Traunsteins Landrat legt „Fünf-Punkte-Plan aus der Pandemie" vor - Rosenheims Landrat nimmt Stellung

Traunsteins Landrat Siegfried Walch (Foto) hat ein Konzept für eine geänderte Corona-Öffnungssystematik vorgelegt. Sein Vorschlag: Öffnen nach Impffortschritt, weg vom reinen Handeln nach Inzidenz-Werten. „Wir legen jetzt ein eigenes Konzept vor, um damit einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Derzeit gibt es meiner Meinung nach nicht nur eine medizinische und systemische Krise, sondern mittlerweile auch eine psychologische Krise, weil den Menschen eine verlässliche Perspektive fehlt“, so Walch. Rosenheims Landrat Otto Lederer hält die Idee seines Kollegen zu einer Neuausrichtung der Corona-Öffnungssystematik für sinnvoll.

Lederer (links): „Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern einen Weg aus den Beschränkungen und den Verboten bieten, einen Weg zurück zu mehr Normalität, den sie selber aktiv mitgehen können.“

Zentraler Punkt der Konzeption des Landkreises Traunstein ist, den Fokus bei den Entscheidungen über weitere Lockerungen nicht allein auf die Zahl der 7-Tage-Inzidenz zu legen, sondern vor allem auf den Fortschritt der Schutzimpfungen. „Die Impfungen sind die einzige Langzeitstrategie aus der Pandemie zurück in die Normalität. Das Konzept des Landkreises Traunstein ist ein guter Ansatz, der nun von Politik und Wirtschaft weiterverfolgt und konkretisiert werden sollte“, sagt Lederer. Die darin genannten Maßnahmen und Zeiträume sind lediglich als Beispiel zu verstehen und sollten jetzt von Virologen, Medizinern und Juristen diskutiert werden.

 

Zu Beginn der Pandemie gab es die Möglichkeit der Impfungen noch nicht. Ein Lockdown, strenge Kontaktbeschränkungen und Regeln waren die einzigen Mittel, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen und damit auch die Gefahr schwerer Verläufe und Todesfälle. Je mehr Menschen der vulnerablen Gruppen geimpft sind, desto mehr sollte sich der Blickwinkel bei den Öffnungsszenarien von der 7-Tage-Inzidenz auf die Durchimpfungsrate der einzelnen Gruppen und der gesamten Bevölkerung richten. „Wir müssen das große Ganze sehen. Dazu gehört neben der Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen, dem lokalen Ausbruchsgeschehen und der Ausbreitung von Mutationen vor allem auch der Fortschritt der Impfungen. Jeder Bürger hat zudem die Möglichkeit, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen. Eine Registrierung für eine Schutzimpfung über das Tool der Impfzentren in Bayern ist hier ein erster wichtiger Schritt.

 

Aktuell wird in einer Messehalle auf der Loretowiese ein weiteres Impfzentrum eingerichtet, das ab Ende März in Betrieb gehen soll. Vorausgesetzt es wird genügend Impfstoff geliefert, könnten dann täglich rund 1.500 Impfungen in den beiden Einrichtungen auf der Loretowiese verabreicht werden. Wenn auch die Hausärzte in ihren Praxen bald die Möglichkeit bekommen zu impfen, kann die Schlagzahl der Impfungen weiter erhöht werden. „Der Fortschritt wäre für die Bürgerinnen und Bürger jeden Tag deutlich zu sehen und damit rücken auch Lockerungen in greifbare Nähe.“ Lederer wünscht sich zudem, den Kreisverwaltungsbehörden vor Ort mehr Entscheidungsmöglichkeiten zu geben. In enger Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern könnten alle relevanten Parameter betrachtet und individuell abgewogen werden.

 

Die Bürgerinnen und Bürger kämpfen auch im Landkreis Rosenheim seit einem Jahr gegen die Pandemie. Sie tragen die notwendigen Einschränkungen mit und halten sich vorbildlich an die Maskenpflicht, die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Doch man merke auch, dass der ständige Wechsel zwischen Lockerungen und Beschränkungen zu Frust führe. Die Akzeptanz der Maßnahmen lässt nach, so Lederer. Zusätzlich zu den Impfungen müsse darum auch die Teststrategie weiter ausgebaut werden, um Infektionen schnellstmöglich zu erkennen und die Infektionsketten sofort zu unterbrechen. Die Kontaktpersonennachverfolgung bleibt weiterhin ein wichtiges Thema und auch die AHA-Regeln werden sicherlich noch länger Bestandteil unseres Alltags im Kampf gegen die Pandemie sein. „Hier appelliere ich an die Eigenverantwortung der Menschen, sich auch weiterhin an die Maßnahmen zu halten. Jeder kann etwas tun, auf dem Weg zurück zur Normalität.“

Hier die Mitteilung des Traunsteiner Landrates zu seinen fünf Schritten aus der Pandemie im Wortlaut … 

 

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