu auf, die Grundrechte wie etwa die körperliche Unversehrtheit, die Unverletzlichkeit der Wohnung und die informationelle Selbstbestimmung  zu verteidigen. Ohnehin sei rund die Hälfte der Bevölkerung kritisch gegenüber dem laufenden Mobilfunk-Ausbau eingestellt. Mit 5G werde auch der stark wachsende Energiebedarf von Rechenzentren deutlich ansteigen.

Die abschließende Diskussion der über 50 Anwesenden zeigte, dass eine große Mehrheit die Bedenken des Referenten nachvollziehen konnte. Eingeladen hatten zu dem Vortrag mit Diskussion die Evangelische Kirchengemeinde Bruckmühl/ Feldkirchen-Westerham und das Evangelische Bildungswerk Rosenheim mit Unterstützung durch die Agenda 21. Der Büchertisch bot verschiedene Bücher und Broschüren des Referenten zum Thema. Text: Reinhard Hoffmann

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