Morgen ist der Welt-Adipositas-Tag

Aber was führt zu krankhaftem Übergewicht? Ein Gespräch mit Dr. Stefan Schopf, Chefarzt der RoMed-Klinik Bad Aibling

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Adipositas ist eine von vielen chronischen Erkrankungen, die unsere Lebenszeit verkürzen und jede Menge Kosten im Gesundheitssystem verursachen. Die WHO bezeichnete schon 2008 Adipositas als eine Epidemie, von der sowohl Industriestaaten, als auch Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen sind. Schätzungen gehen von etwa 300 Millionenadipösen Erwachsenen weltweit aus. „Der nachhaltige Verlust von krankhaftem Übergewicht erfordert immer eine Lebensstiländerung. Eine solche Veränderung ist ohne professionelle Hilfe allein selten möglich“, so Privatdozent Dr. Stefan Schopf, Chefarzt der Chirurgie und Leiter des Adipositaszentrums an der RoMed-Klinik Bad Aibling.

Auslöser für krankhaftes Übergewicht

Die Ursachen für die Entwicklung krankhaften Übergewichts sind vielfältig. Auslöser sind bei weitem nicht nur Fastfood und Bewegungsmangel – die genetische Exposition zu Übergewicht oder ein aus der Balance geratenes Mikrobiom können genauso zur Adipositas führen wie hormonelle Störungen der Schilddrüse und Nebenniere oder einfach eine Seele, die „zu viel zu verdauen“ hat. Doch hat das Übergewicht einmal eine kritische Schwelle überschritten, so ist der Weg zurück zu einem normalen Gewicht sehr schwer. Ursache für eine unkontrollierte Gewichtszunahme sind unter anderem die aus der Balance geratenen Botenstoffe des wuchernden Fettgewebes.

Folgen der Adipositas

Die häufigste Todesursache adipöser Menschen sind die insgesamt 60 durch Adipositas ausgelösten Erkrankungen – in erster Linie kardiovaskuläre Erkrankungen wie der Herzinfarkt und Krebserkrankungen. Aber auch das Leben mit Adipositas ist nicht leicht. So berichten Betroffene immer wieder über Spott und Mobbing, sind unbeweglich und haben Probleme im Alltag – vom Treppensteigen bis hin zum unbeschwerten Spielen mit den eigenen Kindern. Betroffene stoßen nicht immer auf Verständnis für ihre Erkrankung und werden meist selbst als Verantwortliche gesehen.

Kann man Adipositas behandeln?

Dr. Stefan Schopf, Chefarzt der Chirurgie und Leiter des Adipositaszentrums an der RoMed-Klinik Bad Aibling. „An unserer Klinik koordinieren wir ein gemeinsames Programm verschiedener Fachrichtungen zur Gewichtsreduktion unter professioneller Anleitung. Wir nennen das das Multimodale Therapiekonzept, kurz MMT. Die Behandlung dauert 6 Monate. Die zentrale Säule beim MMT ist die Ernährungsberatung“, erklärt der Spezialist. Neben der konservativen Behandlung besteht in Bad Aibling auch die Möglichkeit einer bariatrischen Operation – die Chirurgie der Adipositas, die mit allen angebotenen Verfahren leitliniengerecht durchführt wird. Die operative Behandlung wird heute fast ausschließlich minimal-invasiv durchgeführt. Langzeitauswertungen hierzu zeigen eine deutliche Verlängerung der Lebenserwartung und Überlegenheit gegenüber der konservativen Therapie.

Gemeinsam gegen eine chronische Erkrankung

Es sei ihm ein besonderes Anliegen zum heutigen Welt-Adipositas-Tag für das Verständnis einer Erkrankung zu werben, mit der die Betroffenen viel offensichtlicher stigmatisiert sind als beispielsweise Patienten mit einem hohen Cholesterinspiegel oder einem hohen Blutdruck. „Patienten mit Adipositas sind selten gern übergewichtig und freuen sich bestimmt nicht einer geringeren Lebenserwartung entgegenzublicken. Es bedarf keines Spotts und keiner Ausgrenzung, sondern der Hilfe und Unterstützung für die Patienten auf ihrem Weg aus der Erkrankung“, so der Chefarzt und appelliert dafür, die Adipositaschirurgie in Deutschland häufiger und früher einzusetzen.

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