Haus verkauft für Reise ins Traumland

Wieder mussten junge Männer aus Afghanistan in einem Lkw zwischen der Ladung ausharren

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Ein fast identischer Fall wie erst einen Tag zuvor (wir berichteten): Fünf afghanische Migranten haben offenbar zwei Tage und zwei Nächte lang in einem Lkw-Auflieger zwischen der Ladung (Foto) ausharren müssen. Bislang unbekannte Schleuser hatten offenbar in Rumänien für jeweils bis zu 2.500 Euro diese höchst gefährliche Etappe nach Deutschland organisiert. Die Fahndung läuft auf Hochtouren. In einem Gewerbepark im Landkreis waren gestern beim Entladen eines Lkw-Aufliegers plötzlich fünf junge Männer auf der Ladefläche entdeckt worden …

Offenbar hatten sich die Afghanen, darunter zwei Minderjährige, dort zwischen den Palettenkisten versteckt. Nach Erkenntnissen der Bundespolizei in Rosenheim sind skrupellose Schleuser für diese lebensgefährliche Fahrt bei niedrigen Temperaturen von Rumänien nach Deutschland verantwortlich, so die Beamten heute.

Als die Geschleusten von dem Lkw-Fahrer gestern entdeckt wurden, sprangen sie unvermittelt von dem Auflieger und rannten davon. Ein Zeuge, der den Vorfall beobachtet hatte, verständigte die Polizei.

Kurze Zeit später wurden die Geflüchteten von Beamten der Rosenheimer Polizeiinspektion in der Nähe des Gewerbeparks in Gewahrsam genommen. Der bulgarische Fahrer versicherte, nicht gewusst zu haben, dass sich Menschen zwischen den Paletten befunden hätten. Dementsprechend bestätigten die Migranten, dass ihnen der Zutritt zur Ladefläche in einer „Nacht- und Nebelaktion“ heimlich ermöglicht worden war.

Die zwei Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren sowie die drei jungen Männer – 18, 22 und 29 Jahre alt – wurden zur Bundespolizei-Dienststelle nach Rosenheim gebracht.

Im Anschluss an ihre Versorgung schilderten sie den Ermittlern, dass sie die Flucht aus ihrer Heimat schon vor Monaten angetreten hätten. Der Älteste von ihnen erklärte, sogar sein Haus verkauft zu haben, um die Schleuser bezahlen zu können.

Übereinstimmend schilderten die fünf afghanischen Staatsangehörigen, dass sie unabhängig voneinander über die Türkei nach Europa gekommen wären. Die Fahrt auf der Ladefläche sei die letzte Etappe gewesen.

Allein hierfür hätten die Schlepper zwischen 2.000 und 2.500 Euro pro Person verlangt.

Einer der Schleuser habe sie in Rumänien nachts zu dem Lastkraftwagen geführt und die Plane des Aufliegers geöffnet. Nachdem alle hineingeklettert waren, habe der Unbekannte diese wieder von außen verschlossen. Zwei Tage und zwei Nächte mussten die fünf Afghanen eigenen Angaben zufolge in dem geschlossenen Anhänger zwischen der Ladung versteckt zubringen.

Nach Abschluss der erforderlichen polizeilichen Maßnahmen konnten die zwei Minderjährigen heute in Rosenheim der Obhut des zuständigen Jugendamtes anvertraut werden.

Der 29-Jährige Afghane wurde einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge zugeleitet.

Dagegen müssen die beiden anderen jungen Männer das Land wohl bald wieder verlassen. Bei Nachforschungen der Bundespolizei stellte sich heraus, dass sie bereits vor einigen Monaten von Aufnahmebehörden in Griechenland beziehungsweise Rumänien registriert worden waren. Daher werden sie voraussichtlich in diese Länder zurückgeschoben werden.

Foto: Bundespolizei

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