Landrat Lederer und MdB Ludwig nehmen Stellung: Bahn gibt Trasse für Brennernordzulauf durch den Landkreis bekannt

Die Trasse lila! Sie kommt. Heute sei ein guter Tag für unsere Region und ein Meilenstein für das Jahrhundertprojekt Brennernordzulauf. Das sagt die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig am heutigen Nachmittag. Die Trasse sei die bestmögliche Lösung für Menschen und Umwelt! Die Deutsche Bahn und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer haben heute Mittag die Trasse für den Brennernordzulauf durch den Landkreis Rosenheim bekannt gegeben. Die Bahn hat sich entschieden: Der Brenner-Nordzulauf soll östlich des Inns gebaut werden! Dabei handelt es sich um die von der Bahn violett gekennzeichnete Variante (siehe Karte). Hier die aktuellen Stellungnahmen von Landrat Otto Lederer und auch von MdB Ludwig dazu im Wortlaut am heutigen Dienstagnachmittag …

Die ausgewählte Strecke liegt beim Thema Umweltschutz vorne. Die 54 Kilometer lange Trasse verläuft zu 60 Prozent unterirdisch.

Dadurch beanspruche sie weniger Fläche, minimiere die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt und schone somit die Umwelt, sagt die Bahn zur Entscheidung.

Der grenzüberschreitende Tunnel Laiming und der Tunnel Steinkirchen sind jeweils rund 13 Kilometer lang. In Deutschland gibt es heute keinen längeren Bahntunnel. Zudem unterquert ein 5,5 Kilometer langer Tunnel das Gemeindegebiet von Stephanskirchen …

 

Die Visualisierung der Strecke (Quelle: Bahn)

 

Landrat Otto Lederer zur Trassen-Wahl:

Im Sommer des vergangenen Jahres forderte der Rosenheimer Kreistag in einer Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren zum Brenner-Nordzulauf, dass überall wo es möglich ist, die Bahnstrecke unterirdisch geplant werden muss. Ähnlich wie in Tirol, sollen auch auf bayerischer Seite mindestens 80 Prozent der Zulaufstrecke unter die Erde gebracht werden.

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung der Deutschen Bahn für den violetten Trassenvorschlag ein Schritt in die richtige Richtung. Weil die Flächen-Inanspruchnahme aller vier Varianten hier am geringsten ausfällt, kommt sie den Erwartungen der Kreisrätinnen und Kreisräte am nächsten.

Dies ist in gewisser Weise auch eine Bestätigung dafür, dass sich das Engagement der Vertreterinnen und Vertreter aus den betroffenen Kommunen im Planungsraum diesbezüglich gelohnt hat. Klar ist aber auch, dass es noch erheblichen Verbesserungsbedarf gibt.

So ist es schwer zu verstehen und nicht nachvollziehbar, dass in der heutigen Zeit eine Neubaustrecke so geplant wird, dass sie bestehende Infrastruktureinrichtungen, wie zum Beispiel Bundessstraße oder Bahngleise, durch oberirdische Bauwerke kreuzt, anstatt sie zu untertunneln. Auch die Tatsache, dass derzeit nördlich und westlich von Rosenheim keine unterirdischen Streckenanteile geplant sind, ist nicht vermittelbar.

Das sehen nicht nur wir – die betroffenen Kommunen und der Landkreis – so, auch die Regierung von Oberbayern kam in der landesplanerischen Beurteilung zu diesem Schluss. Auch sie fordert mehr Tunnelanteile, um die oberirdischen Streckenanteile möglichst weit zu reduzieren. Dazu gehört die Unterquerung des Inns im Norden sowie eine Verlegung der Verknüpfungsstelle „Niederaudorf-BAB“ in den Berg.

Die Entscheidung des Bundesverkehrsministers, eine dazu notwendige Studie zu finanzieren, hilft uns weiter und ist daher sehr zu begrüßen. Bedanken möchte ich mich auch bei der Bayerischen Staatsregierung und dem Regionalen Planungsverband, die uns immer unterstützt haben und auch zukünftig beistehen werden, wenn es um die Forderung geht, oberirdische Strecken unterirdisch zu gestalten.

Die Bekanntgabe der Deutschen Bahn heute ist eine wichtige Markierung auf dem immer noch sehr langen Weg hin zu entscheidungs- und mehrheitsfähigen Planungen. Bundesverkehrsminister Scheuer sieht darin den Beginn eines mehrjährigen Optimierungsprozesses bezüglich der violetten Vorzugstrasse. Der Landkreis Rosenheim wird diesen Prozess gemeinsam mit den betroffenen Kommunen sowie den Bürgerinnen und Bürgern intensiv und konstruktiv kritisch begleiten.

