„In der zurückliegenden Woche ist das Infektionsgeschehen in der Region Rosenheim auf der Stelle getreten. Die Werte der 7-Tage-Inzidenz liegen zwar derzeit unter dem Bundesdurchschnitt, bewegen sich aber weiter auf hohem Niveau über der 100-er Marke, so dass weiterhin keine Entwarnung gegeben werden kann“, darauf weist Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, im heute veröffentlichten Wochenbericht des Landratsamtes Rosenheim hin. 

Trotz hoher Fallzahlen könne das Gesundheitsamt Rosenheim weiterhin die positiv Gemeldeten tagesaktuell telefonisch und schriftlich über ihre Infektion informieren und die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen. Auch die engen Kontaktpersonen könnten zeitnah kontaktiert und ebenfalls eine häusliche Quarantäne angeordnet werden.

 

Aktuelle Lage:

Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim weist darauf hin, dass seit Mitte Februar zunächst ein anhaltender Anstieg des Infektionsgeschehens in der Region bestand. Seit dem letzten Wochenbericht bewegen sich die Werte konstant auf hohem Niveau, in der Stadt zwischen 110 und 120 und im Landkreis zwischen 100 und 115.

In der Stadt Rosenheim wurde der niedrigste Wert der 7-Tage Inzidenz am 18. Februar mit 36,2 erreicht und ein Maximum mit 218,7 am 16. März. Am 19. März wurde die 200-er Marke wieder unterschritten und liegt aktuell bei 107,0. Im Landkreis Rosenheim stieg dieser Wert von 42,5 am 13. Februar auf 108,7 am 20. März und liegt aktuell bei 114,4.

Seit dem letzten Wochenbericht wurden dem Gesundheitsamt Rosenheim täglich zwischen 14 und 85 neue Fälle gemeldet, dies entspricht den Zahlen der Vorwoche.

 

Besorgniserregende Varianten:

Die besorgniserregenden Varianten des Coronavirus bilden auch in der Region die Mehrzahl der Fälle: Bislang wurden dem Gesundheitsamt 1.154 Fälle einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. Seit dem letzten Wochenbericht wurden 229 Fälle der britischen Variante von zuvor positiv in der PCR getesteten Personen gemeldet. Bislang ist in der Rosenheimer Region weiterhin lediglich ein bestätigter Fall der südafrikanischen Variante dem Gesundheitsamt gemeldet worden, über den bereits berichtet wurde. Die brasilianische Mutation wurde nicht nachgewiesen.

 

Für Verdachtsfälle sowie bestätigte Fälle einer besorgniserregenden Variante gelten strengere Infektionsschutzmaßnahmen: Neben einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne, die nicht verkürzt werden kann, ist für die Beendigung der Quarantäne zusätzlich ein negatives Testergebnis erforderlich. Diese Maßnahmen gelten auch für die engen Kontaktpersonen der Kategorie I.

 

Infektionsschutzmaßnahmen:

Der Anteil der besorgniserregenden Varianten an allen positiven PCR-Ergebnissen lag im März bei 60,4 Prozent, in der letzten Woche sogar bei 81 Prozent. Die britische Variante hat damit das ursprüngliche Virus abgelöst, was die hohe Anzahl von Neuinfektionen zur Folge hat. )Die besorgniserregenden Varianten können den Verlauf der Pandemie verschlimmern, zu einer schnelleren Verbreitung der Infektionen, zu schwereren Verläufen, zu erhöhter Sterblichkeit und zu einer Überlastung der Intensivstationen führen. Bei einzelnen Sonderformen der besorgniserregenden Varianten kann sogar eine schlechtere Schutzwirkung der Impfung oder einer in der Vergangenheit durchgemachten Infektion resultieren“, so Dr. Wolfgang Hierl.

