„Kein Randphänomen mehr”

Gewerkschaft: „Niedriglöhne gehören in Südostoberbayern zum Alltag"

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Der DGB Oberbayern prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor in Südostoberbayern an. Mit 17,1 Prozent ist das Niedriglohnrisiko hier höher als im gesamten Freistaat (15,2 Prozent). Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.


Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer des DGB Oberbayern hierzu: „Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Oberbayern Alltag für rund 185.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden.“

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine in Südostoberbayern rund 42.000 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (34,4 Prozent). Aber auch in den Wirtschaftszweigen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (25,1) sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (19,9) erhalten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde.

„42.000 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in Südostoberbayern. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, so Günter Zellner weiter.

Für den DGB Oberbayern ist klar: Es ist dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssen daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden.

Günter Zellner hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Auch in der Region Ingolstadt brauchen wir daher als Anfang eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping.“
Darüber hinaus müssen atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden.

„Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren. Wir brauchen wieder ein Mehr an Guter Arbeit“, so Günter Zellner abschließend.

Zur Region Südoberbayern gehören die Landkreisee Bad Tölz, Miesbach, Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf und die Stadt Rosenheim.

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