Landrat Otto Lederer

Und hier die Stellungnahme von MdB Daniela Ludwig:

Heute ist ein guter Tag für unsere Region und ein Meilenstein für das Jahrhundertprojekt Brennernordzulauf. Die Trasse ist die bestmögliche Lösung für Menschen und Umwelt:

–              Sie verläuft in weiten Teilen unterirdisch. Die direkte Betroffenheit der      Anwohnerinnen und Anwohner wird dadurch minimiert.

–              Diese Trasse ist wirtschaftlich.

–              Sie nutzt die topographischen Verhältnisse optimal aus.

–              Sie beinhaltet zahlreiche Lärmschutzmaßnahmen.

–              Sie ist das Ergebnis einer intensiven Bürgerbeteiligung.

Seit 16 Jahren begleite ich dieses europäische Projekt und habe es dabei den Bundesverkehrsministern auch nicht leicht gemacht. Dieser Druck hat sich ausgezahlt, sonst gäbe es die violette Trasse -mit bereits zum jetzigen Stand 60 Prozent Untertunnelungen- nicht.

Andreas Scheuer hat mit uns in der Region an einem Strang gezogen und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zur Chefsache erklärt. Der Planungsdialog hat sich gelohnt. Diese Lösung wäre ohne eine Beteiligung der betroffenen Gemeinden, Verbände und Bürger nicht zustande gekommen.

Wir setzen damit ein deutliches Signal: Der Schutz unserer Bürger und der Umwelt ist wichtiger als eine billige Lösung! Dass diese Vorgabe jetzt zur Vorzugstrasse geführt hat, zeigt, dass auch eine Tunnellösung finanzierbar ist. Sie ist wirtschaftlich, weil sie weniger Flächen verbraucht und langfristig mit mehr Umwelt- und Naturschutz punktet. Das ist in unser aller Interesse.

Klar ist aber auch: Die Arbeit fängt jetzt erst an! Es gibt noch Abschnitte, die dringend überarbeitet und verbessert werden müssen. Das sind vor allem die Regionen nördlich von Rosenheim, für die ich weiterhin die Prüfung von Tunnellösungen fordere. Gerade zwischen Langenpfunzen und Schechen sind hochsensible Bereiche und landwirtschaftliche Nutzflächen betroffen. 

Ebenso sind Tunnel- oder Wannenlösungen zwischen Rohrdorf und Lauterbach zu prüfen.

Geklärt werden müssen aber insbesondere auch die Innquerungen und wo und wie die Einfädelungen auf die Bestandstrasse gestaltet werden. Während eine Unterquerung des Inns zwischen Flintsbach und Nussdorf machbar erscheint, müssen wir für die Querung des Inns zwischen Leonhardspfunzen und Langenpfunzen noch die bestmögliche Lösung suchen.

Der Bund hat ein Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, das die Möglichkeit einer unterirdischen Verknüpfung bei Oberaudorf zum Gegenstand hat. Beauftragt ist das Schienenforschungszentrum in Dresden, das auch den Austausch mit der Region suchen wird. Ich bedanke mich ausdrücklich bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der auf meine Bitte hin diese Untersuchung ermöglicht hat. Ein Ergebnis wird für Ende 2021 erwartet. Auch die Verknüpfungsstelle bei Ostermünchen ist noch nicht zufriedenstellend gelöst.

Ich bin nun voll und ganz bei den von der Vorzugstrasse betroffenen Gemeinden. Meine Unterstützung habe ich den dortigen Bürgermeistern bereits zugesagt. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, den wir nur Hand in Hand gehen können, um am Ende das Beste für unsere Heimat zu erreichen. Ich appelliere deshalb an alle Beteiligten, sich konstruktiv einzubringen. Wir müssen die Trasse Kilometer für Kilometer überprüfen, verfeinern und wo nötig auch verändern.

MdB Daniela Ludwig

So geht es weiter

Weiter geht es mit der Vorplanung: Ingenieur:innen prüfen weitere Verbesserungen und erarbeiten die Details. Auch bei den nächsten Phasen suchen DB und ÖBB den Dialog mit den Menschen in der Region, heißt es heute.

In den beiden nördlichen Planungsräumen Trudering–Grafing und Grafing–Großkarolinenfeld haben die Planungen vor kurzem begonnen. Auch hier erfolgt ein intensiver Planungsdialog mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.

Das Ziel sei, die Gesamtstrecke des Brenner-Nordzulaufs von München-Trudering bis zur Grenze Deutschland-Österreich bis 2040 fertigzustellen.

Karten: brennernordzulauf.eu / Deutsche Bahn