Nach wie vor befinde sich die Region Rosenheim inmitten der 3. Welle. „Die Infektionen breiten sich ungehindert aus. Weitere Lockerungen, zum Beispiel im Rahmen einer Teilnahme der Stadt an dem Modellprojekt der Staatsregierung, müssen vorsichtig und schrittweise erfolgen, durch strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie durch eine intensive Teststrategie abgesichert und durch stringente Kontrollmechanismen überwacht werden. Wir dürfen nicht riskieren, dass durch Unachtsamkeit und Unvernunft die Infektionszahlen durch die Decke gehen und so schweren Erkrankungen den Weg bereiten.“

Auch wenn die 1. Prioritätsgruppe der Coronavirus-Impfverordnung – insbesondere die Bewohner von Heimen – bereits geimpft seien, gebe es weiterhin eine sehr große Zahl vulnerabler Personen aufgrund Alters oder schwerer chronischer Grunderkrankungen. Allein in der Altersgruppe zwischen 70 und 80 Jahren leben in Stadt und Landkreis etwa 31.000 Menschen. Die dominierende britische Variante bewirkt nicht nur eine schnellere Infektionsübertragung, sondern sie ist von der Schwere der Erkrankungen auch gefährlicher.

 

Appelle von Leiter des Gesundheitsamtes

Bedeutsam hierbei ist die Tatsache, dass etwa die Hälfte aller Neuinfektionen im privaten Umfeld Familie und Freundeskreis stattfinden. Hierl: „Jeder Einzelne ist gefordert, vernünftig, diszipliniert und vor allem liebevoll mit sich und seinen Mitmenschen umzugehen. Das ist für mich gelebte Solidarität. Nur gemeinsam können wir Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Rosenheim die aktuelle Krise bewältigen. Ich appelliere an jede Bürgerin und jeden Bürger, die bekannten AHA-L-Regeln einzuhalten, sich impfen zu lassen und auf Reisen derzeit zu verzichten. Wir haben die Waffen, den unsichtbaren Feind zu bekämpfen und zu besiegen, aber nur ein konsequentes, rücksichtsvolles und mitmenschliches Agieren wird uns alle aus dieser dunklen Zeit herausführen. Bitte übernehmen Sie Verantwortung für sich selbst, Ihre Familien und die Schwächeren in der Gesellschaft. Haben Sie Vertrauen in unser Gesundheitssystem, das bislang die Menschen während der Pandemie nach Kräften bis an die Grenze der Erschöpfung erfolgreich betreut, gepflegt und behandelt hat. Zeigen Sie aber auch die nötige Veränderungsbereitschaft, sich auf eine neue Normalität einzustellen, überprüfen Sie Ihr bisheriges Verhalten im Alltag und zeigen Sie einen solidarischen Umgang mit Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Dann können wir auch die letzten Strecke der Pandemie erfolgreich hinter uns bringen.“

 

Das Gesundheitsamt beobachtet auch weiterhin eine große Zahl von Infektionen am Arbeitsplatz. Als besondere Schwachstellen können hier Großraumbüros, unzuverlässiges Maskentragen, Verstöße gegen das Abstandsgebot, zum Beispiel in Pausen- oder Umkleideräumen, und unzureichendes Lüften ausgemacht werden. „Wenn solche Ansteckungsmöglichkeiten geboten werden, kann sich die britische Variante leicht ausbreiten mit der Folge, dass zum teil ganze Betriebsbereiche aufgrund notwendiger Quarantäneanordnungen stillgelegt werden müssen. Die Unternehmen sollten wo immer möglich großzügig Gebrauch von Homeoffice-Regelungen machen“, bewertet Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, die Lage.

 

Infektionsquellen:

Infektionsübertragungen ereignen sich weiterhin überwiegend im privaten Umfeld, das 48 Prozent der bekannten Infektionsursachen ausmacht. Etwa 12 Prozent fallen auf den Arbeitsplatz. Vereinzelt (ca. 2 Prozent) kommt es zu Infektionserkrankungen in Einrichtungen wie Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen. Als Lichtblick sieht das Gesundheitsamt, dass kaum mehr Infektionen bei Bewohnern von Heimen auftreten. „Dies ist ein großer Erfolg der Impfungen in den Einrichtungen“, so Hierl. Es ereignen sich auch wieder einzelne Fälle und Ausbrüche in Schulen und Kitas (ca. 2 Prozent) und Asylbewerberunterkünften.

Überwiegend werden die Fälle im Rahmen von Untersuchungen bei der Kontaktpersonennachverfolgung (ca. 40 Prozent) und bei Testungen aufgrund von Symptomen (ca. 42 Prozent) entdeckt.

 

Impfungen:

Insgesamt sind zirka 49.200 Impfungen seit Impfstart vor allem in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese erfolgt. 30.179 davon waren Erstimpfungen, 19.016 Zweitimpfungen. Insgesamt 8.952 dieser Impfungen wurden in stationären Einrichtungen sowie betreuten Wohnformen in Stadt und Landkreis Rosenheim verabreicht. Seit dem 29. März ist das zweite Impfzentrum auf der Loretowiese in Betrieb, sodass – abhängig von der verfügbaren Menge an Impfstoff – die Impfkapazität des gemeinsamen Impfzentrums Rosenheim deutlich erhöht werden konnte.

 

Es wird darauf hingewiesen, dass für die Impfung gegen COVID-19 eine Registrierung unter https://impfzentren.bayern zu erfolgen hat. Es darf sich bereits jeder impfwillige Bürger registrieren, unabhängig von der Priorisierung nach der Coronavirus-Impfverordnung und der jeweiligen Mobilität. Besteht ausnahmsweise keine Möglichkeit zur Internetnutzung, ist auch eine telefonische Registrierung bei der Impfhotline unter der Rufnummer 08031/ 365 8899 möglich.

Um Warteschlagen vor dem Impfzentrum zu vermeiden, werden die Bürgerinnen und Bürger mit Termin gebeten, pünktlich zu erscheinen.

 

Fallzahlenentwicklung:

Seit dem letzten Wochenbericht mit Stand vom vergangenen Freitag wurden dem Gesundheitsamt 282 neue Fälle (vergangene Woche.: 337) für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. Bisher sind insgesamt 15.051 Fälle von COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 11.780, Stadt: 3.271). Mittlerweile wurde bei mindestens 13.311 Personen eine Genesung dokumentiert. 487 Personen (481) sind bis zu diesem Zeitpunkt an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 432, Stadt: 55). Von den Verstorbenen waren 16 (16) Personen unter 60 Jahren. 334 (331) Verstorbene waren über oder gleich 80 Jahre alt. Dem Gesundheitsamt wurden 6 Personen (3) gemeldet, die seit dem letzten Wochenbericht verstorben sind. Hiervon waren 4 Personen über oder gleich 80 Jahren und zwei Personen zwischen 60 und 80 Jahren. 2 dieser Verstorbenen waren in einem Heim betreut worden.

Bislang wurden dem Gesundheitsamt 1.154 Fälle (Landkreis 877, Stadt 277) (925) einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet. In einem Fall handelt es sich um die südafrikanische Variante (B1.351), über den bereits berichtet wurde, in allen anderen Fällen um die britische (B.1.1.7). Hiervon wurden dem Gesundheitsamt seit dem letzten Wochenbericht 229 Fälle gemeldet. Alle Fälle sind bei der Gesamtfallzahl von COVID-19-Fällen enthalten. Im März betrug die Rate positiver britischer Varianten an allen positiv gemeldeten Fällen 60,4%, seit dem letzten Wochenbericht liegt sie sogar bei 81,0%.

99 (: 107) COVID-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt. Hiervon befinden sich 18 Patienten (13) auf einer Intensivstation.

Die 7-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner während der letzten 7 Tage) liegt mit Stand heute, Donnerstag, für die Stadt Rosenheim bei 107,00 (119,59), für den Landkreis Rosenheim bei 114,41 (99,87).

 

Übersicht über Infektionsumfeld und Testanlass für den Zeitraum 26. bis 31. März bei neu gemeldeten Fällen:

 

Die aktuelle Fallzahlen in den Gemeinden: